1. Von Schwaben und Sprachschwierigkeiten

    Wohnzimmeratmosphäre bei der Lesung von Wladimir Kaminer

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    Lemgo (pro). Die Familie ist zuweilen ein Quell der Freude – sowie sie auch in jeder Hinsicht genug Stoff für immer neue Erzählungen bietet. Am 24. September stellte dies Autor Wladimir Kaminer bei einer Lesung in den Räumlichkeiten des Tanz Treffs Hey höchst unterhaltsam unter Beweis. Bereits zum siebten Mal schlug der Erfolgsschriftsteller die eigenen Seiten im Lemgo auf – an diesem Abend in Gesellschaft von rund zweihundert Zuhörern. Die vorge-stellte Neuveröffentlichung "Das Leben ist (k)eine Kunst" war dabei zwar Anlass der Veran-staltung, doch ebenso viel Zeit wie für sein neues Werk, nahm sich der 48-Jährige für ver-schiedenen Anekdoten aus seinem vorausgegangenem Werk "Coole Eltern leben länger" oder Episoden der kommenden Geschichtensammlung über seine Mutter.

    "Meine Mutter lernt Englisch – seit 23 Jahren, im immergleichen Kurs, mit den immergleichen Leuten, in Berlin-Lichtenberg", so begann der Einstiegstext über den langen Weg zum Erlernen einer Fremdsprache. Schon als junge Frau habe seine Mutter in der Heimat Agatha Christie-Krimis im Original gelesen, fasziniert vom jungen Kennedy habe sie ihr Interesse an der englischen Sprache entdeckt und bis heute bewahrt. Der Erfolg ihrer Bemühungen werde dabei in der Familie verschieden bewertet. In seiner völlig unaufgeregten und dennoch bildhaft lebendigen Art des Erzählens verstand es Kaminer, eine sehr persönliche Stimmung während des Vortrags einkehren zu lassen: So fand sich im Schützenhaus ein gebannt lauschendes Publikum, das nach obligatorischen Heiter-keitsausbrüchen schnellstmöglich wieder verstummte, um dem rasanten Erzähltempo gerecht zu werden und ja keine der zahlreichen Pointen zu verpassen. Die Geschwindigkeit der Dar-bietung forderte die Zuhörerschaft ebenso heraus, geschickt eingewebte Spitzen auf politischer Ebene herauszuhören: "Unsere Freunde kamen nach alter russischer Tradition nachts, laut – und hungrig", so ein O-Ton über plötzlichen Besuch aus der "alten Heimat" in Berlin, der neuen Wahlheimat des gebürtigen Moskauers. Das nächtliche Aufeinandertreffen mit den schwäbischen Nachbarn hatte sich wider erwarten durchweg positiv gestaltet, wie das Lemgoer Publikum unter großer Erheiterung zur Kenntnis nahm. Die Geschichte seiner Einwanderung nach Deutschland schnitt Kaminer ebenso an – verwies aber im aktuellen Bezug auch darauf, dass Flucht in seiner Familie zuweilen "unlustig" verlief. Zum Abschluss des Abends erhob der Autor sein Glas und lud zum Anstoßen auf ein friedli-ches Europa ohne Grenzen, was, ebenso wie der gesamte Abend, mit kräftigem Applaus be-dacht wurde. Zufrieden mit der Durchführung des Events zeigte sich im Nachlauf auch Veranstalter Sebas-tian Herrmann: "Herr Kaminer hat sich, wie auch in den vergangenen Jahren, sehr wohlgefühlt und freut sich auf eine erneute Einladung nach Lemgo." Dem anderthalb Jahr-Rhythmus bleibe man voraussichtlich treu, sodass die Fans des Schriftstellers sich auf eine weitere Lesung im Frühjahr 2017 freuen könnten.

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