NIENBURG-LANGENDAMM (jan). 45 Flüchtlinge aus zehn Nationen sind seit dem vergangenen Wochenende im Offiziers-Kasino der Kaserne in Nienburg-Langendamm untergebracht. Betreut werden sie vom Kreisverband Nienburg des ASB.
Am vergangenen Donnerstag habe der ASB einen Anruf bekommen, dass mit der Ankunft von bis zu 100 Flüchtlingen in Nienburg zu rechnen sei und sie sich darauf einstellen sollten, eine Unterkunft für sie vorzubereiten, erzählt Jens Sewohl, Geschäftsführer des ASB-Kreisverbandes bei einer Pressekonferenz. Bis zum Eintreffen der Flüchtlinge am Sonnabend hätten sie nichts darüber gewusst, aus welchen Nationen diese stammten, ob sie mit Männern, Frauen oder Kindern rechnen müssten. Die eilends angesammelten Vorräte an Windeln und Babynahrung konnte der ASB dann zunächst beiseite stellen – statt 100 Flüchtlingen kamen 45 an, mit Ausnahme von drei Frauen sind es allesamt Männer. Mehr als die Hälfte dieser Menschen stammt aus Syrien. Die übrigen kommen aus vielen Ländern der Welt – von den Balkanstaaten bis nach Afrika. Einer der Männer aus Syrien ist der 27-jährige Moataz Hamad, der bereitwillig von seinen Erlebnissen erzählt. Rund zwei Wochen sind vergangen, seit er die Türkei verlassen hat. Dorthin war er zunächst aus Syrien mit seinen Eltern und seiner Schwester geflohen. Die Reise in einem kleinen Fischerboot nach Griechenland bei hohem Seegang schildert er, und auch die vielen Stationen in Griechenland und schließlich in Deutschland, die er innerhalb der beiden Wochen hinter sich gebracht hat. Ausreisen konnte er mit einem gefälschten italienischen Pass. Der Schleuser, der ihm dazu verhalf, hat 3.500 Euro kassiert. Nun ist er in Nienburg gelandet, lobt das gute Essen, die gute Unterkunft und den Umgang der Menschen mit ihnen – den Flüchtlingen – dort in dem Kasino. Die Helfer vom ASB, die mittlerweile mit haupt- und ehrenamtlichen Kräften in zwei Schichten rund um die Uhr für die Flüchtlinge da sind, freut das. Mit der Unterkunft, sagt auch Langendamms Ortsbürgermeister Wilhelm Schlemmermeyer, hätten sie großes Glück. Noch eine Woche zuvor ist das Offiziers-Kasino in Betrieb gewesen und in entsprechend gutem Zustand. Die Männer und Frauen sind auf mehrere Schlafräume verteilt worden, haben ausreichende sanitäre Einrichtungen und Aufenthaltsräume. Das Kasino liegt neben der Kaserne, nicht direkt auf dem Militär-Gelände – von daher entsteht auch kein "Kasernierungs-Charakter". Jeder der Flüchtlinge könne sich frei bewegen, nach Langendamm sei es nicht weit und auch Nienburgs Innenstadt gut zu erreichen, sagt Schlemmermeyer. Auch die Verständigung funktioniert überraschend gut. Zwei vom ASB engagierte Sicherheitskräfte können bei manchen der vielen Sprachen aushelfen. Außerdem ist Langendamms stellvertretender Bürgermeister Abdel-Karim Iraki häufig vor Ort. Der gebürtige Palästinenser kann sich mit den Syrern auf Arabisch verständigen. Bis zu 70 Menschen könne das Behelfslager aufnehmen, erzählt Sewohl. Ob und wenn ja, wann, noch mehr Flüchtlinge kommen, weiß er nicht. Dass die Aufnahme der ersten größeren Gruppe im Landkreis Nienburg aber auf viel Hilfsbereitschaft aus der Bevölkerung stößt, hat der ASB sofort erfahren. Die eingerichtete Hotline, auf der Hilfsangebote entgegen genommen und koordiniert werden, wird oft angewählt. Und auch von Seiten der Unternehmen in der Umgebung gab es spontane Hilfe. Die "frischli-Milchwerke" aus Rehburg hätten beispielsweise 5.000 Einheiten ihrer Milchprodukte angeliefert. Wer Hilfe anbieten möchte, wählt wochentags zwischen 8 und 16 Uhr die Nummer der Hotline (0800) 97 11-112. Ein Spendenkonto hat der ASB zudem eingerichtet: Stichwort "Flüchtlingshilfe" an IBAN: DE20 2565 0106 0000 2020 44, BIC: NOLADE21NIB. Foto: jan
