1. Mehr als nur ein Symbol

    Mutige Lügder trotzten mit dem Osterkreuz den Nazis

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    Lügde (afk). Weithin sichtbar thront das Kreuz auf dem Osterberg in Lügde. Vor 80 Jahren wurde es errichtet - eine Aktion, die im Dritten Reich nicht ohne Brisanz war. Schon bald nach der Machtergreifung 1933 hatten die Nationalsozialisten den weitbekannten Osterräderlauf zu Lügde als germanisches, unverfälschtes Brauchtum für sich reklamiert und ihn zu einer nationalen Lichtfeier umgestaltet. Mit krassem Neuheidentum waren Einheimische und Besucher konfrontiert worden, denn die neuen Machthaber ließen früh erkennen, dass ihnen bei der Neugestaltung Deutschlands Kreuz und Christen im Wege waren. Der Tradition entsprechend wurde am Ostertag von den Dechen an der Ablaufstelle ein sechs Meter hohes Holzkreuz errichtet. Ohne sich wehren zu können, mussten die Lügder Bürger hinnehmen, wie die Nationalsozialisten aus dem christlichen Osterfest und aus dem uralten Brauchtum des Osterräderlaufes eine germanische Lichtfeier gemacht hatten. Daraufhin beschlossen die Lügder Dechen und Bürger ein Zeichen zu setzen. Der Landwirt Johannes Blome erhielt im Frühjahr 1935 die Genehmigung auf seinem Grundstück, auf dem Osterberg, ein Kreuz zu errichten. Das war nicht schwer, denn die Verwaltung der Stadt Lügde stand auf der Seite der Dechen und Bevölkerung. Praktisch über Nacht stand am 25. Juli 1935 auf dem Osterberg, weithin sichtbar, ein etwa zehn Meter hohes Holzkreuz. Mitglieder der Gruppe brachen aus dem Steinbruch im Dahlsen die Bruchsteine für ein Sockelfundament von zwei Meter Höhe und vier Meter Breite bzw. Länge heraus und bearbeiten sie. Im Fundamentsockel wurde eine Urkunde mit den Unterschriften einiger Initiatoren eingemauert. Die Nazis prangerten zwar im Aushangkasten am Rathaus der Stadt die mutigen Bekenner an - doch ohne Erfolg, denn das Kreuz war auf privatem Grundstück errichtet worden und musste daher geduldet werden. Obwohl auf Befehl Himmlers die SS 1938 den Osterlauf übernahm und sogar ein neues, ein "Führerrad", stiftete, überstand das Kreuz auf dem Osterberg das sogenannte "tausendjährige Reich", den übertriebenen Germanenkult und auch die schwere Nachkriegszeit. 1958 erwarb der Dechenverein das Kreuzgrundstück und nahm somit auch das Kreuz in seine Obhut und Pflege. 1970 und 1998 wurde das Kreuz durch den Dechenverein erneuert. Jedes Jahr zur Osterzeit leuchtet nun das Kreuz in der Dunkelheit des erwachenden Frühlings und erinnert auch an die mutigen Lügder Bürger.

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