Bad Salzuflen (dib). "Weil in den Wohnzimmern kaum Platz für große Skulpturen ist, kann ich es mir als Holzbildhauer nicht leisten, die Wände nur den Malern zu überlassen", sagt der Herforder Künstler und Fachwerkmitglied Gerd Schnapp-Ebmeier, der noch bis einschließlich Sonntag, 29. November in den Räumen des Fachwerks, am Pfarrkamp 8 in Schötmar, aktuelle Werke, die in den vergangenen drei Jahren entstanden sind, ausstellt. "Als Holzbildhauer bin ich fasziniert vom Material und den Strukturen exotischer und einheimischer Hölzer" sagt er. Seine ausgestellten Holzbilder, die von umfangreichen Kenntnissen in der Verarbeitung des Werkstoffs geprägt sind, haben hohen Wiedererkennungswert - "Das ist Ebmeier". Art, Farbe, Struktur und Maserung der Hölzer vermitteln dem Betrachter eine Komposition aus Material und Form, die individuelle Erfahrungen mit dem Werkstoff Holz voraussetzen. Das Holz verbindet er in seinen 3D-Wandbildern mit den unterschiedlichsten Materialien wie Kupfer oder Messing, diversen Naturprodukten und Harzen. Dabei will Schnapp-Ebmeier bewusst keine Abbilder der Realität schaffen, sondern den Betrachter für die Ästhetik des Zusammenspiels der Materialien begeistern.
Schwerpunkt der Ausstellung im Fachwerk sind jedoch seine "Rostbilder" und seine "Photopaintings". Seine Rostbilder nennt er "Transformationen", also Umbildungen oder Umformungen, die auf die Veränderung von real existierenden Werkstoffen hinzielen. Auf den ersten, flüchtigen Blick denkt der Betrachter an verrostete, korrodierte Stahl- oder andere Metallplatten, bei denen die rostigen Brauntöne dominieren. Doch weit gefehlt: Schnapp-Ebmeier arbeitet bewusst mit chemischen oder physikalischen Prozessen, bei denen er Messing-, Kupfer-, Bronze- oder Eisenpigmente mit Papier, Fundstücken aus Blech und Naturmaterialien auf Holz oder Leinwand zu Materialcollagen zusammenfügt, die sich dann einer optischen Täuschung gleich als verrostete Stahlplatte, teilweise mit geätzten Strukturen, darstellt. "Dabei habe ich zwar Vorstellungen, was rauskommen kann, aber das wird es nicht immer", sagte der Künstler. "Manchmal gibt es einen Wow-Effekt, aber manchmal ist es einfach nur Schrott." Als begeisterter Fotograf findet Schnapp-Ebmeier die Vorlagen für seine "Photopaintings" in der Natur: Landschaften und Details, Blumen, Gräser, Steine, Holzbruchstücke. Diese Aufnahmen verfremdet er oft schon in der Kamera und bearbeitet sie anschließend mehrfach mit unterschiedlichen Programmen digital bis zur völligen Unkenntlichkeit. Daraus schafft er großformatige Wandbilder, die zwar ein gedrucktes "Abbild" der Natur darstellen, das dem Betrachter manchmal ansatzweise ein erkennbares Motiv vermittelt, meistens jedoch "nur" ein bis zur völligen Unkenntlichkeit verfremdetes Objekt. Dabei ist allen seinen Werken ein Eindruck des real Existierenden eigen. Die Frage des Betrachters "Was haben Sie fotografiert" bleibt somit unbeantwortet. "Ich gebe meinen Werken absichtlich keine Titel, weil ich damit die Fantasie des Betrachters beeinflusse", sagt Schnapp-Ebmeier. "Es geht mir nicht darum, das Kunstwerk zu entmystifizieren, sondern dem Betrachter Raum für eigene Assoziationen und Vorstellungen zu lassen." Insgesamt eine Ausstellung, die dem Betrachter sehr viel Fantasie abverlangt, die aber überaus sehenswert ist. Und so viel sei verraten: Bei zwei seiner Photopaintings ist es gar nicht so schwer, hinter das Geheimnis der Originalaufnahme zu kommen. Geöffnet ist die Ausstellung bis einschließlich Sonntag, 29. November dienstags bis freitags von 17 bis 19 Uhr, sowie sonnabends und sonntags von 15 bis 18 Uhr. Die Werke sind verkäuflich. Eine Preisliste liegt aus.
