1. Trinken nur aus Tonbechern

    Wikinger-Darsteller trafen sich im Freilichtmuseum

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    Oerlinghausen (kd). Es ist in jedem Jahr die größte Veranstaltung des Archäologischen Freilichtmuseums Oerlinghausen. Am vergangenen Wochenende hieß es bereits zum 20. Mal: "Die Wikinger kommen". 60 Darsteller zeigten, wie die Menschen vor rund 1.200 Jahren gelebt haben. Wanja sitzt hoch konzentriert auf einem Baumstamm und betrachtet sein Werk. Mit einem Messer bearbeitet der Fünfjährige aus Bielefeld einen Ast mit einem Messer. "Das wird ein kleines Schwert", verriet Wanja. Sein erster Besuch bei den Wikingertagen habe ihn inspiriert. So ein Schwert wie die Nordmänner es tragen, sei doch eine nützliche Sache, meinte der Junge. Gemeinsam mit seinem Vater wartet er auf die nächste Attraktion: das Beilwerfen. Nachdem sich am Vormittag bereits die Männer erprobt haben, sind bei diesem Spiel jetzt nur Frauen zugelassen. Sechs Wikingerinnen in ihren bunten Gewändern treten an, um drei kleine Beile in Richtung von Baumscheiben zu schleudern. Es soll verdeutlichen, dass Wikinger keineswegs dem landläufigen Vorurteil entsprachen, nur blutrünstige Krieger gewesen zu sein. In Wahrheit hatten sie eine hoch entwickelte Kultur, waren erfolgreiche Händler und Handwerker – und gaben sich eben auch dem zweckfreien Vergnügen hin. Joyce aus Zwolle in den Niederlanden lässt sich auf den Spaß ein, obwohl sie keinerlei Erfahrung besitzt, wie sie freimütig bekennt. Ihr gefällt es im Archäologischen Freilichtmuseum so sehr, dass sie für jeden Spaß zu haben ist. "Im vergangenen Jahr war ich mit unserer Gruppe Yggdrasil zum ersten Mal hier", sagt die junge Frau. "Es ist sehr schön hier, die gemütliche Atmosphäre, die bergige Landschaft, die Natur. So viel Wald haben wir zu Hause ja nicht. Die Fahrt hierher lohnt sich sehr." Joyce, die den Wikingernamen Jozsa trägt, hat sich von jeher für Geschichte interessiert. Als Zuschauerin fuhr sie zu mehreren Events und lernte, dass die Darsteller die historischen Fakten doch recht unterschiedlich interpretieren. "Diese Fehler wollte ich auf jeden Fall vermeiden", erklärt Joyce/Jozsa. So nahm sie Kontakt zu anderen Darstellern auf und möchte nun das Leben der Wikinger "so authentisch wie möglich" zeigen. Das reicht bis ins Detail. "Wenn wir abends zusammen sitzen, trinken wir nur aus Tonbechern und essen von Holzschalen", sagte sie. Die notwendige Ausstattung boten mehrere Händler an. An den Ständen gab es Schildbuckel, Holzlöffel, Pfeilspitzen, Lederschuhe, Gürtelschnallen und vieles mehr zu kaufen. Alle Gegenstände wurden nach historischen Vorbildern gefertigt. Wer sich intensiv mit den Vorführungen und den Waren beschäftigte, muss sich zwischendurch auch mal stärken. Auch das kulinarische Angebot war auf das Thema abgestimmt: Am Verpflegungsstand standen unter anderem Weizenfladen mit Kräuterschafskäse und Lachs von der Buchenplanke mit Linsengemüse auf der Speisekarte. Gleich nebenan hatte Lena Bestgen aus Köln drei Hocker für junge Besucher aufgestellt und lud zum Brettchenweben ein. In einer kurzen Einweisung erklärte sie, was es mit den zahlreichen parallel gespannten bunten Fäden auf sich hat. Vor allem Mädchen nutzten die Gelegenheit, sich ein Lesezeichen nach Wikingerart anzufertigen. "Als Vorlage für das Muster dient ein Kleidungsfund aus Norwegen", erläuterte die junge Frau. "Am Ärmel einer Tunika gab es auch so eine Borte wie wir sie hier herstellen." Ihre Mutter, die als Weberin tätig ist, hatte Lena Bestgen auf die Idee gebracht, und fast alle Kinder wollten ein Lesezeichen als Souvenir mitnehmen. Museumsleiter Dr. Roeland Paardekoeper war mit der Resonanz sehr zufrieden. "Am ersten Tag haben wir mehr Besucher gezählt als im Vorjahr", sagte er. "Natürlich werden wir so eine erfolgreiche Veranstaltung auch in den nächsten Jahren fortsetzen."

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