Oerlinghausen (kd). Er ist recht unscheinbar und steckt in einer abgegriffenen Lederhülle. Und dennoch eröffnet er den Zugang zu einem bedeutsamen Gebäude der Stadt Oerlinghausen: dem Rathaus. An ihrem letzten Arbeitstag als Bürgermeisterin übergab Dr. Ursula Herbort den originalen Schlüssel an ihren Nachfolger Dirk Becker. Sämtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung, Vertreter von öffentlichen Einrichtungen, den Parteien und Vereinen verfolgten die symbolische Handlung. Die Hitze des Wahlkampfs war verflogen. Die Entscheidung der Bürger hatte eindeutig den Wunsch nach einem Wechsel an der Stadtspitze ausgedrückt. Und so waren die Reden, die jetzt in der Mensa des Niklas-Luhmann-Gymnasiums gehalten wurden, milde, bisweilen sogar versöhnlich gestimmt. Als Kompliment durfte verstanden werden, dass Becker erwähnte, er habe sich 1991 als Ratsmitglied bewusst für die einzige Kandidatin unter den drei Bewerbern ausgesprochen. Dr. Herbort war zunächst acht Jahre lang Stadtdirektorin, danach 16 Jahre lang Bürgermeisterin. Es seien "ganz überwiegend glückliche Jahren" gewesen, sagte sie. Auch wenn sie Zeitverträgen sonst kritisch gegenüber stehe, akzeptiere sie ihren eigenen und somit das Ende des Wahlamtes auf Zeit. Dem Mitarbeiterteam stellte sie ein hervorragendes Zeugnis aus und bedankte sich für "Loyalität und Kreativität bei vielen schwierigen Aufgaben". Den Ratsmitgliedern und allen weiteren ehrenamtlich Tätigen dankte sie für "viele Ideen, Solidarität und Sorge um unsere Stadt". Oerlinghausen sei zu ihrer Heimat geworden, meinte Dr. Herbort. Nach ihrem beruflichen Neuanfang als Rechtsanwältin würde sie gern auch ehrenamtlich tätig werden. "Sprechen Sie mich ruhig an." Im Namen des Rates dankte der stellvertretende Bürgermeister Volker Neuhöfer für "eine lange vertrauensvolle Zusammenarbeit". Es sei nicht zuletzt das Verdienst von Dr. Herbort, dass die Stadt ihre finanzielle Handlungsfähigkeit bewahren konnte. "Sie haben sich um unsere Stadt verdient gemacht", sagte Neuhöfer. Gleichwohl erwähnte er, dass die Zusammenarbeit im Rat "in jüngster Zeit gelitten" habe. Die Auseinandersetzungen hätten das normale Maßüberschritten. Im übrigen zollte er Dr. Herbort seinen Respekt, wie sie mit der Wahlentscheidung umgegangen sei. Worte des Dankes sprachen auch Tanja Tilleke als Vorsitzende des Personalrates und Angelika Lindner, Fraktionschefin der CDU, sowie Gerhard Schemmel, Bürgermeister des benachbarten Leopoldshöhe. Die Bürgermeisterin sei in ihrer Amtsführung familienfreundlich, temperamentvoll und blitzschnell gewesen, bescheinigte ihr der Beigeordnete Hans-Jörg Düning-Gast. "Es ist kein Geheimnis: Die Zusammenarbeit war nicht immer konfliktfrei", sagte er. Doch sei es für die Mitarbeiter durchaus von Vorteil, wenn sie als Chefin einen Standpunkt konsequent vertrete. "Leider ist es mir nie gelungen, das letzte Wort zu behalten", bedauerte Düning-Gast. "Das wird bei mir auch weiterhin so bleiben", konterte der Nachfolger Dirk Becker und dämpfte damit allzu hohe Erwartungen. "Jetzt wird’s ernst", meinte Becker. Er habe an diesem Tag erstmals realisiert, was auf ihn zukomme. Denn die Erwartungen seien überaus hoch. Grundsätzlich wolle er sich für eine Beteiligungskultur einsetzen: So sollen alle Fraktionen gleich behandelt und noch mehr Bürger zum Engagement eingeladen werden. Becker will zunächst alle Gewerbeflächen in Augenschein nehmen, denn die Abwägung zwischen neuem Raum für wirtschaftliche Entwicklung und neuem Wohnraum sei schwierig. Als weitere dringende Themen nannte er die Zukunft der Bäder und der Schulen. Becker stellte klar, dass er seinen Wechsel vom Bundestag zum Amt des Bürgermeisters nicht als Abstieg betrachte. "Die wirklich große Politik ist die, die zu Lösungen kommt. Ich denke, das ist eher in Oerlinghausen als in Berlin möglich."
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Die Rathaustür steht offen
Nach 16-jähriger Tätigkeit übergab Dr. Ursula Herbort das Amt an Dirk Becker
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