1. Hilfe statt Klassenfahrt

    Berufssch üler bekommen viel Lob für ihr Engagement

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    Lemgo-Hörstmar (nr). Für die Umsetzung eines ganz besonderen Projektes hat eine Berufsschulklasse des Berufskollegs Eben-Ezer jetzt viel Anerkennung und Respekt bekommen. Statt auf Klassenfahrt zu gehen, engagierten sich die Schüler einer Heilerziehungspflegeklasse eine Woche lang in der Lemgoer Flüchtlingshilfe, entwickelten Angebote und erlebten ein großes, freundschaftliches Miteinander. Es sollten gut durchdachte und auf die Bedürfnisse der Flüchtlinge abgestimmte Angebote werden: verschiedene Sportarten, kreatives Gestalten, Basteln oder auch einfach nur Entspannung. Durch die Akzeptanz und den Respekt füreinander, die Schüler und Flüchtlinge gleichermaßen mitbrachten, entwickelte das Projekt dann eine ganz eigene Dynamik. "Beide Seiten haben viel voneinander gelernt", erzählt der stellvertretende Klassensprecher Markus Schwarz begeistert. "Wir waren so viel näher am Leben, als wir das erwartet hatten. Bereits im Vorfeld hatten sich die Schüler Gedanken über die Bedürfnisse der Flüchtlinge gemacht. "Dabei waren die Aktivitäten in den verschiedenen Einrichtungen sehr unterschiedlich", erklärt Sabrina Paulus. "In Hörstmar sind ausschließlich Männer untergebracht und es besteht ein erhöhter Bewegungsbedarf. " Markus Schwarz fügt hinzu: "Da sind so viele schreckliche Erinnerungen und auch Zukunftsängste in ihnen. Beim Fußball – oder Basketballspielen sind diese Gedanken für eine Weile wie verflogen." In der Anne-Frank Schule in Lemgo sind dagegen überwiegend Familien mit Kindern untergebracht, die Angebote richteten sich so mit Basteln und Spielen und rund um Kosmetik speziell an Kinder und Mütter. "Wir haben die Angebote zwar durchgeplant", meint Melina Solfen, "dennoch sind wir schnell positiv überrascht worden von der offenen Art der Flüchtlinge. Eine Inderin hat zum Beispiel gleich angeboten, wunderschöne Henna-Tattoos auf die Haut zu malen, was einfach allen gefallen hat." Wie komplex die Arbeit in der Flüchtlingshilfe tatsächlich ist, konnten die Schüler abwechselnd auch im Sophienhaus in Bad Salzuflen kennenlernen. Da ging es um die Organisation, um das, was tagtäglich von vielen Flüchtlingshelfern geleistet werden muss. "Man spricht immer von Flüchtlingen", stellt Markus Schwarz erstaunt fest. "Man muss sich aber klar machen, dass es immer um eine einzelne Person geht." Für die Flüchtlinge war die Woche eine schöne Abwechslung von der Ungewissheit, wie es weitergeht. "Sie haben mit uns gesprochen, gelacht und gespielt", sagt einer der Männer aus der Unterkunft in Hörstmar. "Durch sie haben wir uns willkommen gefühlt und können das Warten besser ertragen." Traurig sind sie natürlich, dass die Schüler nicht regelmäßig wiederkommen können, aber beide Seiten hoffen, dass es immer wieder Möglichkeiten gibt, gemeinsame Aktionen zu machen. "Ich bin stolz auf die Klasse", betont der Klassenlehrer Dr. Martin Humburg. "Sie haben den Schritt gewagt, mal etwas ganz anderes zu machen und sind über sich hinausgewachsen. Dieses Miteinander ist ein Gewinn für beide Seiten."

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