1. Ein T(r)ipp aus der Vergangenheit

    Der Bad Salzufler Günter Lorenz findet 60 Jahre alten Toto-Tippschein

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    Bad Salzuflen (nok). Das Papier ist unübersehbar vergilbt und der wirtschaftliche Wert des 60 Jahre alten Toto-Tippscheins ist gleich null. Für Günter Lorenz aus Bad Salzuflen hat das gut behütete Papier allerdings einen hohen ideellen Wert. Der Schein erinnert ihn an seine Jugend, an alte Fußballzeiten, Freunde und mehr. Am 15. September 1955 hat seine Mutter diesen Tippschein in einer Dortmunder Lotto/Toto-Annahmestelle abgegeben und er durfte als damals 13-jähriger Bursche eine Tippreihe der so genannten 12er Wette ausfüllen. "Der Wetteinsatz war seinerzeit eine Mark pro Tippreihe, maximal zwei Reihen konnte man ausfüllen. Und mit viel Glück und etwas Fußballverstand – das ist bis heute gleich geblieben – konnte man einen fünfstelligen Geldbetrag gewinnen«, erinnert sich der gebürtige Dortmunder. Seine Mutter sei eine fußballbegeisterte Frau gewesen, gewonnen habe sie bei dem Tippspiel allerdings nie. Das 60 Jahre alte Papier weckt im Bad Salzufler Fußballfreund allerdings Erinnerungen. Getippt wurde damals nicht die Spiele der Bundesliga, denn die gab es noch nicht. Stattdessen zierten Vereinsnamen wie Preußen Dellbrück, Wormatia Worms, TuS Neuendorf, Kickers Offenbach, Rot-Weiß Essen oder die Spielvereinigung Andernach die Tippreihen. Sie alle spielten in der Oberliga, die seinerzeit in die Staffeln Nord, Süd, Südwest, West und die Vertragsliga Berlin aufgeteilt waren. Von Bayern München redete damals noch niemand und die Idole hörten auf die Namen Max Morlock, Helmut Rahn, Fritz Walter, Hans Schäfer, Horst Eckel, Jupp Posipal oder Toni Turek. Auch ein gewisser Günter Siebert kickte damals in der höchsten deutschen Spielklasse. Er sollte später noch an anderer Stelle für Schlagzeilen sorgen. Günter Lorenz Fußballerherz schlug damals – und daran hat sich bis heute nichts geändert – für den BvB Borussia Dortmund. In der Jugendzeit hat er selbst für die Gelb-Schwarzen gekickt. Auch die Borussen spielten damals in der Oberliga, was der 60 Jahre alte Tippschein beweist. Am 17. September 1955 spielten "seine Jungs" gegen den 1. FC Köln. Das Spiel endete damals 3:0 für den BvB. Seine Mutter hatte den Ausgang des Spiels auf Unentschieden getippt. "Ich habe damals natürlich auf Borussia gesetzt, was als 13-Jähriger nicht unbedingt dem besseren Fußballverstand, sondern eigentlich eher der grenzenlosen BvB-Zuneigung geschuldet war", erinnert sich Lorenz. Die Stadionbesuche in Dortmund waren damals wie heute ein besonderes Erlebnis. In den 50er Jahren spielten die Borussen im Stadion "Rote Erde", welches dank einer Zusatztribüne aus Holz schon über ein hohes Fassungsvermögen von 42.000 Besuchern verfügte. "Mit dem heutigen Stadion ist das natürlich nicht zu vergleichen, aber die Stimmung war da aber auch schon sensationell", so Lorenz. Voller Stolz blickt er heute auf viele Dortmunder Erfolge – national und international – zurück. Mit alten Freunden besucht der heute 73-jährige Lipper immer noch die Spiele "seiner" Borussia. So oft es geht sei er live dabei. Als zugereister Ostwestfale – Günter Lorenz zog es vor 35 Jahren "der Liebe wegen" in die Region – ist die Freude und Zuneigung zur "Alten Liebe" Borussia heute aber nicht mehr ungeteilt. Inzwischen ist Günter Lorenz auch regelmäßig auf der Bielefelder Alm zu sehen. "Das ist genauso ein Traditionsverein wie Dortmund. Deshalb gehe ich auch dort gerne hin", sagt der Bad Salzufler. "In der Aufstiegssaison im vergangenen Jahr habe ich viele Spiele auf der Am verfolgt. Die Stimmung war super. Ich bin sehr froh, eine verständnisvolle Frau an meiner Seite zu haben, die mir dieses Hobby trotz eines nicht unerheblichen Zeitaufwandes nie streitig gemacht hat." Fußball und der Sport allgemein haben im Leben von Günter Lorenz immer eine große Rolle gespielt. Neben den Fußballschuhen hat Günter Lorenz lange Jahre auch die Laufschuhe geschnürt, dabei mehrfach den "Hermannslauf" und einige Marathonläufe absolviert. Auch auf dem Wasser fühlt sich der gelernte Industriekaufmann und Betriebswirt wohl. Die sechsjährige Zugehörigkeit zur Bundesmarine (1960 bis 1966) war für ihn ein ganz besonderer Lebensabschnitt. Mehrere Segeltörns bestimmten seine Freizeit- und Urlaubsgestaltung. Ein unvergesslicher Höhepunkt war eine Weltreise auf dem Schulschiff Deutschland. Heute, wo die Knochen nur dosierte Sporteinheiten erlauben ist Lorenz froh auch noch zwei weitere Hobbies zu haben. Den eigenen Garten und vor allem den Chorgesang im Shantychor Bielefeld. Der Grund für seine Affinität zu Seemannsliedern ist dabei nur unschwer zu erraten. Für die Zukunft wünscht sich der rüstige Rentner noch viele Siege der Borussen und der Arminen, viel Zeit im Kreis seiner Familie und mit seinen fünf Enkelkindern. Tippscheine füllt er allerdings nicht mehr aus.

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