Lemgo (pro). Ein sicheres und brauchbares Netzwerk errichten und nutzen: Das ist das Ziel des Zusammenschlusses "Freifunk Lemgo", der Anfang dieser Woche im Mittelpunkt Innovations-Zentrum über seine Visionen und Themengebiete informierte. Den Ausfall von Zweitreferent Heiko Droess glich Christian Woelk, IT-Systemtechniker und Bürgermeisterkandidat der Piraten, an diesem Abend aus, so dass neben den Informationen des Referenten auch Zeit für Fragen blieb.
Was "Freifunk" neben kostenlosem WLAN bedeutet, war dabei ein Kernthema der Veranstal-tung. "Freifunk ist mehr als freies Internet", bekräftigte Christian Woelk die Motive der Gemeinschaft, die noch nicht als Verein eingetragen ist: "Freifunk heißt auch Vernetzung unter den Bürgern, durch Nutzung digitaler Medien. Die Technik ermöglicht es, Kultur und Wissen im Lemgoer Freifunknetz zur Verfügung zu stellen." Selbstverständlich sei der öffentliche Zugang zum allgemeinen Web, ohne Gebrauch von Registrierungsdaten, der Hauptfaktor, über den Nutzer und Unterstützer auf die Initiative aufmerksam würden – das Potential eines flächendeckenden Freifunknetzes gehe allerdings darüber hinaus. Wie es in Großstädten aussieht, wo sich die Idee "Freifunk" bereits etabliert hat, zeigte sich am Beispiel Berlins. Dort gibt es rund 500 der so genannten "Access Points", also Router, die das Freifunk-Signal weiterverteilen. In Lemgo sind es jetzt knapp 20 – besonders viele befinden sich in der Innenstadt zwischen Breiter Straße und Markplatz, wo inzwischen flächendeckend Freifunknetz verfüg-bar ist. "Stolz sind wir auf die längste Richtfunkstrecke der Region, die mit fast einem Kilometer zwischen Kornblumenweg und St. Nicolai besteht", berichtete Woelk aus dem Alltag der Gruppe. Gerade habe man am Standort Kornblumenweg die Anne-Frank-Schule mit WLAN versorgt, wo zurzeit Flüchtlinge untergebracht sind. Besonders sei hierbei gewesen, dass die Initiative hierbei von der Stadt Lemgo selbst ausging, so Woelk. Meistens gingen Freifunker-Gruppierungen zuerst auf Kommunen zu, um die Vernetzung voranzutreiben. Die Tatsache, dass Lemgo schon eine Weile den Wunsch nach freiem Internet in der Stadt verfolge, habe nun zu der Kooperation geführt. Ein Antrag des Fraktionszusammenschlusses "Gemeinsam für Lemgo" (Die Linke und Piraten) ermöglicht es den Freifunkern, in jedem öffentlichen Gebäude der Stadt Router aufzustellen und garantiert ebenfalls die Stromversorgung der Geräte. "Dies führen wir selbstverständlich in Absprache mit Besitzern und Vermietern der Räumlichkeiten durch", beruhigte Christian Woelk die Zuhörer. Zurzeit gewinne man vor allem Gastronomen und Hotelbetreiber, die das Projekt unterstützen und der eigenen Kundschaft Internetzugang bieten wollen. Für Tech-nikinteressierte erklärte Woelk zudem das "Trittstein-Verfahren", durch das das Freifunknetz verteilt wird. Eventuelle Sicherheitsbedenken wurden ebenso ausgeräumt, denn, so Woelk: "Grundsätzlich ist unser Freifunknetz genauso gesichert wie Ihr WLAN Zuhause". Die Lemgoer Gruppe Freifunk besteht seit Sommer 2014. Treffen zum Austausch finden jeden zweiten Dienstag im Monat im Beat Café statt. Interessierte sind herzlich willkommen. Weitere Infos sind unter: "www.freifunk-lemgo.de" zu finden.
