Lemgo-Brake (nr). Warum nur üben Landkarten und Globen eine so große Anziehungskraft auf den Menschen aus? Und je älter sie sind, desto faszinierender scheinen sie zu sein. Zur Eröffnung der Ausstellung "Weltvermesser – Das goldene Zeitalter der Kartographie" im Weserrenaissance-Museum gab es neben einer ungeheuren Zahl an Exponaten auch großartige Einblicke in die Anfänge und Bedeutung der Kartographie. Eine Sichtweise auf die Ausstellung war die von Astronaut Prof. Dr. Ernst Messerschmid, der die Weltvermessung aus einer ganz anderen Perspektive zu erklären wusste. Wenn schon ein Astronaut in Person von Prof. Dr. Ernst Messerschmid nach Lemgo kommt, darf man etwas Außergewöhnliches erwarten. Die Weltvermesser-Ausstellung ist ebenso außergewöhnlich, wie auch großartig. Über 220 Exponate von 43 Leihgebern aus vier verschiedenen Ländern haben den Weg nach Lemgo gefunden. Von beeindruckenden mittelalterlichen Weltbildern, fantastischen Globen, berühmten Kartenschöpfern, dem ersten modernen Atlas von 1570 bis zu einer der ältesten Straßenkarten überhaupt – die Ausstellung ist schon gleich zur Eröffnung Besuchermagnet. "Vielleicht faszinieren uns Karten ja so sehr, weil sie uns mit den Grundfragen des Lebens konfrontieren", sagt Kurator des Weserrenaissance-Museums, Michael Bischoff. "Wo bin ich? Wo komme ich her? Wo gehe ich hin?" Ganz bestimmt aber bieten Karten nicht nur räumliche Orientierung, sondern geben Einsichten in Geschichte, politische Verhältnisse und Weltbilder, wie Michael Bischoff in die Ausstellung einführte. Und auch Astronauten werden aus solchen Kartenbildern gemacht: Prof. Dr. Ernst Messerschmid, der 1985 mit der US-Raumfähre Challenger ins All flog, ist einer von ihnen. Als Schirmherr der Ausstellung ist seine Sicht auf Kartographie die, der Wissenschaft. "Wie einst Alexander von Humboldt, Charles Darwin oder Alfred Wegener sind Astronauten getrieben von Neugier auf die "Terra Incognita", erzählt er. Gemeinsam mit den großen Forschern der Geschichte würde Astronomen und Astronauten der Drang zugrunde liegen, zu erforschen, zu verstehen und als Wegbereiter – zu vereinen. Ob es vielleicht vermessen ist, von der Vermessung der Welt zu sprechen, fragt er sich dabei. Im Gegensatz zu Astronauten, die in kosmischen Dimensionen minimale Distanzen überwunden hätten, sei die Kartographie des "goldenen Zeitalters" aber Grundlage für das, was Wissenschaft und Technik heute zu tun vermögen. Der Blick zurück in die Anfänge der Kartographie sei demnach ein großes Stück Verstehen. "Zu verstehen, warum wir so geworden sind, wie wir sind, und welche Erfahrungen und Entdeckungen den heutigen Stand unserer Technik erst ermöglichen, gehört zu den wichtigen Aufgaben kultureller Bildung", so Ministerin Ute Schäfer. Kulturpolitisch sei es besonders für junge Menschen wichtig, einen Zugang zur Vergangenheit zu erhalten. Mit rund 800.000 Euro schlägt die Ausstellung zu Buche. Ein Drittel der Summe musste durch das Museum und Sponsoren bewerkstelligt werden. Die Investitionen sollten sich gelohnt haben. Überwältigend und großartig ist die Ausstellung mit den geschichtsträchtigen Exponaten von Kartenwerk bis hin zu Vermessungsinstrumenten. Die Ausstellung ist bis zum 6. Dezember jeweils von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Nähere Informationen gibt es auf der Internetseite "www.weltvermesser.de".
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Die ganze Welt in den Händen
Kartographieausstellung im Weserrenaissance-Museum Schloss Brake
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