Detmold (kh). Sieben Tag lang "Friede auf Erden" ... zumindest im Titel der Veranstaltungsreihe der Kantorei der Christuskirche Detmold ist das möglich: Mit "In terra pax" nämlich haben die Initiatoren die einwöchige Reihe der Konzerten und Lesungen überschrieben, in denen sie vom 17. bis 24. Oktober an das Kriegsende vor 70 Jahren erinnern wollen.
"In terra pax", Friede auf Erden, wünschte sich auch der Schweizer Komponist Frank Martin. Sein gleichnamiges Oratorium ist inhaltlicher Impuls und Mittelpunkt der Themenwoche. Namenloses Leid, Tränen und Trümmer, Flüchtlingsströme und Vertreibungen vor Augen komponierte Martin das "Oratorium breve" im Jahr 1944 als Auftragswerk für den ersehnten Tag des Waffenstillstands – ohne zu wissen, wann tatsächlich "Friede auf Erden" sein würde. Später reflektierte Martin: "Solcherart schrieb ich ‚In terra pax‘, mit den alliierten Armeen um die Wette laufend. Sie ließen mir leider viel zu viel Zeit." Als Grundlage für sein Werk, dessen inhaltlicher Bogen sich in vier Teilen vom Krieg bis zum gottgewährten Frieden spannt, verwendete er Texte aus dem Alten und Neuen Testament. Er schuf eine Musik, die Leid und Zerstörung in sich aufnimmt, zugleich den ersten Friedenstag in Würde feiert und damit eine Perspektive in die Zukunft eröffnet. "In terra pax" gehört zu den bedeutsamsten musikalischen Reflexionen des Krieges und zählt angesichts seiner visionären Kraft zu den eindrucksvollsten Statements für eine gewaltfreie Welt. Neben Martins Oratorium erklingen am Abend des 17. Oktober um 19.30 Uhr das "Engelskonzert" von Paul Hindemith, der Psalm 42 "Wie der Hirsch schreit" von Felix Mendelssohn Bartholdy sowie Johannes Brahms’"Alt-Rhapsodie". Es singen die Kantorei der Christuskirche Detmold und der Chor der Hochschule für Kirchenmusik Herford. Als Solisten sind Ruth Ziesak (Sopran), Gerhild Romberger (Alt), Jörg Dürmüller (Tenor), Maximilian Lika (Bariton) und Adam Palka (Bass) zu hören. Die orchestrale Begleitung übernimmt die Philharmonie Südwestfalen. Die künstlerische Leitung teilen sich Burkhard Geweke und Hildebrand Haake. "Eben jene Szenarien des Schreckens zwischen Leid und Erlösung verbunden mit Gebet und Hoffnung bis hin zu einem mit einer Ewigkeitssehnsucht einhergehenden Lobgesang sind Ausgangs-, Dreh- und Angelpunkt der Reihe", erläutert Kantor Burkhard Geweke. Vertieft werden diese existenziellen Themen in vier weiteren Veranstaltungen: So gibt Pfarrer Maik Fleck Texten aus Frank Martins Oratorium in einem "Frieden"-Gottesdienst am Sonntag, 18. Oktober einen neuen Rahmen. Beginn ist um 10 Uhr. "‚Untergang und Lobgesang’– Die Offenbarung des Johannes" lautet die Überschrift der Szenischen Lesung am Mittwoch, 21. Oktober. Maik Fleck liest die Johannesoffenbarung und Martin Sander spielt choralgebundene Orgelmusik aus der Zeit zwischen Renaissance und 20. Jahrhundert. Auf einen Liederabend mit Gerhild Romberger (Alt) und Alfredo Perl (Klavier) können sich Besucher am Freitag, 23. Oktober um 19.30 Uhr freuen. Die beiden Künstler interpretieren die "Kindertotenlieder" und "Rückert-Lieder" von Gustav Mahler sowie Lieder von Franz Schubert. Mit einem Motettenkonzert klingt die Themenwoche aus. Die Kantorei der Christuskirche singt unter der Leitung von Burkhard Geweke unter anderem Maurice Duruflés Chorsatz "Notre Père","Komm, Jesu, komm" von Johann Sebastian Bachs sowie die Trauermotette "Wie liegt die Stadt so wüst", die Rudolf Mauersberger unter den Eindrücken der Zerstörung Dresdens komponierte. Komplettiert wird der Abend mit Orgelwerken (Orgel: Christoph Grohmann) von Duruflé, Martin und Alain. Alle Veranstaltungen finden in der Christuskirche (Kaiser-Wilhelm-Platz, Detmold) statt. Eintrittskarten für das Oratorienkonzert gibt es zum Preis von 25, 20, 15 Euro (ermäßigt 20, 15, 10 Euro) im Haus der Musik. Tickets für den Liederabend (15 Euro, ermäßigt 10 Euro) sowie das Motettenkonzert (12 Euro, ermäßigt 8 Euro) sind nur an der Abendkasse erhältlich.
