Oerlinghausen (kd). Gespannte Erwartung in der vollbesetzten Aula des Niklas-Luhmann-Gymnasiums. 600 Oerlinghauser wollten drei Wochen vor der Bürgermeisterwahl die Kandidaten Dr. Ursula Herbort und Dirk Becker sehen und hören. Auch nach der zweistündigen Vorstellung blieb offen, wer die besseren Chancen hat. Beide erklärten jedenfalls, sich selbst als Gewinner zu sehen. Das einzige öffentliche Zusammentreffen der beiden Kontrahenten wurde von der "Neuen Westfälischen" organisiert. Die Moderation übernahm der Redakteur Gunter Held. Vor 16 Jahren wurde Dr. Herbort zur Bürgermeisterin gewählt. Sie verteidigte ihre bisherige Amtsführung und erklärte, sie wolle weiterhin "ganz viel Gutes für die Stadt tun, auch wenn manche Situationen kitzelig sind." Sie verwies auf eine ganze Reihe von politischen Erfolgen. Oerlinghausen stehe gut da, denn das Angebot an Schulen sei sehr attraktiv, es gebe vielfältige Einkaufsmöglichkeiten und viele Arbeitsplätze. Auf die Frage, warum es in den Nachbarorten besser vorangehe, entgegnete Dr. Herbort: "Leopoldshöhe holt nur eine Entwicklung nach, die wir in Oerlinghausen schon längst haben." Das sah Becker als Herausforderer naturgemäß anders. "Es müsste vieles anders laufen", forderte er. Vor allem bei der kommunalen Wirtschaftsförderung vermisste er eine Willkommenskultur. "Gewerbeansiedlung muss Chefsache sein", sagte Becker unter starkem Beifall. Hier sei auch freiwilliges Handeln gefragt. Ein Bürgermeister dürfe sich nicht nur auf das Verwaltungsgeschäft konzentrieren. Dr. Herbort sah ihre Aufgabe eher darin, die vorhandenen Arbeitsplätze zu erhalten und die Expansion der vier großen Betriebe in der Stadt zu unterstützen. Man solle nicht leichtfertig weitere Grünflächen opfern. Den Vorschlag von Becker, "neue Unternehmen für ein bis zwei Jahre unter die Arme zu greifen", lehnte Dr. Herbort ab. "Das muss man grundsätzlich machen und nimmt dann kein Ende. Es geht in die Millionen." Am heftigsten wurde die Debatte in der Frage, ob man Personalangelegenheiten wie im Falle des Chefs der Abwasserwerks öffentlich machen dürfe. "Das regelt man zuerst unter vier Augen", meinte Becker. "Es tut uns nicht gut, wie wir uns dargestellt haben." Dr. Herbort bestand darauf: "Es ging um die Funktion, nicht um die Person." Sie habe an die Öffentlichkeit gehen müssen. "Ich hätte es einfacher haben und schweigen können, aber ich gehe den anderen, den geraden Weg." Dass die öffentlichen Gebäude in Oerlinghausen künftig Strom aus Herford erhalten, begründete Dr. Herbort mit der Pflicht zur europaweiten Ausschreibung und dem Preisvorteil. Doch dieser sei viel zu gering, kritisierte Becker und bedeute eine Schwächung der eigenen Stadtwerke. "Man hätte die Situation vermeiden können, es kommt auf die Ausschreibung an", sagte er. "Man muss es nur wollen." Ob bei den lerstehenden Ladenlokalen in der Innenstadt, in Sachen Frei- und Hallenbad, bei der Nutzung des Weberparks – mehrfach verwies Dr. Herbort darauf, dass man sich in der Einschätzung doch weitgehend einig sei. Becker sah indes mehr Unterschiede. So verlangte er mehr Engagement für die Südstadt: "Die städtebauliche Entwicklung hat kein Ende, das ist ein fortwährender Prozess." Er vermisse Konzepte und Visionen. "Ich will wissen, wie es nach vorne geht, das ist das Hauptproblem." Gewürzt wurde die Podiumsdiskussion durch kabarettistische Einlagen von Jörg Czyborra und Joachim H. Peters. Mit großer Lust spießten sie lokale Vorgänge auf.
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Wie geht es weiter in Oerlinghausen?
Die beiden Kandidaten erläuterten ihre Vorstellungen für das Bürgermeisteramt
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