Lemgo/Kreis Lippe (nok) . Wenn ein Motorsportler von einem Chauffeur zum Arbeitsplatz gebracht wird, dann kann dies eigentlich nur zwei Gründe haben. Entweder handelt es sich um einen Star oder er besitzt (noch) keinen Führerschein. Beim Lemgoer Yannick Welsche ist das etwas anders – bei ihm sitzt der "Chauffeur" auf dem Beifahrersitz. Im Rahmen des Begleitenden Fahrens (Führerschein mit 17) wird der junge Lipper von seinem Vater Ulrich oder seinem Opa Horst Meinhardt zu den Veranstaltungen gebracht. Noch knapp einen Monat (bis zu seinem 18. Geburtstag) muss sich Yannick gedulden, bis er allein am Steuer eines Autos am öffentlichen Straßenverkehr teilnehmen darf. Dass er bereits jetzt zu den Autofahrern in Lippe gehört, die ihr Fahrzeug perfekt beherrschen, hat der Lemgoer beim diesjährigen ADAC Slalom-Youngster Cup eindrucksvoll bewiesen. Schon vor dem letzten von insgesamt 12 Wertungsläufen zu dieser Nachwuchs-Motorsportserie stand der Schüler am Hanse-Berufskolleg als Sieger fest. Der dritte Rang beim Saisonfinale in Herford gehörte schon zu den "schlechtesten" Ergebnissen eines besonders erfolgreichen Jahres. Vier Siege, vier zweite Plätze und der dritte Rang in Herford bescherten dem jungen Lemgoer mit 7.544 Punkten (vorläufiges Endergebnis) den Cupsieg vor dem Bad Meinberger Lars Büschenfeld (7.120 Punkte) und dem Gütersloher Marvin Preuss (6.607 Punkte). Dieser Erfolg Yannick Welsches zeugt insofern von besonderen fahrerischen Qualitäten, weil alle 20 Cupteilnehmer auf identischen, beziehungsweise sogar dem selben Fahrzeug(en) an den Start gingen. Für die Nachwuchsserie im Slalomsport stellt der ADAC Ostwestfalen-Lippe drei nahezu serienmäßige Ford Fiesta bereit, um jungen Talenten einen kostengünstigen Einstieg in den Motorsport zu ermöglichen. Ausgeschrieben ist die Slalom-Serie in zwei Altersklassen. In der Gruppe A fahren die 15 bis 18-Jährigen um schnelle Zeiten. Alle jungen Teilnehmer müssen vor dem Einstieg in die Serie ihre Fahrkenntnisse bei zwei Sichtungslehrgängen des ADAC Ostwestfalen-Lippe auf dem Trainingsgelände in Paderborn-Mönkeloh unter Beweis stellen. Viele von ihnen, wie auch Yannick Welsche, haben zu diesem Zeitpunkt bereits einige Jahre im Jugendkartsport Erfahrungen gesammelt. In der Gruppe B fahren die 18 bis 23-jährigen Talente um Meisterschaftspunkte. Alle starten bei den Veranstaltungen auf einem 82 PS starken Ford Fiesta, bei dem lediglich das Fahrwerk, die Auspuffanlage und der Sitz vom Serienfahrzeug abweichen. Die drei Cup-Fahrzeuge werden nach jedem Rennen vom Autohaus Weege in Lemgo gewartet und im Bedarfsfall repariert. Dass sich Yannick Welsche bereits im zweiten Jahr seines Cup-Einsatzes (2014 war er Gesamt-Fünfter, Anm. d. Red.) als Champion feiern lassen darf, zeugt von seinem großen Talent und seiner Zielstrebigkeit. Er habe seinen Fahrstil weiter verbessern können, meistens die optimale Line zwischen den Pylonen gefunden und das Auto fast immer gut im Griff gehabt, erklärte Yannick Welsche im Gespräch mit dieser Zeitung. Ausgerechnet bei der Veranstaltung seines "Heimatvereins" AC Lemgo, erlaubte er sich einen kleinen Fehler. "Auf nasser Strecke bin ich zu hohes Risiko gegangen. Das Auto brach aus, ich hab mich gedreht und eine Pylone geschmissen. Damit war keine gute Platzierung mehr möglich", analysierte der 17-Jährige nüchtern und sachlich. Dass seien die Rennen, aus denen man lernt. Da die schlechtesten drei Läufe der Serie am Ende gestrichen wurden, warf dieser Patzer den Lemgoer im Kampf um den Gesamtsieg aber nicht zurück. Neben dem Youngster-Cup startete Welsche parallel auch im eigenen Fahrzeug – ebenfalls ein Ford Fiesta – auch als Newcomer im Automobil-Clubsport Slalompokal des ADAC OWL und im Pokal der Lippischen Landesbrandversicherung. Obwohl er dort auch gegen erfahrenere Piloten und leistungsstärkere Fahrzeuge antreten musste, sprangen in der Gesamtwertung ein 7. Platz (Clubsport) und ein hervorragender 2. Platz (LLB Pokal) heraus. Nach den diesjährigen Erfolgen im Youngster-Cup und den lehrreichen Jahren im Kartsport, wird sich Welsche in den Wintermonaten höchstwahrscheinlich eine neue Herausforderung im Motorsport suchen. "Die Rundstrecke im Tourenwagen – das wäre mein großer Traum. Ob sich der allerdings realisieren lässt, ist noch nicht klar", berichtet Yannick. Neben fahrerischem Talent gehöre auch ein konkurrenzfähiges Auto und das nötige Kleingeld dazu. Da Yannick mit seinen noch 17 Jahren keinesfalls zu den realitätsfremden Träumern gehört, die sich in drei Jahren in der Formel 1 sehen, sondern den Motorsport als Hobby betrachten, bei dem man seine fahrerischen Grenzen sinnvoller Weise außerhalb des Straßenverkehrs austesten kann, nimmt er gut gemeinte Ratschläge erfahrener Motorsportler gerne an. "Die Rundstrecke und der Tourenwagen-Rennsport sind eine ganz andere Geschichte als der Slalom. Der Kampf Auto gegen Auto ist etwas anderes als ein Einzel-Zeitfahren auf einem Pylonenkurs. Der Bördesprint in Oschersleben wäre eine Möglichkeit, erste Erfahrungen zu sammeln", rät ihm Achim Weege, selbst viele Jahre auf den großen Rundstrecken Deutschlands unterwegs. Erste Schnuppereinheiten gab es für Yannick kürzlich auf der Teststrecke Bilster Berg, wo er auf dem Beifahrersitz eines Rennfahrzeugs, an der Seite eines erfahrenen Piloten, einige Schweißperlen in das Innenleben seines schwarzen Helms drücken durfte. Motorsport bedeutet dem jungen Lemgoer sehr viel, aber keinesfalls alles. Erst einmal denkt er jetzt an seine berufliche Zukunft. Er hat sich bei namhaften deutschen Autoherstellern beworben und denkt intensiv über ein duales Studium nach. Zunächst steht aber noch das Fachabitur beziehungsweise die komplette Hochschulreife auf der Tagesordnung. Dafür drücken ihm seine Familie und seine Freunde die Daumen. Ach ja, und dann gibt es bei der Siegerehrung des ADAC noch den großen Gesamtsiegerpokal ...
-
Ein junges Talent auf Erfolgskurs
Yannick Welsche aus Lemgo ist neuer Champion im ADAC Slalom-Youngster Cup
Dieser Eintrag wird bereitgestellt durch Schaumburger Wochenblatt | Impressum
