1. Kunst, Künstler und Betrachter im Dialog

    Ausstellung "Richard Deacon und Schüler" im Eichenmüllerhaus

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    Lemgo-Brake (nr). Es ist zwar bereits das vierte Mal, dass die Lippische Gesellschaft für Kunst die Reihe "Meister und Schüler" ins Eichenmüllerhaus trägt, aber zum ersten Mal werden dabei sowohl Erdgeschoss, als auch Obergeschoss bespielt. Dabei zeigen die Arbeiten eine ungeahnte Fülle an gänzlich unterschiedlichen Ansätzen in der Kunst. "Richard Deacon und Schüler" wird noch bis zum 6. Dezember zu sehen sein. Er arbeitet gern mit jungen Künstlern, weil sie seinen Blick für neue Wege in der Kunst schärfen; ihn Dinge erkennen lassen, die er so vielleicht nie gesehen hätte, wie er sagt. Der britische Bildhauer Richard Deacon lehrt seit 35 Jahren an den bedeutenden Kunstakademien in Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden und Deutschland und ist immer wieder überrascht, wie vielgestaltig die Ansätze und Wege in der Kunst sind. "Wir setzen uns immer erst mit den fertigen Arbeiten auseinander", erklärt er. "Ich würde meinen Studenten niemals raten, etwas an ihren Arbeiten zu verändern, aber ich fordere sie und ihre Kommilitonen dazu auf, darüber zu reden, was sie sehen." Dieser Dialog zwischen Kunst, Künstler und Betrachter ist für ihn ein zentrales Element seiner Lehrtätigkeit. Ein Exkurs, der die jungen Künstler fordert, die eigene Kunst durch viele verschiedene Augen zu betrachten und dennoch in dem, was sie tun, authentisch zu bleiben. "Auch wenn ich etwas adaptiere, muss ich es zu meiner Kunst machen", meint Nina Nowak beim Betrachten ihrer Arbeit, einem schier endlos anmutendem Puzzle arabischer Ornamente, das von einem nur scheinbar metallenen Tisch bis zu zwei weiteren Elementen reicht. Elf Studenten der Düsseldorfer Kunstakademie sind mit Richard Deacon nach Brake gekommen. Es ist ihre eigene Ausdruckskraft, ihr eigenes Verständnis für Kunst, das sie zeigen, keine Adaption der oft schon epischen Arbeiten Richard Deacons, der es versteht, mit geschickt gestellten Fragen genau das herauszufinden, was seine Schüler in ihren Arbeiten ausdrücken wollen. So auch bei Astrid Pohl, die mit Innen- und Außenräumen arbeitet. Sichtbar bei einem ihrer Objekte ist nur die glatte Oberfläche aus Sand und Gips in Form einer umgedrehten Badewanne. Der Innenraum? "Der ist noch feiner ausgearbeitet", erzählt sie. "Ich bilde mir ein, dass der Betrachter das einfach spüren wird." Kunst ganz einfach im Dialog. Und das zieht sich als Leitfaden durch eine ganz wunderbare Ausstellung. Da werden die vier Bilder von Xiaobin Zhang gleich in einem ganz anderen Wesen dargestellt. Farben voller Leichtigkeit, die nach oben zu steigen scheinen. Vielleicht eine gewollte Illusion, hat der junge Künstler die Leinwände doch nur auf der Rückseite mit Ölfarbe bemalt. So wird die Komposition zwar direkt vom Betrachter aufgenommen, aber erst der zweite oder dritte Blick enthüllt genau das, was dem flüchtigen ersten Blick verwehrt scheint. So tritt der Betrachter von Raum zu Raum immer wieder in einen ganz eigenen Kosmos, der gleichzeitig immer neu hinterfragt werden muss. Ob eine Stadt aus unfertig anmutenden hölzernen Häusern auf metallenen Stäben, filigran gefertigten Gipsfiguren oder auch das Objekt "Float" von Richard Deacon, immer wieder muss sich der Betrachter auf etwas Neues, Unerwartetes einlassen. Eine Ausstellung wie eine Einladung zum neugierig bleiben. Die Ausstellung "Richard Deacon und Schüler" ist noch bis zum 6. Dezember in der städtischen Galerie Eichenmüllerhaus, Braker Mitte 39 zu sehen. Die Öffnungszeiten sind jeweis Donnerstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr.

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