Bad Salzuflen (go). Ilse und Bruno Eichmann, Hedwig Hamlet, Max und Selma Kornberg, Magret Silberbach… Erstmals wurden auf der Gedenkveranstaltung zur Pogromnacht vom 9. November 1938 am Mahnmal "Alte Synagoge" in der Mauerstraße die Namen der Opfer des Holocausts aus Bad Salzuflen und Schötmar verlesen. 63 Namen waren es, die Seda Özler und VHS-Leiter Franz Meyer nannten. "Wir sprechen immer nur von den Opfern, aber die Opfer haben einen Namen", sagte Franz Meyer.
Eingeladen zum Gedenken hatten der Bad Salzufler Ratschlag gegen Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus und die Stadt Bad Salzuflen. Der Einladung waren viele Bad Salzufler gefolgt, der Parkplatz neben dem Mahnmal war voller Menschen. Die Pogromnacht mit der Zerstörung von Synagogen, jüdischen Ladengeschäften und Wohnungen in ganz Deutschland habe vor Augen geführt, dass die jüdischen Mitbürger völlig entrechtet worden sind und von den Nachbarn im Stich gelassen wurden, sagte Bürgermeister Roland Thomas in seiner Ansprache. Waren Ende des 19. Jahrhunderts die Juden in Bad Salzuflen und Schötmar voll integriert, begannen die Nationalsozialisten mit der Pogromnacht ihre systematische Juden-Verfolgung; es gab erste Verhaftungen, ab 1941 folgten die Deportationen in die Konzentrationslager, führte Bürgermeister Roland Thomas aus. In Schötmar in der Aechternstraße habe die Feuerwehr in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 untätig daneben gestanden, als die Synagoge brannte – nur anwesend, um zu verhindern, dass sich das Feuer auf nebenliegende Wohnhäuser ausbreitete. Paul-Gerhard Kluge trug zur Gedenkveranstaltung drei getragene Stücke auf dem Englischhorn vor. Im Anschluss gab es ein Konzert in der Aula der Volkshochschule mit hebräischen und sephardischen Liedern.
