WUNSTORF (gi). 2011 hat Wunstorf 750 Jahre Stadtrechtsverleihung gefeiert. Dieses Jubiläum ist, wie Professor Dr. Manfred Rasche in einem Aufsatz festgestellt hat, jedoch nicht haltbar. Anlass für das Jubiläum war der Regest einer auf Latein verfassten Urkunde von 1261. Ein Regest ist die Inhaltsangabe einer Urkunde. Dort heißt es: "Bischof Kuno von Minden erteilt den Einwohnern von Wunstorf das Mindener Stadtrecht". Eine Analyse des Textes ergab jedoch, dass der Begriff Stadtrecht in der Urkunde nicht vorkommt. Das gilt auch für andere Urkunden aus dieser Zeit zu ähnlichen Angelegenheiten. Es ging immer nur um Rechte, Freiheiten oder Privilegien, die meistens nicht eindeutig beschrieben waren. Oft wurde sich auf die Rechte anderer bezogen. So erhielten die Wunstorfer die Rechte der Bewohner von Minden, aber nicht erst 1261, sondern bereits früher, zwischen den Jahren 1237 und 1242. Das ist im Urkundentext erwähnt. Welche Rechte das waren, ist allerdings unbekannt. Damit begann die Entwicklung zu einer Stadt, in der die Bürger eigene Rechte hatten. Die Urkunde richtet sich an Wunstorfs Bewohner. Folglich gab es noch keinen Stadtrat. Dieser tritt ab 1290 auf. Eigenständig handeln, ohne Rücksicht auf die Stadtherren, die Bischöfe von Minden und die Wunstorfer Grafen, kann die Stadt erst ab 1339. Einige Rechte mittelalterlicher Städte erhielt Wunstorf jedoch nie. Dazu gehörten der Zoll, das Münzrecht und die hohe Gerichtsbarkeit. Das Stadtgericht des Rates durfte keine Todes- oder andere Leibesstrafen verhängen. Diese Rechte hatten andere. Andererseits wurde Wunstorf jedoch etwa ab 1030 zu einer Stadt ausgebaut. Darauf deuten die mit Holz befestigte Lange Straße, die Wasserleitung, viele Häuser und ein aufwändiges Haus in der Nordstraße hin, die es zu dieser Zeit bereits gab. Es war allerdings noch keine Bürgerstadt, sondern die Stadt des Stiftes, mit der Äbtissin als Stadtherrin. Der komplette Aufsatz zu diesem Thema ist im Info des Heimatvereins und im Stadtarchiv einsehbar und kann bei manfred.rasche@kabelmail.de angefordert werden. Foto: gi
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Aufsatz über Stadtrechte für jedermann einsehbar
Professor Rasche führt intensive Recherche durch / Spannende Ergebnisse
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