Augustdorf (cp). Sein erstes Projekt ist eine Fußball-AG an den Grundschulen: Am Dienstag ist Ole Schiffers Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) beim Gemeindesportverband Augustdorf gestartet. In den nächsten zwölf Monaten soll der 18-Jährige eine Brücke zwischen den Augustdorfer Sportvereinen und Schulen schlagen und den Kindern der Sennegemeinde Lust auf Bewegung machen.
Im Frühjahr hat Ole Schiffer am Stadtgymnasium Detmold sein Abi gebaut. Das FSJ nutzt er nach 12 Jahren Schule nun zur Neuorientierung, bevor er 2016 an die Hochschule wechselt. Vielleicht will er Spotmanagement studieren, auch ein Lehramtsstudium kann sich der junge Pivitsheider vorstellen – wo genau es beruflich hingehen soll, steht noch nicht fest. Das Ziel für die kommenden 12 Monate hat Schiffer dagegen klar vor Augen: Er möchte für die Kinder in Augustdorf "einen Ausgleich zum stressigen Schulalltag schaffen und ihre Begeisterung für Sport wecken". Damit könnte er den örtlichen Sportvereinen aus einem Dilemma helfen: "Für Vereine ist es mittlerweile schwierig, an Kinder und Jugendliche heranzukommen, weil diese schulisch immer stärker eingebunden sind", erklärt Gottfried Dennebier, Vorsitzender des Gemeindesportverbandes (GSV). Die Vereine sollen und wollen sich zwar in die OGS- und Ganztagsbetreuung einbringen, das funktioniert jedoch nur bedingt. "Unsere ehrenamtlichen Trainer und Übungsleiter müssen je tagsüber arbeiten", so Dennebier. "Deshalb haben wir überlegt, ob ein FJSler diese Verbindung herstellen kann." 6.000 Euro kostet der die klamme Gemeinde. Die Entscheidung über den Antrag des GSV fiel dennoch nahezu einstimmig. "Wir haben erkannt, dass das eine wichtige Maßnahme ist", erklärt Bürgermeister Dr. Andreas Wulf. Offizieller Träger der Maßnahme ist der Kreissportbund Lippe (KSB), der sich auch um Schiffers Bildungsseminare kümmert. Der KSB hat auch im vergangenen Jahr schon zwei FSJler betreut. Was für Augustdorf ein "Modellversuch" ist, läuft andernorts bereits seit Jahren erfolgreich. Auch Dennebier ist zuversichtlich, "etwas gefunden zu haben, was die Türen für Sportvereine öffnet" Ole Schiffer wirkt zum Start seiner neuen Aufgabe ziemlich entspannt. In den Ferien hat er den Übungsleiterschein erworben, auch beim VfL Hiddesen, wo selbst in der Fußball-A-Jugend aktiv ist, hat er schon einige Erfahrungen in der Gruppenbetreuung gesammelt. "Es wird aber nicht nur Fußball geben", sagt der BVB-Fan. "Was genau ich mit den Kindern alles machen kann, wird sich zeigen, wenn ich sie besser kennengelernt habe." 39 Stunden pro Woche hat er Zeit, um seine Ideen zu entwickeln und verwirklichen. Zum Beispiel das Sportsterne-Projekt, bei dem die Kinder jeweils sechs Wochen lang die Angebote eines Sportvereins kennenlernen können. Außerdem steigt er in Ganztagsbetreuung ein, soll das Sportabzeichen stärken, möchte eine Broschüre mit allen Sportangeboten erstellen und kann sich auch ein Projekt mit Flüchtlingskindern vorstellen. "Die Stunden zu füllen, wird kein Problem", schmunzelt Gottfried Dennebier.
