Kreis Lippe/Detmold (nok). Für jeden Ausbildungslatzsuchenden eine Stelle bereithalten. Das wäre das Traumziel aller Vermittler und Arbeitsmarktexperten. Wenn nach aktuellen Auswertungen in Lippe derzeit 75 unversorgten Bewerbern 59 unbesetzte Ausbildungsstellen gegenüberstehen, dann sieht es auf den ersten Blick so aus, als sei man diesem Ziel sehr nahe. Ein weiterer Blick in die jetzt vorgelegte Statistik offenbart jedoch andere Zahlen. 3.493 Jugendliche (326 oder 8,5 Prozent weniger als Vorjahr) waren der Agentur für Arbeit in diesem Jahr als Bewerber um einen Ausbildungsplatz gemeldet. Dem standen 2.034 gemeldete Ausbildungsplätze gegenüber. Die große Anzahl derjenigen Bewerber, die sich statt Ausbildung für den Besuch einer weiterbildenden Schule, für ein Studium, ein freiwilliges soziales Jahr oder einen Auslandsaufenthalt entschieden haben, lassen die so bereinigte Situation weitaus weniger dramatisch erscheinen. Arbeitsagentur, Handwerk, Industrie und Handel stellten bei der gemeinsamen Ausbildungsmarktbilanz eine unverändert große Kluft zwischen Angebot und Nachfrage fest. Zu den wesentlichen Herausforderungen künftiger Bemühungen gehörten eine qualitative Besetzung der Ausbildungsplätze und eine bessere Integration benachteiligter Bewerber. Darüber hinaus stehen die Vermittler und Experten künftig noch vor einer weiteren, bisher nur schwer überschaubaren Aufgabe, immer mehr Flüchtlinge in den Ausbildungsmarkt einzubinden. Heinz Thiele, Leiter der Detmolder Arbeitsagentur, sieht gerade in diesem Punkt (zu) hohe Erwartungen der Politik. Abgesehen von den Sprachbarrieren verfügten etwa 80 Prozent der geflüchteten Personen nach bisherigen Erkenntnissen über keine anerkannte Berufsausbildung oder kein anerkanntes Studium, erklärte er bei der Präsentation der ausgewerteten Zahlen. Zusammen mit Andrea Hegerbekermeier, der stellvertretenden Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Paderborn-Detmold, sowie Martin Raithel von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Lippe zu Detmold und Laura Krüger (Teamleiterin der Berufsberatungstellte) stellte Heinz Thiele keine wesentlichen Veränderung im Rahmen von Angebot und Nachfrage fest. Im Vergleich zum landesweiten Trend sei das Niveau der gemeldeten Ausbildungsplätze in Lippe nach wie vor recht hoch und konstant. Ziel sei es aber, dieses Angebot weiter zu verbessern und 2016 zwischen 200 und 300 Ausbildungsplätze mehr bereit stellen zu können. Die Anzahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in den technisch/gewerblichen und den kaufmännischen Berufen im Bereich der IHK Lippe zu Detmold befand sich mit 1200 Verträgen auf dem identisch hohen Niveau wie im Vergleichsjahr 2014 bei gleichzeitig niedrigster vorzeitiger Vertragslösungsquote in den letzten zehn Jahren. Dort war ein Zugewinn von 3,5 Prozent im Bereich der technisch/gewerblichen Berufsausbildung zu verzeichnen. "Dies spiegelt den hohen Bedarf an gutausgebildeten Facharbeitern, insbesondere im Metall- und Elektrobereich wieder", so Martin Raithel. "In diesen beiden Bereichen werden 28 Prozent der neuen Ausbildungsverträge abgeschlossen. Allein im Metallbereich verzeichnen wir fast 14 Prozent mehr neu begonnen Ausbildungen als 2014", berichtete Raithel weiter. Andrea Hegerbekermeier stellte diet Nachwuchssorgen des Handwerks heraus. Vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung seien strukturelle Probleme im Bereich der Ausbildung deutlich erkennbar. "Insgesamt gibt es für 2015 373 Neueintragungen von Ausbildungsverhältnissen. Das sind bereits zehn weniger als noch im Vorjahr und 117 weniger als noch in 2012", erklärte sie. In einigen Berufen seit dieser negative Trend deutlicher erkennbar als in anderen. Das Beispiel der Friseure verdeutliche beispielhaft die prekäre Situation. "Mittlerweile verzeichnen selbst diese – jahrelang gab es hier eine stabile Nachfrage – geringere Zahlen an Bewerbungen" so Hegerbekermeier. Probleme hätten unter anderem auch die Maler. Hier seien es 2012 beispielsweise noch 48 Neueintragungen bei den Ausbildungsverhältnissen. In 2015 waren nur noch 20 Lehrlinge zu zählen. Ähnlich gehe es den Tischlern und die Liste ließe sich beliebig weiter fortsetzen. Zu besseren Integration benachteiligter Bewerber oder auch zur Reduzierung der Abbrecherquote bietet die Detmolder Arbeitsagentur seit Sommer dieses Jahres Unterstützung in Form von "Assistierter Ausbildung" an. Nähere Informationen zu diesem Programm gibt es unter der kostenfreien Service-Rufnummer 0800 4555500 (für Jugendliche) bzw. unter der Telefonnummer 0800 4555520 (für Arbeitgeber). Weitere individuelle Unterstützungsangebote bietet die Agentur für Arbeit in Detmold – teilweise zusammen mit ihren Netzwerkpartnern in der lippischen Bildungslandschaft – wie gewohnt an. Laura Krüger, Teamleiterin der Berufsberatung, stehen rund fünf Millionen Euro in 2015 zur Verfügung, um den beruflichen Werdegang von jungen Frauen und Männern zu unterstützen. Bewährte Maßnahmen sind Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen (BaE), ausbildungsbegleitende Hilfen (abH), berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen (BvB), Einstiegsqualifizierung (EQ). Weitere Handlungsfelder im Rahmen der Zusammenarbeit mit den Kammern, Arbeitgeberverbänden, Gewerkschaften und weiteren Partnern bleiben auch in Zukunft die Verbundausbildung, die Teilzeit-Ausbildung oder die Erstausbildung junger Erwachsener.
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Neue Herausforderung für den Ausbildungsmarkt
3.493 Bewerber für 2.034 Ausbildungsplätze – Kluft zwischen Angebot und Nachfrage weiter hoch
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