Kreis Lippe (ab). Die Versorgung mit schnellem Internet lässt in Lippe zu Wünschen übrig. Das hat eine Umfrage der Industrie- und Handelskammer Lippe zu Detmold ergeben. Zwar ist Mehrheit der Unternehmen mit dem Standort zufrieden oder sogar sehr zufrieden. Obwohl in Sachen Breitband schon einiges getan und investiert wurde, habe sich der Handlungsbedarf verschärft.
Zuletzt hatte die IHK vor sechs Jahren ihre Mitglieder in ähnlicher Weise befragt. Schon damals stand das Thema Breitband an erster Stelle. Diesmal halten 98 Prozent die Versorgung mit schnellem Internet für wichtig oder sehr wichtig. Zufrieden sind laut Umfrage aber nur 38 Prozent. Hier klaffe eine große Lücke zwischen der Bedeutung und der Zufriedenheit, erklärt IHK-Präsident Ernst-Michael Hasse. Die Unzufriedenheit sei seit 2009 sogar gestiegen, "der Handlungsbedarf hat dramatisch zugenommen", betont IHK-Geschäftsführer Andreas Henkel. In Zeiten digitaler Produktionsprozesse, dem Austausch von Daten mit Geschäftspartnern weltweit bis zum Online-Handel hinken lippische Unternehmen, denen oft weniger als 5 Megabit zur Verfügung stünden, hinterher. 50 Mbit seien heute im Grunde schon der Mindeststandard. Die Landesregierung wolle für den Breitbandausbau 60 Millionen Euro bis zum Jahr 2020 zur Verfügung stellen. Das sei ein Tropfen auf den heißen Stein, "dafür kriegen wir keinen flächendeckenden Ausbau 50 plus", sagt Henkel. Adressat der IHK sei bei diesem Thema daher eher das Land NRW. "Die Kommunen haben sich schon nach Kräften gekümmert", so Henkel weiter. Unternehmen sind generell zufrieden Grundsätzlich ist die Stimmung in lippischen Betrieben aber gut. 85 Prozent der Unternehmen im Kreisgebiet sind mit dem Standort Lippe zufrieden oder sogar sehr zufrieden. Jeder dritte Betrieb (30,5 Prozent) denkt darüber nach, sich in den kommenden fünf Jahren vor Ort zu vergrößern. Nur 10 Prozent wollen schrumpfen oder ihren Betrieb verlagern. Für die aktuelle Umfrage der IHK Lippe haben 720 Mitgliedsfirmen ihre Einschätzung zur Wirtschaftsregion Lippe abgegeben. "Das ist eine überwältigende Resonanz, die deutlich macht, wie wichtig es gerade den mittelständischen Familienunternehmen ist, ihre Meinung zu diesem zentralen Thema mitzuteilen", so Ernst Michael Hasse, Präsident der IHK Lippe. Insgesamt wurden 52 Standortfaktoren zu den sechs Bereichen Infrastruktur, Bildung und Arbeitsmarkt, Betriebliche Standortkosten, Wirtschaftsklima sowie Öffentliches und Wirtschaftliches Umfeld von der IHK Lippe untersucht. Befragt wurden Dienstleister (55 Prozent), der Handel (24 Prozent), produzierendes Gewerbe (17 Prozent) und sonstige (4%). Vor allem viele kleine und Kleinstunternehmen hätten sich beteiligt, erklärt Jenny Kruomov, vom IHK-Geschäftsbereich Planung und Verkehr. In Sachen Infrastruktur ist Lippe – abgesehen vom Internet – aber auch ganz weit vorne: Der Versorgungssicherheit mit Strom messen die Befragten die zweithöchste Bedeutung zu, die Zufriedenheit ist hier sehr hoch. Ein weiteres Plus sei die hohe Lebensqualität in der Region. Die Menschen fühlten sich sicher, auch die schulische Ausbildung und die medizinische Versorgung werden positiv gesehen. Handlungsbedarf besteht für die Unternehmen beim Wirtschaftsklima, etwa bei der Nachvollziehbarkeit von Verwaltungsentscheidungen und den Betrieblichen Standortkosten. Ob Gewerbe- oder Grundsteuern, "die kommunalen Abgaben dürfen sich nicht weiter erhöhen", fordert Hasse. Wichtig seien Verlässlichkeit und langfristige Planbarkeit. In Bad Salzuflen wird die Steuerlast durch Gewerbe- und Grundsteuer besonders negativ bewertet; Detmolder Unternehmen sehen vor allem die vergleichsweise schlechte verkehrliche Anbindung an Autobahn und Bundesstraßen als Standortnachteil. In Lage wird eine geringere Lebensqualität was Sport-, Kultur- und Freizeitangebote betrifft beklagt. Auch der Fachkräftemangel wird hier bemängelt. Wo es sich am besten lebt und wirtschaftet, lasse sich aus der Umfrage aber nicht ableiten, so Krumov.
