1. Kunstwandeln im Lichtkegel

    Eine Taschenlampenführung im Junkerhaus

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    Lemgo (pro). Licht aus, Spot an! Ein bisschen kühl ist es im Lemgoer Junkerhaus, aber sehr informativ und spannend. LA-Mitarbeiterin Shari Profe nahm an einer Taschenlampenführung teil. Erst wenn es draußen vollständig dunkel ist, nimmt Christiane Thiel vom Stadtführerteam im Foyer gegenüber die Taschenlampen aus der kleinen Kiste am Tresen: "Wir haben hier immer einen kleinen Vorrat für unsere Gäste – aber meistens sind sie auch selbst gut ausgerüstet!" Im Museum, von dem aus man über einen Glasdurchgang ins eigentliche Junkerhaus gelangt, beginnt die Führung noch im Hellen. Zunächst erfahren die Zuhörer Grundlegendes zum Leben des Künstlers, Karl Junker. 1850 in Lemgo geboren, prägten Kindheit und Jugend verschiedene Schicksalsschläge – wie der frühe Tod seiner Eltern und seines Bruders. Nach dem Besuch des Lemgoer Gymnasiums verließ Karl Junker die Schule und begann eine Tischlerlehre – der Grundstein seiner Lebensgeschichte, die er bis zu seinem Tod der Arbeit mit Holz verschrieb. Mit teilweise neuem, teilweise bereits vorhandenem Hintergrundwissen macht sich die etwa zehnköpfige Gruppe auf ins Dunkel des über hundert Jahre altes Gebäudes. Jedoch nicht, ohne vorher die Jacken wieder anzuziehen. "Im Inneren des Hauses haben wir meistens ein paar Grad über Außentemperatur – Heizung gibt es ja nicht", erklärt Christiane Thiel das besondere Merkmal des Ortes: Im Junkerhaus gibt es keine elektrischen Installationen, was der antiken Umgebung noch mehr Wirkung verleiht. So erfährt der Besucher, nur mit kleinem Licht in der Hand, wie es vor hundert Jahren gewesen sein muss, wenn sich Karl Junker des Nachts in seinem Haus bewegte. Still ist es. Die Expeditionsteilnehmer lassen die Lichtkegel ihrer Taschenlampen – unentwegt die hölzerne Umgebung nach unentdeckten Schätzen absuchend – wild durcheinander huschen: Mit jeder Bewegung erfasst das Auge Schnitzereien, eigentümliche Motive, die den Blick auf sich ziehen und zum näher Herantreten einladen. Ein geschnitztes Geländer vom Boden bis zur Decke hat nicht nur dekorative Gründe, wie Christiane Thiel demonstriert: Direkt dahinter, unter einer im Fußboden eingelassenen Holztür, geht es in den Keller. Da sich dieser direkt gegenüber der Treppe zu den anderen Stockwerken befindet, musste ein Stolperschutz her. Hinter der nächsten Ecke versteckt ist die einzige Toilette des Hauses – vom Schlafzimmer unter dem Dach war also ein ganzes Stück im Unbeleuchteten zurückzulegen, ereilte Karl Junker das Bedürfnis zu nachtschlafender Zeit. Während das Dachgeschoss Besuchern nicht mehr zugänglich ist, betritt man unter Knarzen der alten Holzbohlen mit vorsichtigem Schritt die mittlere Wohnebene – die tatsächlich niemals diesen Zweck erfüllen und unbewohnt bleiben sollte. David Justin, der mit seinem Vater bei der Taschenlampenführung mitmacht, kann sich gar nicht entscheiden in welchen Raum er zuerst leuchten soll und eilt von der Diele aus in verschiedene Richtungen – nicht ohne sich zwischendurch zu vergewissern, dass sein Papa noch an Ort und Stelle ist. Dieser betrachtet eingehend die im Kunstlicht grell wirkende Bemalung der Holztäfelungen. Die Erkundung begleitet auch hier die Stimme Christiane Thiels mit Ausführungen zu den selbsthergestellten Möbeln und Wandmalereien, wobei biblische Motive vorherrschend sind. Leuchtet man in die äußeren Ränder der Räume, tauchen Überbleibsel der einst vollends bemalten Bodenbretter im Lichtschein auf. Der sparsame Einsatz von Beleuchtung schenkt Erwachsenen wie Kindern dabei eine völlig neue Sicht auf das Werk Karl Junkers: Wo man bei Tage mit einem Übermaß an Detailreichtum konfrontiert wird, fällt es mit der Lichtquelle in der Hand leichter, sich ganz persönliche Schwerpunkte der Betrachtung zu wählen. Mit einem letzten Abstecher in den Werkstattraum endet die etwa 75-minütige Tour durch das nächtliche Junkerhaus – blinzelnd folgen die Gäste Christiane Thiel zurück ins Foyer des Museums und sehen sich individuell noch einige Ausstellungstücke an.

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