Lemgo (rto). In Gedenken an Adolf Sternheim, einen jüdischen Lemgoer Bürger, der KZ und Gewaltherrschaft des Dritten Reiches überlebt hat und sich nach dem Krieg sozial und ehrenamtlich engagierte, wird alle zwei Jahre die Sternheimnadel an verdiente Lemgoer Bürger verliehen. Als diesjährige Preisträgerinnen wählte die Jury Marlis Nitschke und Karin Schäfer aus. In einer Feierstunde im Rathaus, zu der viele Gäste gekommen waren, hob Bürgermeister und Laudator Dr. Reiner Austermann das besondere Engagement der beiden Frauen hervor.
Marlis Nitschke ist bereits jahrzehntelang ehrenamtlich aktiv. So hat sie im Jahr 1982 das erste Flüchtlingsbüro für die Caritas in Lemgo initiiert und ist bis heute in diesem Bereich tätig. "Sie erfüllten während dieser ganzen Zeit das Wort ‚Caritas’ (Nächstenliebe) mit Leben", lobte Austermann die Geehrte. Wie kaum zu einer anderen Zeit habe ihre Tätigkeit jetzt auch einen aktuellen Bezug durch die zahlreichen Flüchtlinge und die daraus resultierenden Aufgaben, fügte er hinzu. Karin Schäfer ist seit über 60 Jahren für das Deutsche Rote Kreuz unermüdlich tätig. Noch heute organisiert sie die lebenswichtigen Blutspende-Termine und hat während ihrer langen aktiven Zeit viele Führungsaufgaben und Einsätze des DRK ehrenamtlich übernommen. Bürgermeister Dr. Reiner Austermann, der Karin Schäfer persönlich gut kennt, befand abschließend schmunzelnd: "Man muss wie du, schon ein bisschen mehr als verrückt sein, wenn man an seinem fünfzigsten Geburtstag die Nacht auf einen Feldbett im DRK-Zelt auf einer Übung verbringt." Auch Udo Golabeck, der die beiden Frauen für den Preis vorgeschlagen hatte, hielt eine kurze Laudatio. "Die beiden Bürgerinnen unserer Stadt haben viel soziale Verantwortung übernommen und sind immer für Menschen in Not hilfsbereite Ansprechpartner gewesen. Sie haben sich diese Auszeichnung verdient", sagte der Vorsitzende der SPD-Ratsfraktion. Die Preisträgerinnen bedankten mit emotionalen Worten – vor allem bei ihren Familien und Kollegen, ohne deren Unterstützung ihre Arbeit nicht möglich wäre. Beide Frauen forderten dazu auf, sich zu engagieren und zeigten noch bestehende Probleme bei der Bewältigung der aktuellen Flüchtlingsproblematik auf. Im Anschluss an die Feierstunde hatten die Ausgezeichneten, ihre Gäste und Ehrengäste bei einem Empfang noch Zeit für Gespräche.
