1. Wiener Charme und Experimentierfreude

    1. Abonnementkonzert des Detmolder Kammerorchesters im Konzerthaus

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    Detmold (pgk). Wer von den Besuchern hat wohl zuvor schon einmal ein Konzert erlebt, in dem Instrumentalisten und Dirigent ihre Aktivitäten auf stockfinsterer Bühne begannen, ohne dass hier ein elektrischer Stromausfall die Ursache wäre? "Moz-Art à la Haydn" hieß das erste nach der Konzertpause gespielte Werk von Alfred Schnittke (1934 – 1998), in dem es nach Kommentierung durch den Komponisten um ein "Spiel mit Musik" geht und Humor und Experimentierfreude einen erheblichen Stellenwert besitzen. Nach der oben beschriebenen, stilistisch relativ extravaganten einleitenden "Musik, die aus dem Dunkeln kam" erstrahlte die Bühne wieder in vollem Rampenlicht und gab den Blick frei auf stehend musizierende hohe und tiefe Streicher in unterschiedlichen Spielformationen. Komplexe Notentexte - stellenweise auch mit klassischen Stilelementen (in memoriam Haydn/Mozart) – stellten die jungen Musiker, in Sonderheit die beiden Soloviolinen, und ihren Dirigenten Prof. Alfredo Perl vor erhebliche musikalische, rhythmische und technische Aufgaben (bis hin zu Violinvibrato mit Hilfe der Instrumentenwirbel!!), die sie mit Bravour meisterten und sich abschließend nach Haydnschem Vorbild nacheinander von der Bühne verabschiedeten, die anschließend wieder, wie zu Beginn, in Dunkelheit versank. Wer von den Konzertbesuchern im nahezu ausverkauften Detmolder Konzerthaus mit der Grundeinstellung gekommen war, das DKO könne trotz seiner extrem jungen Musiker nicht nur Zeitgenossen, sondern auch klassische und romantische Kompositionen überzeugend und kompetent interpretieren, sollte an diesem Abend nicht enttäuscht werden. Beginnen wir mit der "Italienischen Serenade" für Streichorchester von Hugo Wolf, glühender Wagnerverehrer und ebenso leidenschaftlicher Kritiker von Johannes Brahms, mit der das Konzert eröffnet wurde. Beschwingt und heiter gestaltete Perl hier die Tempi und federnd und tänzerisch nahmen die Streicher diesen Impuls auf und musizierten das relativ kurze, aber wirkungsvolle Werk bezaubernd und – im wahrsten Sinne des Wortes – italienisch. Den musikalischen Zenit des Konzertes jedoch bildete zweifelsohne die "Sinfonia Concertante" KV 297b von Wolfgang Amadeus Mozart, bei der neben einer Ergänzung des Orchesters um 2 Oboen und 2 Hörner noch 4 Bläser als Solisten hinzu traten: Oboe (Blanca Gleisner), Klarinette (Christoph Brecht), Fagott (Benedikt Seel) und Horn (Davide Citera). Obwohl in puncto Authentizität hinterfragt (die Originalpartitur von 1778 gilt als unauffindbar) bildet dieses Werk in seiner Genialität und auch Popularität einen Meilenstein klassischer Instrumentalkomposition. In ausgewogenem Metrum unterstrich Perl hier den mehr gesanglichen Charakter des 1. Satzes (Allegro), den Orchester und Solisten in hervorragender Weise aufnahmen und auf diese Weise besonders alle genialen "Solopaarungen" eindrucksvoll zu Gehör bringen konnten. Unbeschreiblich schön, wie Solisten und Orchester das anschließende Adagio (2. Satz) in musikalischen Schmelz verwandelten mit zarten Fagott-, kultivierten Horn- und Klarinettensoli und bezaubernden Oboenkantilenen, vom DKO sensibel und musikantisch begleitet. Energiegeladen und effektvoll dann das als Variationssatz konzipierte Abschluss-Andantino: Brillant und professionell perlten die höchst ideenreichen Themenvarianten in Orchester- und Solistenpartien; besonders unvergesslich hier: die durch Blanca Gleisner überragend "getupfte" Oboen-Staccato-Variante in agilem "Perl-Metrum". Ein großartiges Werk faszinierend musiziert! Die relativ unbekannte "Feuersinfonie" Hob. I:59 von Joseph Haydn, die den Konzertabschluss bildete, lässt den Zuhörer vergeblich auf eine Art "musikalischen Feuersturm" warten: Die Bezeichnung ist lediglich entstanden durch ihre Verwendung als Zwischenaktmusik in dem Schauspiel "Die Feuersbrunst" (1768). Hier bildete das rasante Tempo Perls im 1. Satz für die professionelle Spieltechnik des DKO keinen Verlust an musikalischer Markanz, und das mit Wiener Charme und Esprit musizierte Andante (2. Satz) und Minuetto (3. Satz) überzeugte ebenso, wie der mit bildschönen Oboen- und Hörnersoli einsetzende letzte Satz (Allegro assai), in dem sich dann die vitalen Dialoge von Hörner, Oboen und Streichern geradezu überboten. Dank dem DKO, Alfredo Perl und den vier Solisten für einen bezaubernden Konzertabend in interpretatorischer Hochkultur, zusätzlich geadelt durch den Versuch, mit Hilfe von 25 Konzertkarten für Flüchtlinge einen eigenen Integrationsbeitrag zu leisten.

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