Oerlinghausen (kd). Bedenkenträger und Schwarzseher hatten Klaus Büker seinerzeit gewarnt. Eine Oldie-Nacht zugunsten der Krebshilfe? Sein Vorhaben könne doch nur ein finanzielles Desaster werden. Das Gegenteil ist der Fall. Am Samstag hieß es in Oerlinghausen bereits zum zehnten Mal "Rock gegen Krebs". Die Bilanz ist beachtlich: Seit 2005 kamen fast 120.000 Euro an Spenden zusammen. Als faszinierende Idee bezeichnete auch Dr. Franz Kohlhuber von der Deutschen Krebshilfe die Oerlinghauser Initiative. Jedes Jahr erkrankten 500.000 Menschen in Deutschland an Krebs. Um ihnen beizustehen und die Forschung voranzutreiben, gebe es die Krebshilfe. Sie arbeite unabhängig und sei allein auf Spenden angewiesen. Schirmherr Dirk Becker forderte vorab einen "Riesenapplaus" ein für den Einsatz der vielen ehrenamtlichen Helfer, dann lautete die Devise "Let’s have a party". Christian Anders fiel die Aufgabe zu, die 1.200 Zuhörer in der Aula des Niklas-Luhmann-Gymnasiums in Stimmung zu bringen. Doch das Publikum war trotz des langen Wartens zuvor im Regen überaus gut drauf und empfing den Schlagersänger sehr freundlich. Fast der ganze Saal sang die Texte von "Geh nicht vorbei" und "Einsamkeit hat viele Namen" mit. Dem jugendlich wirkenden Anders sah man seine 70 Jahre kaum an. Er kokettierte noch ein wenig mit seinem Alter: "Ich habe 1969 angefangen, da waren die meisten von Ihnen noch gar nicht geboren – so sehen Sie jedenfalls aus." Auch sein größter Hit "Es fährt ein Zug nach Nirgendwo" durfte nicht fehlen. Die meisten Zuhörer klatschten im Takt und sangen den Refrain mit. Ironisch war höchstens der Sänger selbst mit seiner rhetorischen Frage: "Noch eine Strophe?" Christian Anders sei eben "ein Mann, der Liebeslieder singen kann wie kein anderer", meinte Klaus Büker. Er riet dazu, möglichst viele CDs und Erinnerungsartikel zu kaufen, denn die Künstler würden die gesamten Einnahmen spenden. Als "erste echte Rockband des Abends" eroberten dann Mike Pender und seine "Searchers" die Bühne. Die vier Herren in ihren schwarzen Anzügen hätte man sich auch in einem Bingoclub oder gemütlich vor dem Kamin sitzend vorstellen können. Doch vom ersten Ton an ließen sie keinen Zweifel, dass sie echte Rock’n’Roller sind. "Sweets for my sweet" und "Take it or leave it" sind Titel, die bereits vor einem halben Jahrhundert gespielt wurden. Bei den Fans in Oerlinghausen kamen sie immer noch gut an. Wecken sie doch Erinnerungen an eine unbeschwerte Zeit, als die Begriffe Aids oder Fukushima noch völlig unbekannt waren. "Ist jemand aus den Sixties hier? Mit derselben Haarfarbe wie ich?", wollte Mike Pender, der langjährige Sänger der Original-"Searchers" wissen. Nur um zu verraten, dass er bereits 74 Jahre alt sei. Er kenne Deutschland noch aus der Zeit, als er in Hamburg im legendären "Star Club" auftrat. Den legendären Club erwähnten auch die "Rattles". Sie waren nicht nur die erste deutsche Rockband mit Hits in England, sie unterstützten auch "Rock gegen Krebs" von Beginn an. Und so verbreiteten sie erneut gute Laune mit unverwüstlichen Titeln wie "Come on and sing", "Sha la la la lee", "Twist and shout" und "Knockin’ on heavens door". Zum Gedenken an die Toten der Anschläge in Paris stimmte Herbert Hildebrandt, nur begleitet vom Sologitarristen Manfred Kraski, das Lied "Imagine" an. Am Ende bat die Band Klaus Büker auf die Bühne. Zum Dank für die mehrfachen Einladungen nach Oerlinghausen, intonierte Eggert Johannsen gemeinsam mit ihm das getragene "It’s all over now, baby blue". Doch der Abend war noch lange nicht vorbei. Zum Jubiläum wurde eine Weltklasse-Band verpflichtet: "Smokie". Am Tag zuvor noch in Israel gefeiert worden, wurden die fünf Softrocker auch in Oerlinghausen stürmisch begrüßt. Vor allem fiel Alan Barton mit seiner unverkennbar rauchigen Stimme auf. Bei dieser Band klangen die x-mal gespielten Titel "Lay back in the arms of someone", "Mexican girl" und "For a few dollars more" aktueller denn je. Und bei "Living next door to Alice" sangen wohl alle im Saal den Refrain mit. Bassist Terry Uttley, der einzige Musiker aus der Ur-Besetzung stellte sogar einen Bezug zum Zweck des Abends her. "Ich fühle mich persönlich betroffen", sagte er. "Denn meine Frau ist vor vier Jahren verstorben, an Krebs."
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Let’s have a Tönsberg-Party
Auch beim zehnten "Rock gegen Krebs" wirkten die Oldies frisch wie eh und je
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