1. Himmelsflug zur Einheit

    Le mgoer Mauerfall mit Ballonaktion am 3. Oktober

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    Lemgo (pro). Berlin als Maßstab, mit einem zwinkernden Auge - als Werner Kuloge, Stadtführer und Nachwächter in Lemgo, im Rathaus um kurz nach elf Uhr am vergangenen Samstag diesen Vergleich anstellte, freuten sich mit ihm rund 65 Lemgoer über den Mut zur Größe: "Was Berlin kann, können wir schon lange!" Die Stadtführer Lemgos hatten sich angesichts des Tag der deutschen Einheit am 3. Oktober genau dieses Datum ausgesucht, um ein städtisches Mauerfall-Jubiläum zu feiern: Vor 650 Jahren, in 1365, schloss sich die Lemgoer Altstadt, bis dahin innerhalb der Mauer, mit der Neustadt vor den Toren zusammen. Zur Erinnerung an die lippische Erstvereinigung der zwei Lemgos hatte das Stadtführerteam eine besondere Aktion organisiert: 65 mit Helium gefüllte Luftballons, eigens mit Aufdrucksmotiv des Anlasses, verteilten sich bis 12 Uhr am Mittag an die immer zahlreicher hereinströmenden Lemgoer und andere Lipper in der Rathaushalle. Unter ihnen beispielsweise Anita und August Deppe, die sich dieses seltene Jubiläum nicht entgehen lassen wollten: "Wir sind in Lippe geboren, haben immer hier gewohnt", brachten sie gemeinsam die tiefe Verwurzelung in die Region auf den Punkt- selbstverständlich also, sich an diesem Tag der heimatlichen Geschichte zu widmen. Bevor die Ballons jedoch gen Himmel entlassen wurden, versahen alle Anwesenden diese mit Antwortkarten - den Gewinner des kleinen Wettbewerbs erwartet eine Rikschafahrt mit Werner Kuloge. Für den historischen Kontext zeigte sich Christiane Thiel aus dem Stadtführerkollektiv verantwortlich und führte die Gäste im Rathaus in die alte und neue Ratsstube - wobei "die neue Ratsstube von beiden älter aussieht" - und, da der Lipper an sich, dazu der Lemgoer insbesondere, nichts wegwürfe, für die dort eingebauten Schränke immer noch die Originalrechnungen von 1590/91 im Archiv einzusehen seien. In der alten Ratsstube fanden sich bereits zu Zeiten der Vereinigung der Städte die Kaufleute aus der Altstadt mit dem Vertretern der Handwerksleute aus der Neustadt zusammen, um gemeinsam Ratsbeschlüsse zu treffen. Eine interessante Anekdote hierzu bescherte die Lemgoer Darstellung der Justizia - entgegen der weitläufigen Manier trägt diese Version keine Augenbinde und urteilt sehender Weise über Angeklagte und Kläger. Gegen 11.45 Uhr bewegte sich der Zug der Ballonträger schließlich der alten Stadtgrenze entgegen - von der Neuen Straße am Freien Hof, die Reinertstraße Richtung Engelbert-Kämpfer-Gymnasium hinab, zog sich die Kette von Lemgoern. Mit dem letzten Glockenschlag St. Nicolais stiegen die mitgebrachten Gedenkballons schließlich in die blauweißen Höhen des Lemgoer Herbsthimmels.

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