Horn-Bad Meinberg (rto). Jetzt muss der künftige Bürgermeister von Horn-Bad Meinberg sich erst einmal eine Bleibe in der neuen Heimat suchen: Stefan Rother, unabhängiger Bürgermeisterkandidat aus Preußisch Oldendorf, hat in der Stichwahl am Sonntag mit 56,27 Prozent der Wählerstimmen Mitbewerber Matthias Engel (SPD) klar geschlagen. Damit beerbt Rother am 21. Oktober den langjährigen Bürgermeister Eberhard Block.
"Mit 44,23 Prozent Wahlbeteiligung lag die Stadt Horn Bad Meinberg weit vor dem Durchschnitt in Lippe", erklärte Block gegen 19 Uhr bei der Bekanntgabe des vorläufigen Wahlergebnisse. Das spiegelte sich auch im Ratssaal wider: Der war proppevoll, als die Entscheidung bevorstand. Viele interessierte Bürger waren zuvor in den Straßen und auf dem Marktplatz beim Hörnchenfest gewesen. So auch Matthias Engel, der das "Human Table Soccer"-Turnier moderierte und von Beginn an auf die Leinwand mit den Ergebnissen sah. Um 18.10 Uhr, nach der Auszählung des ersten Wahlbezirkes, lag er noch mit 55,36 Prozent vor Kontrahent Stefan Rother. Das änderte sich dann aber kontinuierlich, und nach der Auszählung des 18. von 24 Wahlbezirken hatte Rother bereits mit 56,23 zu 43,77 Prozent die Nase vorn – am Ende waren es genau 774 Stimmen mehr. Zu diesem Zeitpunkt betrat der spätere Wahlsieger mit seinen Unterstützern von CDU, Grünen, Linken und FDP den Rathaussaal. Er habe den Tag ruhig begonnen, erzählte Rother, und sei seit dem späten Nachmittag in der Stadt auf dem Hörnchenfest unterwegs. Alexander Martin, Fraktionsvorsitzender der CDU war da schon in "freudiger Erregung" und sprach angesichts des zu erwartenden Ergebnisses von gelebter Demokratie. Auch Andreas Mickel, Stadtrat der FDP, zeigte sich überwältigt und sprach von guter Wahlkampfarbeit eines richtig guten Teams. Diana Ammer von den Linken, die den Sieger später noch mit unter den Kleeblatt-Schirm nahm, war nahezu euphorisch: "Jetzt wird es in dieser Stadt eine andere Kommunikation geben. Wir sind zwar unterschiedlich, hatten gemeinsam aber den besseren Kandidaten." Nach der Wahl betonte Stefan Rother, dass er auch in Zukunft keiner Partei beitreten werde. "Das Wahlbündnis der vier Parteien war keine Liebesheirat, in Einzelfragen wird es auch weiterhin unterschiedliche Meinungen geben", sagte er. Um die Unterschiede unter einen Hut bringen, werde er allen Fraktionen im Rat die Hand reichen, auch der SPD. Mein Ziel wird es sein, zukünftig überwiegend einmütige Entscheidungen herbeizuführen." Er hofft aber auf eine gute Zusammenarbeit auch mit den Beigeordneten und Wahlgegner: "Ich bedanke mich auch bei Matthias Engel, wir beide haben persönlich einen fairen Wahlkampf geführt." Engel betonte in einer ersten Stellungnahme, dass seine Verantwortung weiter gehe und er als eine Pflicht erfüllen werde. Zugleich übernahm er die Verantwortung für die Wahlniederlage. Warum die Stimmung aus seiner Sicht gekippt ist, wollte er am Wahlabend nicht sagen, sprach aber von Gründen, über die er später berichten wolle. "Jetzt werden wir am 20. Oktober erst einmal den neuen Bürgermeister in sein Amt setzen. Das muss vorbereitet werden und dann geht es los", erklärte Engel. "Ich wünsche Herrn Rother Glück und eine gute Hand, um das Rathaus und die Stadt gut zu führen."
