1. "Round Table" zur Unterbringung von Flüchtlingen

    Samtgemeindevertreter diskutieren mit Ehrenamtlichen / Flüchtlingsbeauftragter vorgestellt / Wohnungen gesucht

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    Bad Nenndorf (gk). Auf Einladung der Samtgemeinde Nenndorf kamen rund 60 Vertreter von ehrenamtlichen Organisationen, Schulen, Kirchen und Parteien zu einem "Round Table" im Haus Kassel zusammen. Vielen Besuchern kam dabei aber die Frage der Integration zu kurz.

    Die Samtgemeinde hatte zu der Veranstaltung eingeladen, um frühzeitig Vorbereitungen treffen zu können, ankommende Flüchtlinge in Wohnungen unterbringen zu können. In den nächsten vier Monaten sollen zu den bisher in der Samtgemeinde lebenden Flüchtlingen noch einmal 150 bis 200 Menschen dazu kommen. "Wir wurden überrascht von dieser Aufgabe," sagte Mike Schmidt, "damit wurden wir vor eine große Herausforderung gestellt, die wir nur mit Hilfe von Ehrenamtlichen stemmen können," so der Bürgermeister weiter. Konkret forderte er von den Ehrenamtlichen Unterstützung bei der Wohnungssuche, der Beschaffung von Möbeln aus Spenden und der Begrüßung und ersten Orientierung im Alltag der Flüchtlinge. Viele der Anwesenden sahen jedoch die Aufgabe passende Wohnungen zu beschaffen nicht bei den Ehrenamtlichen. Vielmehr sahen sie die Samtgemeinde in der Pflicht, die Bürger besser darüber zu informieren, dass dringend Wohnungen benötigt werden. Es fehlen zwar noch viele Wohnungen, aber es wurden innerhalb kürzester Zeit bereits 12 Wohnungen an die Samtgemeinde gemeldet, so der Bürgermeister. Inwieweit diese aber geeignet sind und den Bestimmungen entsprechen, müsse erst geprüft werden. Und da fehlte es bisher an der nötigen Arbeitskraft. Zur Überraschung aller Anwesenden erklärte sich einer von ihnen spontan bereit, diese Aufgabe ehrenamtlich zu übernehmen und alle angebotenen Wohnungen fachkundig zu begutachten. Dieses Engagement dankten die Besucher mit spontanem Applaus. Aber es kamen auch Zweifel auf, ob überhaupt genügend Wohnungen in der Samtgemeinde gefunden werden können. Denn in den nächsten vier Monaten werden 25 Wohnungen benötigt. Auch Mike Schmidt sah hier eine große Herausforderung auf die Samtgemeinde zukommen. Auch sahen es viele Anwesenden als schwierig an, dass es bisher keinen Ansprechpartner in der Verwaltung gab, an den sich Ehrenamtliche oder Vermieter wenden konnten. Hierfür hatte der Bürgermeister aber eine Lösung parat. Denn durch eine Umstrukturierung innerhalb der Verwaltung wurde die Stelle eines Flüchtlingsbeauftragten geschaffen. Diese Aufgabe übernimmt ab sofort Nick Hromada. Schwierig wurde es dagegen bei der Frage die Wohnungen mit Möbeln auszustatten. Einen Großteil möchte die Samtgemeinde mit Möbelspenden aus der Bevölkerung bewerkstelligen, aber auch hier fehlt es an Mitarbeitern. Für den wiederholten Vorschlag des Bürgermeisters, dass sich doch ein paar der Ehrenamtlichen bereit erklären könnten Möbelspenden zu begutachten, bei den Spendern abzuholen und in den Wohnungen aufzustellen, konnte sich keiner der Anwesenden auf Anhieb begeistern. Die Diskussion driftete bald in Detailfragen der Integration ab, über die die Samtgemeindevertreter auf dieser Veranstaltung nicht weiter eingehen wollten. Bürgermeister Mike Schmidt bezog zu diesem Punkt klar Stellung. Er habe vom Landkreis Schaumburg nur den Auftrag bekommen, die Flüchtlinge in geeigneten Wohnungen unterzubringen und das sei im Moment das Problem, was gelöst werden müsse. Die Frage der Integration sei ein zweiter Schritt, den er jetzt aber nicht angehen könne, da er dazu keinen Auftrag hat. Das sorgte für Unmut unter vielen Anwesenden, die ihre zentrale Aufgabe in der Integration von Flüchtlingen sehen und ihre Fragen dazu gerne beantwortet hätten. Sie warfen der Samtgemeinde vor, Integration und Unterbringung von Flüchtlingen zu stark zu trennen und sahen das als Fehler an. Die Vertreter der Samtgemeinde verwiesen dabei auf die verschiedenen Zuständigkeiten. Während die Samtgemeinde erst einmal die Aufgabe hat Wohnraum zu finden, sei die AWO derzeit der richtige Ansprechpartner für Fragen zum Thema Integration. Außerdem gäbe es auch im Zusammenhang mit der Suche nach Wohnungen und bei der Begrüßung von ankommenden Flüchtlingen Aufgaben, die gut von Ehrenamtlichen übernommen werden könnten. Zum Beispiel werden Freiwillige benötigt, die die Flüchtlinge willkommen heißen und ihnen beim Bezug der Wohnungen und bei Behördengängen bei Sprachproblemen helfen. Diese Aufgabe könne die Samtgemeinde nicht alleine stemmen, so Bürgermeister Mike Schmidt, dazu würden einfach die nötigen Ressourcen fehlen. "Dass wir am Anfang eines langen integrativen Prozesses stehen, ist uns wohl allen klar," so Schmidt. "und dass der zweite Schritt der Integration noch schwieriger wird, als der erste Schritt der Unterbringung, wohl auch." Es fanden sich aber nach der Veranstaltung einige Freiwillige, die den Flüchtlingen bei ihren ersten Schritten in der Samtgemeinde helfend zur Seite stehen wollen. Wohnungseigentümer, die eine Wohnung zu vermieten haben und diese für Flüchtlinge zur Verfügung stellen möchten, können sich an Nick Hromada wenden. Er ist unter 70428 erreichbar. Ein Mietvertrag für Flüchtlingswohnungen wird nach Angaben der Samtgemeinde bei Eignung der Wohnung zwischen dem Eigentümer und dem Landkreis Schaumburg geschlossen. Der Landkreis zahlt die Miete direkt an den Vermieter und kommt auch für eventuell anfallende Schäden und Reparaturen auf.

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