1. Eintauchen in ein Stück Geschichte

    Schlossfest Brake bezaubert mit "allerley kurzweyl"

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    Lemgo-Brake (nr). Ein buntes, historisches Treiben beherrschte am vergangenen Wochenende das Schlossgelände in Brake. "Die Welt zu Gast in Brake" war nicht nur schönes Rahmenprogramm für die noch laufende Weltvermesser-Ausstellung, sondern lud mit viel alter Handwerkskunst, historischen Gewändern und allerlei Leckereien ganze Besucherscharen zum Entdecken und Mitmachen ein.

    An den fantastischen Gewandungen der Samurai und denen der Landsknechte kam wohl niemand ohne Staunen vorbei. Viel Interesse weckten auch ihre Waffen: Schwerter verschiedenster Ausführungen der Samurai und Piken, Hellebarden oder der "Bidenhänder", einem 5 Kilogramm schweren Langschwert der Landsknechte. Zwei ganz unterschiedliche Kulturen, die aber im gleichen Zeitraum entanden sind – in der Renaissance. Das "Lipper Fähnlein" stellt bewusst eine Söldnertruppe, die Landsknechte dar. Die konnten jedem Fürsten ihre Dienste anbieten und waren frei in ihren Entscheidungen. Blieb der Fürst den Sold schuldig, zogen sie oft als marodierende Horde durch die Fürstentümer. Die Gruppe "Takeda" aus Düsseldorf, die japanische Kampfkunst und Kultur zeigte, hat im letzten Jahr mit ihren Events und den historisch detailgetreuen Nachbildungen gar das japanische Fernsehen zu Gast gehabt. Auf dem weitläufigen Schlossgelände gab es dann Markttreiben satt: Salzsieder, Seiler, Schmiede, Gewürzhändler, Gaukler, Spielmänner, Brätereien und Tavernen lockten mit "allerley kurzweyl". "Ars Vivendi" heißt der Verein, der das historische Treiben jetzt im zweiten Jahr nach Brake gebracht hat. Die 50 Mitglieder wollen alte historische Kultur und Handwerk fördern. "Es ist Geschichte zum Anfassen", erklärt Magali, die Mäusefrau. Mit ihren kleinen, gescheckten Mäusen die nach dem Zufallsprinzip in einer kleinen Mäusestadt umherlaufen, oder sich auf der breiten Krempe ihres Hutes tummeln, zog sie gleich Scharen von Neugierigen an. "Viele von uns – ganz besonders natürlich das vielfältige Handwerk – leben einfach das, was sie immer machen. Sie identifizieren sich hochgradig mit dem, was sie tun", ist sie überzeugt. Salzsieder Hindrik de Sölter ist einer dieser Handwerker. Mit selbst hergestelltem Solewasser zeigte er, wie noch bis 1782 Salz hergestellt wurde. "Ein Scheffel Salz (25 Liter), waren soviel wert, wie ein ausgebildetes Ritterpferd", erzählt er. "Salz wurde weniger zum Würzen, als zur Konservierung eingesetzt." Dass Salze ganz unterschiedlich schmecken können, konnte dann direkt mit Salz aus aller Welt probiert werden. "Die Welt zu Gast in Brake" sollte aber nicht nur für Samurai oder fliegende Händler gelten. Kurz entschlossen wurden vom Landesverband Lippe und der Stadt Lemgo in Kooperation mit "Ars Vivendi" Flüchtlinge und Asylbewerber eingeladen. "Zuerst waren wir nicht sicher, ob das funktionieren kann, aber dann lag der Gedanke nah, dass ein Marktgeschehen vielleicht sogar viel näher an ihrer Kultur ist, als wir es uns vorstellen können", so Magali. "Es waren noch nicht so viele, wie erhofft, aber das gilt auch für die Besucherzahlen insgesamt." Da war so mancher Besucher eher zufällig als geplant vor Ort. Für das nächste Event fassen die Veranstalter schon einmal mehr Werbung ins Auge. Wenn dann noch ein ebenso goldener Oktober lockt, dürfte das Schlossgelände aus allen Nähten platzen.

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