1. 50 Kilometer Schutz vor Raubzügen

    Ausstellung "Stadt-Landwehr Lemgo" macht Geschichte lebendig

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    Lemgo (nr). Wohl kaum jemand, der sich noch nicht über seltsame, offenbar von Menschenhand gemachte Wälle in Wald und Flur gewundert hat. Des Rätsels Lösung: Teile der alten Landwehr Lemgos, die die Aufgabe hatte, das Umfeld der Stadt vor kleineren Raubzügen zu schützen. Der Heimatforscher Hermann Hentschel hat gemeinsam mit Fachleuten eine Sonderausstellung im Hexenbürgermeisterhaus konzipiert. Noch bis zum 25. Oktober zeigt die Ausstellung "Stadt-Landwehr Lemgo" mit vielen Zeichnungen, Urkunden und Erläuterungen alles über die Entstehung, den Zweck und auch den Untergang der Landwehr. "Um es vorweg zu nehmen – die Landwehr war keine Verteidigungsanlage gegen Kriegsheere", erklärte Hermann Hentschel zur Ausstellungseröffnung. "Da ging es um den Schutz vor den Raubzügen kleiner, marodierender Trupps, die es auf das Hab und Gut der Bürger abgesehen hatten." Die Ausstellung zeigt, wie groß dieser Schutz aus dichten Hecken, Wällen und Gräben war. Noch heute geistern Namen wie Knick oder Schling als Orts- oder Straßennamen durch Lippe und immer noch sind in der Kulturlandschaft Gräben und Wälle der Landwehr sichtbar. "Im Laufe der Zeit bildeten die Gehölze durch gezieltes Abknicken von Ästen, immer neue Ausläufer und die Hecken wurden so dicht, dass ein ungehindertes Durchkommen nur schwer möglich war", erklärte Hermann Hentschel die Namensentstehung im Volksmund. Durchlässig war der Knick nur an einem Schlag- oder Drehbaum, auch Schling genannt. Dabei wurden die großen Durchlässe der Landwehr durch vier städtische Turmhöfe nebst Wartturm und neun Warten gesichert, die alle entweder Sichtkontakt zum städtischen Turm an St. Nicolai oder zum nächsten Wartturm hatten. Die erste urkundliche Erwähnung einer Landwehr in Lemgo stammt aus dem Jahr 1353. Die Landwehr umfasste damals 9 Kilometer. Im Laufe der Zeit wuchs der "Knick" auf rund 50 Kilometer an. 12 Meter breit war die Landwehr im Normalfall. Die Ausstellung zeigt aber auch Ausnahmen, an denen durch die Aufschüttung mehrerer Wälle die Breite des "Knicks" gut 33 Meter betrug. Hermann Hentschel hat für die Ausstellung im Hexenbürgermeisterhaus neben Kopien von Karten, Zeichnungen und Urkunden aus dem Lemgoer Stadtarchiv und dem Landesarchiv in Detmold, viele Erläuterungen eingebracht, um diesen Teil der Stadtgeschichte wieder lebendig werden zu lassen. Die Ausstellung ist noch bis zum 25. Oktober immer Dienstag bis Sonntag im Museum Hexenbürgermeisterhaus, Breite Straße 17 bis 19 zu sehen. Informationen gibt es unter der Rufnummer (05261) 213-276 oder online unter "www.hexenbuergermeisterhaus.de".

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