Elbrinxen/Lügde (afk). In erstaunlich kurzer Zeit haben überall in Deutschland Ehrenamtliche und offizielle Organisationen und Institution auf den Zustrom von Flüchtlingen reagiert. In der Großgemeinde Lügde sind es die beiden evangelischen Kirchengemeinden, die in gegenseitiger Absprache Hilfe für ihre neuen Mitbürger auf die Beine stellen, wie zum Beispiel das Café International, das nach zwei Vorläufern in der Kernstadt nun erstmals in Elbrinxen Einheimische und Flüchtlinge an einen Tisch brachte.
Zusätzliche Stühle und Tische müssen noch hereingetragen werden – der Andrang zum Kaffeenachmittag im Gemeindehaus in Elbrinxen ist immens. Unter die Einheimischen aus dem Dorf und aus Lügde haben sich fast noch schüchtern auch rund 20 Personen, meist Männer, aber auch zwei Paare gemischt, die vor Wochen noch Krieg, Flucht und Tyrannei an den Grenzen erleben mussten. Viele von ihnen sind von den eigenen Martyrien traumatisiert. Zudem trauern sie um ihre Familien, die in ihren Herkunftsländern weiterhin verfolgt werden. Die Freiwilligen der Flüchtlingshilfe Elbrinxen versuchen ihren Aufenthalt so menschenwürdig wie möglich zu gestalten und bekommen für ihren Einsatz ein dankbares Lächeln oder den warmen Händedruck. Pastor Dietmar Leweke: "Ich bin immer wieder mal dort im Haus und kann feststellen: Das sind durchweg alle sehr freundliche und dankbare Menschen. Man wird auch als Besucher jederzeit herzlich willkommen geheißen." Die Flüchtlinge selbst nehmen am Deutschunterricht teil und die ersten Wörter und Satzfragmete kommen auch schon über ihre Lippen – stets von einem Lächeln begleitet. Der Pakistani Tousif Ahmed (28) hat überhaupt keine Scheu, geht offen auf die Menschen zu und radebrecht in Deutsch oder übt in ganz ordentlichem Englisch Konversation. Die Zahl der freiwilligen Helferinnen und Helfer war in Elbrinxen und auch in Lügde vom ersten Moment an groß und alle sind hochmotiviert. Diese Hilfsbereitschaft ist groß, aber erste Skepsis macht bei den Verantwortlichen die Runde, ob sich auf Dauer aufrechterhalten lässt. Pastor Leweke: "Das kann sicherlich zum Problem werden. Wir sind hier noch am Anfang. Das Thema hat sich ja erst Mitte August in Elbrinxen gestellt. Dass uns im Moment so viele Menschen begleiten ist großartig. Aber wir müssen sehen, dass uns die Situation weiter begleiten wird. Wir müssen beobachten, wie diese Hilfsbereitschaft zu erhalten ist bzw. wie eine auch Hilfe von außen kommt." Auch als Dank an die Helfer ist dieses "Café International" gedacht. Die Resonanz auf die Einladung war enorm. Organisator Oliver Jürgens zeigt sich freudig überrascht: "Diesmal sind viele gekommen, die bisher noch gar nicht so viel direkt mit der Flüchtlingshilfe etwas zu tun hatten. Das ist natürlich großartig." Aber es wird weitergehen müssen, und hier ist jede Hilfe gefragt, wie Jürgens an einem Beispiel erläutert: "Wir brauchen jede helfende Hand. So kommen noch die Fahrten nach Bielefeld zum Bundesamt für Migration auf uns zu. Diese Fahrten müssen wir organisieren und durchführen, weil es nahezu unmöglich ist, von hier aus einen von der Behörde angesetzten 9 Uhr-Termin per öffentlicher Verkehrsmittel in Bielefeld zu erreichen. Dazu brauchen wir auch Dolmetscher und eben auch Fahrer, die diese Fahrten machen, die zugegebenermaßen auch zeitraubend sind." Jetzt genoss man aber erst einmal gemeinsam Kaffee und gespendeten Kuchen und die ersten Annäherungsversuche trotz der enormen Sprachbarrieren wurden auch mit Gestik, Mimik und Zeichnungen erfolgreich gestartet. Das nächste Café International wird von der Flüchtlingshilfe in Lügde in zwei Wochen im Wichernhaus organisiert. In vier Wochen trifft man sich dann wieder in Elbrinxen.
