Detmold (ab). Wenn Kinder sich im Dschungel des Alltags nicht zurecht finden, kann ein persönlicher Mentor Orientierung geben. "Balu und Du" heißt ein neues Betreuungsprojekt, das vom Verein "Perspektive" gestartet wird. Initiiert und finanziert wird es vom Rotary-Club (RC) Detmold.
Die Namensgebung ist angelehnt an Kiplings "Das Dschungelbuch". Hier ist der Bär "Balu" der Mentor und väterliche Freund des Menschenjungen "Mogli". Ziel des Projekts ist es, Kindern im Grundschulalter ("Moglis") über Patenschaften mit jungen Erwachsenen ("Balus") ein außerschulische Förderung zu bieten. Das Projekt richtet sich an Kinder, die aufgrund der Voraussetzungen ihres Umfelds keine Chance haben, ihr Potential zu entfalten. Dabei geht es aber gerade nicht um Nachhilfe oder um die Vermittlung schulischer Lerninhalte. An einem festen wöchentlichen Termin treffen sich "Mogli" und "Balu", um Zeit miteinander zu verbringen. Der nicht nur symbolische Akt zum Start: "Balu" schaltet sein Handy aus! Wie die beiden ihre gemeinsamen Stunden verbringen, ist Voffen: Das können Kinobesuche sein, Spaziergänge, sie können basteln, ein Buch lesen, Karten spielen oder einfach nur quatschen. Entscheidend ist, dass die "Moglis" das Gefühl bekommen, im Mittelpunkt zu stehen. "Balu" ist im Grunde eine Art idealisierte große Schwester oder große Bruder, zu dem man aufschauen kann, der zuhört, Ratschläge hat und dem man vielleicht auch mal ein Loch in den Bauch fragen kann. "Balu" werden können Menschen zwischen 17 und 30 Jahren, Studenten, Oberstufenschüler oder Azubis. Unterstützung bieten regelmäßige Seminare, der Erfahrungsaustausch mit anderen "Balus" und mit Projektkoordinatorin Ilka Peppmeier. So sollen die jungen Erwachsenen ebenfalls von dem Projekt profitieren. Nicht zuletzt schätzten auch Personalchefs solches Engagement, betont Initiator Sören Kramer, Pastpräsident des Rotary-Clubs Detmold. Er selber hatte von einem Praktikanten in seiner Anwaltskanzlei von "Balu & Du" erfahren und den Entschluss gefasst, es auch in Lippe zu etablieren. Mit dem Verein "Perspektive", der in der Jugendhilfe tätig ist, habe man den richtigen Partner ins Boot geholt. Die positive Wirkung auf die "Moglis" sei zudem durch wissenschaftliche Studien belegt. So verbessere sich ihre Konzentrationsfähigkeit merklich und auch die Ansprüche an sich selbst wachsen, sagt Kramer. Mit drei innerstädtischen Grundschulen in Detmold geht es los. Die Bachschule und Weerth-Schule haben bereits zugesagt, eine weitere hat Interesse. Wenn es erfolgreich läuft, könnten weitere hinzukommen, meint Perspektive-Geschäftsführer Frank Möllers, amtierender RC-Präsident. Auf die Schulen kommen keine Kosten zu; sie sprechen die Eltern an und finden Schüler, die als "Mogli" infrage kommen. "Perspektive" bringt die Balu-Mogli-Gespanne zusammen. Das ehrenamtliche und niederschwellige Angebot stelle keine Konkurrenz zu anderen dar, auch nicht zu professionellen Angeboten oder der OGS. Der Rotary-Club finanziert die Stelle von Koordinatorin Ilka Peppmeier für mindestens zwei Jahre. Auch das Jugendamt unterstütze und befürworte das Projekt, so Möllers. Weitere Informationen gibt es auf "www.balu-und-du.de".
