Oerlinghausen (kd). Scharf hat der Europaabgeordnete und Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Elmar Brok (CDU), jene europäischen Länder kritisierte, die sich weigern Flüchtlinge aufzunehmen. Gleichzeitig wies er auf frühere Versäumnisse der Europäischen Union hin. Politische Lehrstunde bei einer Jugendbegegnung im Institut für Migrations- und Aussiedlerfragen, St. Hedwigs-Haus in Oerlinghausen: Elmar Brok nahm sich eine gute Stunde Zeit, vor 30 jungen Deutschen und Polen über die Flüchtlingsproblematik zu sprechen. Brok hält die gegenwärtige Situation für "die größte Krise in Europa seit 50 Jahren." Die Ursachen sieht der Parlamentarier in einem "breiten Gürtel der Gewalt, von Pakistan bis Nigeria, quer über den Globus, bis an unsere Grenzen." Denn man dürfe nicht vergessen, dass auch in der Ukraine fast zwei Millionen Menschen auf der Flucht seien. Durch den Terror in Syrien und im Irak hätten elf bis zwölf Millionen Menschen ihre Heimat verlassen. "Gleichzeitig hat es die westliche Welt, aber auch Saudiarabien und Katar versäumt, die Flüchtlingslager in diesen Ländern ausreichend zu versorgen", stellte Brok fest. "Die Ankündigung, dass die Nahrungsmittel deshalb um 40 Prozent gekürzt werden, hat dazu geführt, dass so viele auf dem Weg sind." Dies sei unverantwortlich. Er habe sich deshalb dafür eingesetzt, die Finanzmittel zu erhöhen. Als christlich eingestellter Politiker bekannte sich Brok dazu, den Flüchtlingen Schutz zu gewähren. Dies könne aber nur im gesamteuropäischen Verbund geschehen. Wenn allerdings "die Länder des früheren Sowjetblocks die meisten Bauchschmerzen" haben, sei dies nicht nachvollziehbar. "Man kann doch die Entscheidung, wem das Leben gerettet wird, nicht an der Religionszugehörigkeit festmachen", sagte Brok. Hier kritisierte er vor allem die Haltung Polens. Der Katholik Brok erinnerte daran, dass der Papst dazu aufgerufen hat, in jeder Familie und in jeder Kirchengemeinde einen Flüchtling aufzunehmen. "Aber gerade diejenigen, die sich in Polen am katholischsten geben, nehmen am wenigsten auf." Solidarität sei eine "Zweibahnstraße", meinte der Europapolitiker. "Wenn wir eine Gemeinschaft sind, müssen wir die Probleme auch gemeinsam bewältigen. Sonst werden wir alle untergehen." Die Situation in Deutschland sei derzeit noch zu bewältigen, meinte Brok. Um aber zu vermeiden, dass sich eine "Völkerwanderung" entwickelt, müsse man an die Ursachen herangehen. Deshalb sei es notwendig, den Schleppern das "Geschäftsmodell kaputt zu machen." Die Registrierung der Asylsuchenden sollte möglichst schon in den Flüchtlingslagern erfolgen. Und schließlich müssten die kriegerischen Auseinandersetzungen beendet werden. Lediglich über die Verteilung der Flüchtlinge zu sprechen, sei ein Kurieren an Symptomen, aber keine Lösung. Man müsse den Menschen, die auf dem Mittelmeer in Gummibooten ihr Leben aufs Spiel setzen, eine Perspektive geben, sagte Brok. "Nicht mehr allein aus humanitären Gründen, sondern auch aus Sicherheitsaspekten." Bereits zum fünften Mal veranstaltete das St. Hedwigs-Haus in Oerlinghaussn einen Workshop zur Förderung der interkulturellen Managementkompetenz von jungen Menschen aus Deutschland und Polen. Die Leitung hatte Dr. Dorota Pluchowska. Die Kosten wurden weitgehend vom Rotary Club Lübbecke und vom Deutsch-Polnischen Jugendwerk übernommen.
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Schutz zu gewähren ist christliche Pflicht
Elmar Brok: Die Flüchtlingskrise kann nur im europäischen Verbund gelöst werden
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