WINZLAR (jan). Vor einem Jahr begannen umfangreiche Bauarbeiten am Westufer des Steinhuder Meeres. Kettenfahrzeuge, Bagger, Raupen und Kettendumper gestalteten im Auftrag der Ökologischen Schutzstation Steinhuder Meer (ÖSSM) eine Grünlandbrache zu einem Sumpfbiotop um. Was vor den Augen tausender Besucher, die das Steinhuder Meer mit dem Rad umrundeten, zunächst wie ein brachialer Eingriff in die Natur aussah, entwickelte sich nach und nach zu einem Paradies für Wat- und Wasservögel.
"Die neue Fläche, die eine Erweiterung des 1980 geschaffenen "alten" Vogelbiotops ist, zieht in einem nicht erwarteten Umfang Vögel unterschiedlichster Arten an, erst recht, weil es in diesem Jahr relativ trocken ist und die Nahrungsgrundlage für Watvögel in der Landschaft generell knapp ist", so Thomas Brandt, wissenschaftlicher Leiter der ÖSSM und Projektleiter. Innerhalb des einen Jahres seien von fast 180 Vogelarten gesehen worden, darunter Seltenheiten wie Raubseeschwalben, Sumpfläufer und Rotfußfalken - Arten also, die nicht alljährlich am Steinhuder Meer beobachtet werden. See- und Fischadler, Kraniche und einige der seltenen Entenarten nutzen das neue Biotop sogar tagtäglich, Kiebitze hatten dort 2015 einen guten Bruterfolg, anders als in den aufgrund der Frühjahrstrockenheit schnell ausgetrockneten Feuchtgebieten andernorts. "Mit der Erweiterung des bereits 1980 angelegten Vogelbiotops um eine fast 14 Hektar große Fläche, aktuell als "Neues Vogelbiotop" bezeichnet, ist uns ein ganz großer Wurf zum Schutz gefährdeter Tier- und Pflanzenarten gelungen, der ohne Mithilfe der Grundbesitzer und Geldgeber unmöglich gewesen wäre", freuen sich Thomas Brandt und Thomas Beuster von der ÖSSM. Die Umsetzung des Projektes wäre nicht möglich gewesen, wenn Land und Region Hannover die Flächen nicht schon Jahre zuvor gekauft hätten. Finanziell beteiligten sich das Land Niedersachsen, die Niedersächsische Bingo Umweltstiftung und die Region Hannover an dem 170.000 Euro Projekt. Mittlerweile sei das Neue Vogelbiotop auch zu einer Pilgerstätte zahlreicher Hobbyornithologen geworden, und die kommen nicht nur aus der Region. "Ich traf schon Besucher aus Stuttgart, Frankfurt und Garmisch-Patenkirchen, die extra hier herkamen, um sich die vielen seltenen Vögel anzusehen, die sie in Süddeutschland nie zu Gesicht bekommen", so Brandt. Ein positiver Nebeneffekt: Die wiedervernässten Moorböden geben keine Treibhausgase mehr an die Atmosphäre ab, stattdessen speichert die aufkommende Moorvegetation in Zukunft sogar Kohlenstoffe und somit leistet die Naturschutzmaßnahme nicht nur einen wichtigen Beitrag zum Arten-, sondern auch zum Klimaschutz. Foto: privat
