WUNSTORF (gi). Oft gibt es Probleme bei dem Einsatz von Rettungskräften, besonders auf den Autobahnen. Nicht vorhandene Rettungsgassen und Gaffer veranlassen nicht nur Feuerwehr und Polizei zur Kritik, auch der Niedersächsische Innenminister Pistorius meldete sich mittlerweile zu Wort, die Länder wollen entsprechend schärfere Gesetze planen. "Neben der Rettungsgasse machen vor allem Gaffer den Helfern das Leben schwer, Smartphones werden gezückt was das Zeug hält", sagt Marvin Nowak, Pressesprecher der Feuerwehr der Stadt Wunstorf.
Lieber ein Foto bei Facebook hochladen, statt selbst zu helfen, sei die Devise. Dabei behinderten diese Menschen oft die Arbeit der Rettungskräfte und verlieren jeglichen Sinn für die Rechte der Opfer. Stau und Folgeunfälle auf der Autobahn, ausgelöst durch Gaffer auf der Gegenfahrbahn seien keine Seltenheit mehr. Ein weiteres Problem stelle der hohe Personalbedarf für solche "Absperrmaßnahmen" dar. Teilweise müsse eine komplette Fahrzeugbesatzung eingesetzt werden, um Decken hochzuhalten und die Opfer vor neugierigen Blicken und Mobilkameras zu schützen oder gar die Gaffer selbst vor Bildern, die für schwache Gemüter nichts sind. Dieses begründete eine Idee, die die Feuerwehren der Stadt Wunstorf nun in die Tat umgesetzt haben. "Mit großen Planen, die aufgrund ihrer Maße nur halb so viel Personal wie das Hochhalten von Decken bindet und sogar auf Standfüßen oder an Bauzäunen anzubringen sind, gehen wir die Sache offensiv an", fährt Nowak fort. "Nicht Gaffen – Mitglied werden", steht auf den Bannern. Land auf, Land ab haben Feuerwehren mit Personalproblemen zu kämpfen. Wer unbedingt in erster Reihe stehen möchte, sei als aktiver Helfer bei den Feuerwehren besser aufgehoben als hinter der Mobilkamera, so der Gedanke der Feuerwehr. Dabei stehe nicht nur die offensive und durchaus auch provokative Mitgliederwerbung für die Feuerwehren der Stadt Wunstorf im Vordergrund, sondern auch ein informatives Wachrütteln der Bevölkerung. Die Feuerwehren der Stadt Wunstorf sind für Einsätze auf der BAB 2 zwischen Wunstorf Kolenfeld und den Anschlussstellen Bad Nenndorf und Wunstorf Luthe zuständig. Die Plane sei bewusst als Mittel zum Zweck gewählt. "Diese provokative Art versteht sich mit einem Augenzwinkern, Mitgliederwerbung ist keine einfache Sache", berichtet Nowak. Gaffer abhalten aber auch nicht. Das Echo bei Funk, Fernsehen und Internet sei sehr groß gewesen, andere Feuerwehren fragten bereits an, ob sie die Aktion kopieren dürfen. Foto: privat
