WUNSTORF (mk). "Wir möchten, dass die Jugendlichen das Richtige von den Richtigen an richtiger Stelle lernen, dass sie nicht auf die Falschen herein fallen". So beginnt Abdülhamit Isik, Vorstand der muslimischen Gemeinde und des muslimischen Kulturvereins Wunstorf, seinen Vortrag über sein Engagement in der Aksa Camii Moschee.
Der Vorsitzende des Kulturvereins kümmert sich um deutschsprachigen Koranunterricht in Wunstorf. Er organisiert gemeinsam mit den Jugendlichen Ausflüge, will ihnen den Islam lehren, der friedlich ist, der nicht die "Zündschnur an einer Bombe" ist, so Isik. Dafür warb er um Unterstützung bei Dorothea Manthey. Die Leiterin der diakonischen Begegnungsstätte Bürgerpark in Wunstorf war begeistert von der Idee, sich gemeinsam stark zu machen für einen Dialog der Religionen. So entschieden sie sich für einen gemeinsam gestalteten Abend während der Woche der Diakonie - passend, denn das Motto der Woche der Diakonie ist "Zusammen besser leben". Der Imam der Gemeinde, Kemal Demirden und der Religionswissenschaftler Holger Höfer unterstützten mit viel Fachkompetenz den Abend, der ganz im Zeichen des interreligiösen Dialogs stand. Höfer betonte in seinem Impulsreferat, wie viele Gemeinsamkeiten der Islam und das Christentum miteinander haben. Beide seien monotheistisch, Gläubige beider Religionen glaubten an die Barmherzigkeit Gottes, die zehn Gebote könne man zudem auch im Koran finden. Trotz vieler Gemeinsamkeiten, so Höfer, gebe es auch vieles, in dem sich beide Glaubensrichtungen unterscheiden. Zentral sei dabei die Rolle Jesu Christi. Während für Muslime Jesus ein Prophet sei, ist er für Christen die zentrale Figur des Glaubens, der Messias. Hingegen ist Mohammed, der im Christentum nicht zu finden ist, für Muslime der Religionsstifter, der letzte unter den Propheten, der Mann, der durch Gott den Koran empfangen hat. Nach der kurzen Einführung entspinnt sich eine spannende Diskussion, in die sich auch die aktuelle politische Dimension mischt. Kemal Demirden, der Imam der Gemeinde, erklärt auf Nachfrage, wer denn nun die sogenannten "Ungläubigen" seien, folgendes. "Christen und Juden sind nach dem Koran nicht die Ungläubigen. Mohammed hatte viele Kontakte zu Menschen anderer Konfessionen. Im Koran werden Juden und Christen als die "Gläubigen der Schrift" verstanden, in Sure 29, 46 heißt es über Christen und Juden: "Unser Gott und euer Gott ist einer - und nur ihm sind wir ergeben." Bei der Begrifflichkeit der "Ungläubigen", so der Imam weiter, liege das größte Problem, dass all die Missverständnisse und Feindseligkeiten gegenüber dem Islam begründet. Der IS, Al Quaida und Boko Haram hätten, so der Imam weiter, den Islam nicht verstanden. Sie suchten sich gezielt einzelne Textstellen des Korans, um Gewalt und Terror zu verbreiten. Der Islam sei, wie das Christentum, eine friedliche Religion. An dieser Stelle klinkt sich Höfer wieder ein und betont, dass seit mehr als 50 Jahren Muslime und Christen friedlich in Deutschland zusammen lebten. "Aber friedliches Zusammenleben ist eben keine Pressemeldung wert", sagt er ernüchtert. Abschließend ergreift Isik nochmals das Wort und sagt: "Wir wollen, dass alle erkennen, dass wir Nachbarn sind, Kollegen und Freunde. Auch wenn wir einen anderen Glauben haben, wir sind ebenso Wunstorf. Wir wollen uns einbringen und dafür sorgen, dass Wunstorf noch schöner wird, als es schon ist." Foto: privat
