Oerlinghausen (kd). Zum dritten Mal präsentierte jetzt das Bergstadttheater "Oerlinghauser Geschichte und Histörchen". Den roten Faden der jüngsten Aufführung bildete das Thema "Ankommen". Will man die Geschichte Oerlinghausens vermitteln, kann man ein Buch schreiben, Vorträge halten oder ein Museum eröffnen. Eine Gruppe von 25 Bürgern der Stadt hat sich entschieden, einen völlig anderen Ansatz zu wählen und gründete ein Laientheater. In heiteren Szenen wird gezeigt, wie sich die geschichtliche Entwicklung Oerlinghausens ereignet hat oder zumindest abgespielt haben könnte. Denn ein Augenzwinkern gehört stets mit dazu. Musikalische Beiträge (Wolfgang Pierel und Joachim Prolingheuer) und gefühlvolle Tänze der Ballettgruppen des TSV Oerlinghausen unter der Leitung von Gaby Irrgang ergänzen das Theaterstück. Rund 200 Zuschauer haben es sich auf dem Rasen des Weberparks auf Klappstühlen und Decken gemütlich gemacht und warten gespannt auf das Geschehen. Monatelang haben die Mitglieder des Bergstadttheaters für die Texte geforscht. Herausgefunden haben sie, dass Oerlinghausen erst durch zahlreiche neu ankommende Menschen zu dem geworden ist, was es heute darstellt. Das beginnt schon bei der Römerzeit. Im Jahre 15 nach Christus kommen zwei versprengte Legionäre (Leon Neudorf und Simon Schulz) auf der Suche nach ihrer Einheit in den kleinen Ort am Teutoburger Wald. Hier müsse sich auch die berühmte Schlacht abgespielt haben, schlussfolgern sie. Hier gebe es ja nichts als Wald, meinte der eine Legionär. Sein Kollege stimmt ihm zu: "Genau, Lipper lassen ja nichts liegen." In der nächsten Szene begeben sich zwei fränkische Krieger (Wolfgang Pierel und Horst Diekhof) auf den Weg nach Paderborn. Doch sie kommen nicht allzu weit, denn: "Auf des Weges Längen bleiben sie in Währentrup hängen." Die Zuschauer erfahren, dass die Hünenkapelle einst als Saalkirche errichtet wurde und als Zeichen des Siegs über die Sachsen gedacht war. In weiteren Szenen wird einer Kötterin (Eva-Maria Walde) großzügig die jährliche Abgabe erlassen. Der Abgesandte des Bischofs empfindet ihr Schwein ohnehin als zu mager. Die zahlreichen Besitzerwechsel der Tönsbergmühle werden geschildert, ebenso gibt es einen Seitenhieb auf die gegenwärtige Situation der Kumsttonne. Man könnte sie doch als Aussichtsturm benutzen, schlagen die Akteure des Bergstadttheaters vor. "Der Ausblick wäre schön, aber es kann ja noch geschehn." Was Neuzugezogene in der Neuzeit in Oerlinghausen erleben, schildern Elli und Anna Weidhase. Hier treffen zwei Kinder aufeinander wie sie unterschiedlichernicht sein können. Das eine spricht Lipper Platt, das andere den Gelsenkirchener Ruhrgebietsslang. Wie nicht anders zu erwarten: Die Missverständnisse sind programmiert, sehr zum Vergnügen der Zuschauer. Auch die Unterhaltung zwischen der schwäbelnden Christine Mönter und dem Ur-Lipper Klaus Ober entwickelt sich nur holprig. Trotzdem bekennt sich die gebürtige Stuttgarterin dazu: "Ich bleibe in Oerlinghausen." Die unzureichende Unterstützung für Gewerbetreibende durch die Stadt nimmt schließlich Beate Schäfermeier aufs Korn, die eine Geschäftsfrau für Miederwaren spielt. Die Stadtverwaltung lässt sie in der Frage einer möglichen Ansiedlung ganz schön im Stich. Am Ende lautet die Botschaft: Ohne Zugezogene, Reingeschmeckte, Neubürger und Beutelipper aus 60 Nationen hätte sich Oerlinghausen nicht so entwickeln können. Dies drücken auch die zahlreichen Zuschauer mit ausländischen Wurzeln aus, die am Ende auf die Bühne gebeten werden. Ihr gemeinsamer Kommentar: "Ich bleibe."
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Ankommen und Bleiben
Bergstadttheater zeigt die Entwicklung Oerlinghausens auf
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