1. Neue Gesichter und viele Seiten

    Lesereihe "Ganz Ohr sein" in der Stadtbücherei

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    Lemgo (pro). Lemgoer Bürger stellen einander lesenswerte Literatur vor – dieses Projekt des Fördervereins der Stadtbücherei Lemgo ist über die Jahre ein fester Termin im Kalender von Lesefreunden geworden. Das Ziel, Neues kennenzulernen, nahmen die Organisatoren am Freitag vergangener Woche in jeder Hinsicht erfrischend wörtlich: Sie hatten ausschließlich neue Gesichter eingeladen – Menschen, die ihre Aufgaben in Lemgo noch nicht lange wahr-nehmen. Das hatte einen bis auf den letzten Platz gefüllten Lesesaal zur Folge. Neugierige Zuhörer warteten gespannt auf literarische und persönliche Geschichten. Den Anfang machte der Neu-Lemgoer Pastor Dr. Ulf Zastrow, erst kürzlich von Berlin nach St. Nicolai gekommen und bereit eine prägende Momentaufnahme preiszugeben: "Am 3. Ok-tober reiste ich mit meiner Familie an – uns begrüßte ein strahlend blauer Himmel, es war als ob man in den Süden führe", erinnerte sich der Pfarrer. Sein mitgebrachtes Werk "Leben und Schicksal" von Wassili Grossmann (sowjetischer Schriftsteller sowie Frontberichterstatter des "Roten Sterns" im Zweiten Weltkrieg) umriss er mit einer Szene des Kriegshöhepunkts. Eine ganz andere Richtung schlug Büchereiangestellte Annika Junge mit dem Roman "Das fremde Meer" von Katharina Hardwell ein, die den Leser mit durch eine Welt von zehn viel-schichtigen Kurzgeschichten nimmt. Vorleserin Annika Junge berichtete zunächst von den Schwierigkeiten, die sich auf der Suche nach Wohnungen für Einpersonenhaushalte in Lemgo ergeben hatten und schließlich doch von Erfolg gekrönt waren. Schon etwas länger als Ulf Zastrow und Annika Junge, die erst wenige Wochen in ihren Posi-tionen arbeiten, ist Dr. Evelyn Tegeler als stellvertretende Direktorin der VHS Lemgo-Detmold im Amt: Bereits seit rund einem Jahr fühlt sich die derzeit in Bielefeld wohnhafte, gebürtige Paderbornerin an der Volkshochschule nach eigener Aussage pudelwohl und nutzte die Gelegenheit, ein ihr am Herzen liegendes "Plädoyer für Andersartigkeit" vorzustellen: "Buntschatten und Fledermäuse: Leben in einer anderen Welt" ist der autobiografische Erstling des autistischen Schriftstellers Axel Brauns und gibt erstaunliche klare Einblicke in den Alltag des Betroffenen in der nicht-autistisch geprägten Welt. In der Pause des Abends nutzte sie, ebenso wie ihre Co-Leser, die Gelegenheit zum regen Austausch mit den zahlreichen Zuhörern. "Es ist schön, einige vertraute Gesichter zu sehen und auch neue Bekanntschaften zu schließen. Die Stimmung passt einfach!", resümierte sie ihre durchweg positiven Eindrücke der Lesegemeinschaft an diesem Abend. Ein Geschenk, das Schulleiter Markus Herrmuth einst erhielt, wurde als letztes Buch des Abends nicht nur den Ohren, sondern auch den Herzen zuteil: "Das unerhörte Leben des Alex Woods oder warum das Universum keinen Plan hat" erzählt von der schicksalhaften Begeg-nung eines jungen Epileptikers mit einem älteren Herrn aus der Nachbarschaft. Mit den letzten Sätzen, während denen man die sprichwörtlich schon oft bemühte fallende Stecknadel hätte hören können, setzte der Direktor des Marianne-Weber-Gymnasiums den Schlusspunkt der Veranstaltung, dem auch Moderatorin Elisabeth Webel nichts mehr hinzufügen musste.

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