Kreis Lippe . Beim politischen Gipfel zu Flüchtlingsfragen in der vergangenen Woche im Kreishaus haben sich die Teilnehmer verständigt, einen Beirat für Flüchtlingsfragen zu gründen, der sich am Montag zum ersten Mal traf. Vertreter der Städte und Gemeinden in Lippe, des Jobcenters, der Agentur für Arbeit, der Gesundheitsversorgung wie die Kassenärztliche Vereinigung oder das Klinikum Lippe, des Ehrenamtsbüros und der politischen Parteien waren der Einladung gefolgt. Ziel des Beirates ist es, die Versorgung und Betreuung der Flüchtlinge sicherzustellen, die betroffenen Kommunen zu entlasten und neue Lösungswege zu diskutieren. "Unsere Gemeinden sind mit einer noch nie dagewesenen hohen Anzahl an Flüchtlingen konfrontiert. Angesichts dieser akuten und nicht planbaren Herausforderung ist es enorm, was in den letzten Monaten vor Ort alles geleistet wurde. Das hat nur funktioniert, weil viele Institutionen und Menschen, darunter viele Ehrenamtliche, engagiert und ohne Zögern mitangepackt haben", lobt Landrat Friedel Heuwinkel. Doch er ergänzt: "Wir müssen aber nun über die aktuelle Situation hinaus denken und planen. Denn die Betreuung der Flüchtlinge in unserem Kreis ist keine kurzfristige Herausforderung, sondern wird eine Daueraufgabe bleiben." Es sei daher wichtig, ein lokales Bündnis für Neubürger aufzubauen, um die Aufgaben in den verschiedenen Handlungsfeldern – von der Unterbringung, über Bildung, Arbeitsaufnahme bis zur Gesundheitsversorgung – zu koordinieren und zu bündeln. Bei der Gründung des Beirates wurde zum Beispiel eifrig darüber diskutiert, wie die medizinische Versorgung optimiert werden kann. "Wir müssen gewährleisten, dass alle Neuankömmlinge einer medizinischen Erstuntersuchung unterzogen werden", erklärt Dr. Helmut Middeke vom Klinikum Lippe. Das geschieht derzeit unter hohem logistischen Aufwand ein bis zweimal wöchentlich im Klinikum. "Große Probleme bereitet die oft mangelnde sprachliche Verständigung. Wir müssen Wege finden, dass kranke Flüchtlinge von einem Dolmetscher begleitet werden", erklärt Middeke. Das gelte natürlich genauso für die Besuche bei niedergelassenen Ärzten, ergänzt Sabine Beine. "Zurzeit suchen viele Flüchtlinge bei gesundheitlichen Beschwerden, die Notfall-Ambulanz des Klinikums Lippe auf, da sie unser Gesundheitssystem nicht kennen. Hier wollen mehr Unterstützung und Aufklärung leisten", so Beine. Großes Thema war auch die Beschulung der Flüchtlingskinder. "Zurzeit konnten wir die Situation in den Schulen durch die Einrichtung von Internationalen Klassen relativ entspannen. Aber was passiert, wenn die Kinder in die Regelklassen wechseln?", verdeutlicht Sabine Beine, Leiterin der Stabsstelle "Integration und Migration" beim Kreis Lippe. Es könne nicht sein, dass die Klassen dadurch zu groß werden und die Unterrichtsqualität nachlasse. "Zusammen mit dem Land NRW müssen wir hier Lösungen finden, zum Beispiel in dem mehr Lehrer eingestellt werden." Unterstützung der Ehrenamtlichen ist ein weiteres Kernthema des Beirates. Die Kommunen, die ohne dieses freiwillige Engagement vor noch größeren Problemen ständen, befürchten durch den monatelangen Dauereinsatz eine Überlastung der Ehrenamtlichen. "Die Flüchtlingswelle ist und bleibt eine Herausforderung für uns alle. Wir freuen uns daher über jeden, der sich aktiv in unser Bündnis für Neubürger einbringen will, uns Anregungen oder Hinweise für Handlungsbedarf gibt", erklärt Landrat Friedel Heuwinkel.
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Beirat berät zu Flüchtlingsfragen
Landrat: "Müssen über aktuelle Situation hinausdenken"
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