1. Detmolder Bürger gedenken der Opfer

    Kranzniederlegungen und bewegende Lesung zum 9. November 1938

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    Detmold (gh). Am 9. November 1938 brannten in ganz Deutschland die Synagogen. Auch in Detmold. Am Montag wurde mit einer Gedenkfeier und Kranzniederlegungen an der alten und neuen Synagoge und einer Lesung im Rathaus der Opfer der Reichspogromnacht gedacht.

    In der Nacht zum 10. November 1938 kam es zu Pogromen gegen Juden. Bei den Exzessen der Nazis wurden über 1.400 Synagogen und jüdische Gebetshäuser in Brand gesteckt, tausende jüdische Geschäfte, Wohnungen und Friedhöfe wurden zerstört; jüdische Menschen wurden inhaftiert und in Konzentrationslager verschleppt. Dieser planmäßigen Zerstörung jüdischer Einrichtungen folgte bald die systematische Vernichtung jüdischen Lebens in Europa. Viele Detmolder Bürger, darunter Altbürgermeister Friedrich Brakemeier, haben sich am Montagabend an der Gedenkstätte Alte Synagoge versammelt und hielten einen Moment inne. Bürgermeister Rainer Heller ließ in seiner Rede das Geschehen von damals Revue passieren und zog Vergleiche zur Flüchtlingspolitik: "Die aktuellen Ereignisse untermauern diese Gedenken noch mehr und diese Gedenkfeiern sensibilisieren immer wieder aufs Neue." Pfarrer Dieter Bökemeier von der Lippischen Landeskirche schloss sich der Gedenkansprache: "Auch in Detmold brannten in dieser Nacht, vor 77 Jahren, Geschäfte und jüdische Existenzen wurden zerstört. Die neue Synagoge, damals erst 30 Jahre alt, wurde dem Erdboden gleichgemacht. Von 1742 bis 1905 nutzten die Juden in Detmold die Fachwerksynagoge in der Exterstraße. Es sind unglaubliche und unfassbare Dinge passiert, an die man sich immer wieder erinnern muss." Nach der Kranzniederlegung verlasen Schüler des Stadtgymnasiums die Namen von jüdischen Mitbürgern, die dem Holocaust zum Opfer fielen und zündeten Kerzen an. Die Gedenkstunde endete mit dem jüdischen Gebet "Kaddisch". Ebenso wurde in der Lortzingstrasse, an dem Gedenkstein am Platz der Neuen Synagoge, ein Kranz von der evangelischen und katholischen Jugend niedergelegt. "Zuerst brannten die Bücher..." Im Anschluss an die Gedenkfeier fand im Rathaus eine Lesung mit Musik statt, unter dem Titel "Zuerst brannten die Bücher…" vorgetragen von der Schauspielerin Grit Asperger und Germanist Frank Meier, musikalisch begleitet von Joanne Bialek am Baja (Knopfakkordeon). Über 100 Zuhörer besuchten diese Veranstaltung, die von der Stadt Detmold in Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Kafka und Co und mit Unterstützung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Lippe ausgerichtet wurde. "Das war eine sehr bewegende und eindrucksvolle Lesung und schöne Begleitmusik", erklärte Petra Schröder-Heidrich (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Detmold). Fünf Jahre bevor deutschlandweit die Synagogen in Flammen standen wurden bei der "Aktion wider den undeutschen Geist"öffentlich Bücher verbrannt. Hauptthema der Lesung war die von der Deutschen Studentenschaft organisierte Bücherverbrennung. Ebenso wurde der regionale Bezug anhand der Lebenserinnerungen der Detmolder Buchhändlerin Ruth Michaelis Jena und des Journalisten Felix Fechenbach genommen. Zum Abschluss folgte die Erzählung "Kristall und Schäferhund" von Jenny Aloni. Darin schildert die jüdische Schriftstellerin die Schrecken der Pogromnacht in ihrer Geburtsstadt Paderborn.

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