1. Erst quetschen, dann quatschen"

    Senay D uzcu, erste türkischstämmige Comedienne, teilte nach allen Seiten aus

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    Leopoldshöhe (kd). Eine Frau macht Standup-Comedy? Das ist doch nichts Besonderes. Wie bitte? Eine Türkin, eine Muslima, eine Legastenikerin? Schon allein die Ankündigung verblüfft. Was Senay Duzcu dann in Leopoldshöhe auf die Bühne der neuen Aula bringt, überrascht noch mehr – in positivem Sinn. Es sind die immer noch vorhandenen Vorurteile, aus denen Senay Duzcu ihre Pointen bezieht. Als Perspektive dient ihr die eigene Identität: "Viele glauben immer noch, dass wir die Osmanen sind, die vor Wien stehen. Dabei sind wir schon längst in Bielefeld – und grillen." Die vermeintlichen Unterschiede in der Mentalität der Deutschen und Türken ist ihr vorherrschendes Thema. Denn nicht selten müsse sie erfahren, wie stark noch Klischees vorherrschen. Schon als Schülerin sei sie von den Jungen eher akzeptiert worden, wenn sie für eine Spanierin gehalten wurde. Ältere Menschen wollen ihr heute noch ein Kompliment machen, wenn sie feststellen: "Das hätte ich jetzt nicht gedacht. Nach einer Türkin sehen sie gar nicht aus." Senay Duzcu hat für derartige Äußerungen wenig Verständnis. "Ich sage doch auch nicht, du siehst aber gar nicht wie ein Deutscher aus – so fröhlich und ganz ohne Alkohol."Überhaupt die Deutschen. Wer keinen Kontakt zu den Nachbarn habe, brauche nur eine Woche lang die Treppe nicht zu putzen, "dann kommen die sofort." Die Frau im roten Kleid nimmt auch ihre Landsleute gehörig aufs Korn. Zum Beispiel die notorisch vollen Wohnzimmer ("erst quetschen, dann quatschen"), Gewohnheiten ("Wenn ich in einer fremden Stadt wissen will, wo Türken wohnen, brauche ich nur den Kürbiskernen auf dem Boden zu folgen") und mangelnde Sprachkenntnisse ("Wenn es heißt, sie soll nüchtern kommen, meint meine Mutter die Ärztin lädt sie zum Essen ein"). Zum Thema Kopftuch hat die Komikerin eine individuelle Lösung gefunden. Sie nennt es das "Bio-Kopftuch" und bindet sich unten einen Knoten in die langen dunklen Haare. Andere Nationen kriegen bei ihr ebenfalls einiges ab. Chinesen essen keine Schäferhunde – weil sie ihnen zu teuer sind. Auch über Inder und ihre Filme kann sich Senay Duzcu herzlich amüsieren und ahmt den schmalzigen Gesang perfekt nach. In ihrem zweistündigen Programm "Ich bleib dann mal hier" pendelt die Komikerin zwischen feinem Sprachwitz und derben Zoten, sie interpretiert das urdeutsche Weihnachtslied "O Tannenbaum" als türkische Folklore und zitiert Schenkelklopfer ("Wenn im Döner kein Pferd ist, haben wir Schwein gehabt"). Insgesamt gelingt es Senay Duzcu, die auf allen Seiten bestehenden Ängste und Missverständnisse ironisch zu brechen. Humor hilft eben über vieles hinweg. Auch wenn sie als Südländerin so manche Eigenheiten der Deutschen nicht teile, bekannte sich die Wahlkölnerin dazu: "Ich liebe Deutschland, es ist meine Heimat."

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