Detmold. Der zweite Teil der Lesereihe "Verachtet!" im Lippischen Landesmuseum findet am Donnerstag, 24. September, um 19.30 Uhr statt. Die Lesereihe soll an drei von den Nazis verfemte Autoren erinnern. Diesmal geht es um Ernst Toller. Der Schwerpunkt der Lesung liegt auf Tollers Lebenserinnerungen "Eine Jugend in Deutschland". Berührend und jedem Menschen mit Verständnis begegnend zeichnen sie Ernst Tollers Kindheit in einer deutsch-polnischen Kleinstadt in Posen, seine Erlebnisse als Freiwilliger des Ersten Weltkriegs und seine Wandlung zum Pazifisten und Sozialisten nach. Toller war führend an der Revolution 1918 und der Räterepublik in München beteiligt und entging mehrmals nur knapp einer Ermordung durch Rechtsextreme. Es folgten von 1919 bis 1924 Jahre der politischen Haft, in denen er unter anderem einen ganzen Gedichtband über ein Schwalbennest in der Nische seines Gitterfensters verfasste, aus dem an ebenfalls einige Passagen vorgetragen werden. Den Machtantritt Hitlers und die Bücherverbrennungen, von denen auch sein Werk betroffen war, erlebte Ernst Toller bereits im Exil, wo er zu einer führenden Stimme einer freien und demokratischen deutschsprachigen Kultur wurde, bis er 1939 in einem New Yorker Hotelzimmer "als Opfer der von uns allen verabscheuten Mächte der Zerstörung" sein Leben "von sich warf", wie es Thomas Mann in der Grabrede formulierte. Auch Texte aus diesen letzten Jahren wird Frank Meier vorlesen und in ihren historischen Zusammenhang setzen. Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist wird um Voranmeldung gebeten: Telefon (05231) 99250 oder shop@lippisches-landesmuseum.de. Der Eintirtt kostet 5 Euro.
Die Lesereihe wird am 8. Oktober mit Texten Erich Mühsams fortgesetzt. Frank Meier liest Ernst Toller. Foto: privat
