? Schieder-Schwalenberg ist eine kleine Stadt mit großen und vielen Problemen. Welches Problem hat für Sie oberste Priorität wenn sie Bürgermeister werden? Richter: Unser größtes Problem stellt natürlich unsere angespannte Haushaltslage dar. Dieser muss konsolidiert werden. Das bedeutet, dass uns gerade im Hinblick auf wichtige Investitionen für die Zukunft momentan die Hände gebunden sind. Unsere Chance die Finanzlage kurzfristig zu verbessern besteht jedoch in der Tatsache, dass auch unsere Nachbarkommunen mit einer schwierigen Haushaltslage zu kämpfen haben. Dieser kollektive Zwang zum Sparen sollte dazu führen, dass man über kommunale Zusammenarbeit, beispielsweise bei Betriebsmitteln, Geld sparen kann. Aber auch innerhalb der Gemeinde muss alles auf der Ausgabenseite auf den Prüfstand gestellt werden. Ein weiteres dringliches Problem ist die Einkommensseite der Kommune. Durch sinnvolle Investitionen in die Infrastruktur muss hier sichergestellt werden, dass die Gemeinde auch zukünftig über Gewerbe und Industrie Geld einnehmen kann. Am dringlichsten wäre hier sicherlich, den Einzelhandel und Gewerbe in Schieder-Schwalenberg zu stärken. ? Die Zahl der Einwohner von Schieder-Schwalenberg wird immer geringer. Wie kann die Großgemeinde wieder attraktiver für die vorhandenen Bürger oder für potentielle Neubürger werden? Richter: Immer mehr Jugendliche absolvieren heutzutage ein Studium und das ist politisch auch so gewollt. Das bedeutet aber natürlich, dass es die Jugend zumeist in größere Städte zieht. Und wir brauchen uns nichts vorzumachen, auch kulturell sind größere Städte oft attraktiver. Auf der anderen Seite ist festzustellen, dass das Leben in größeren Städten immer teurer wird. Gerade Immobilien und Grundstückspreise sind in den letzten Jahren stark gestiegen. Hier sehe ich für unsere Gemeinde die Chance gerade junge Familien durch eine bevorzugte Grundstücksvergabe anzusprechen. Das bedeutet aber auch, dass man vor Ort gute Betreuungsmöglichkeiten für Kinder ausbaut, damit unsere Stadt auch für Pendler attraktiv wird. Außerdem müssen wir den Jugendlichen, die unsere Stadt aufgrund einer Ausbildung oder eines Studiums verlassen haben, eine Perspektive bieten zurückzukommen. Dies wird uns nur durch die Schaffung von Arbeitsplätzen gelingen. ? Kann die Stadt eigentlich noch irgendetwas bewegen bei der angespannten Finanzlage? Richter: Ja, aber es müssen klare Prioritäten gesetzt und überflüssige Projekte vermieden werden. Wir müssen mit den knappen zur Verfügung stehenden Mitteln maßvoll umgehen. Fördermittel sind willkommen, sie dürfen aber nicht dazu führen, dass daraus nicht beherrschbare Folgekosten entstehen. ? Bürger sind ehrenamtlich in Vereinen tätig. Wie bewerten sie die ehrenamtliche Arbeit in Schieder-Schwalenberg? Richter: Die ehrenamtliche Arbeit stellt eine bedeutende Stütze unserer Gemeinde dar. Viele Einrichtungen, zum Beispiel das Freibad in Schieder, konnten nur aufgrund des hohen Engagements ehrenamtlicher Helfer erhalten bleiben. Außerdem prägen unsere ehrenamtlichen Kräfte auch unser kulturelles Leben. Zukünftig, gerade im Hinblick auf den demografischen Wandel und auf die steigende Zahl der Flüchtlinge wird das Ehrenamt noch wichtiger werden. Ohne Solidarität werden wir diese Probleme nicht bewältigen können. Hier müssen wir den Bürgern allerdings konkrete Angebote zur Mithilfe bieten. ? Das Infrastrukturkonzept der Stadt Schieder-Schwalenberg sieht die Schließung oder eventuelle Übernahme von Hallen an Vereine vor. Wie stehen Sie dazu in Bezug auf die finanzielle Lage der Stadt und der ehrenamtlichen Arbeit der Bürger? Richter: Es ist wünschenswert, dass Vereine sich dieser Immobilien annehmen, aber man darf sie damit nicht alleine lassen oder gar überfordern. Vielmehr müssen Sie von der Stadt unterstützt und begleitet werden. ? Wie bewerten Sie den Tourismus in Schieder-Schwalenberg? Richter: Bezugnehmend auf ein Expertise des Wirtschaftsprüfungsunternehmens Rödl und Partner fallen die Aussichten eines florierenden Tourismusgeschäfts in Schieder-Schwalenberg eher negativ aus. Dennoch ist der Tourismus eine wichtige Einnahmequelle, die es zu erhalten bzw. in sinnvollen Maßen weiter auszubauen gilt. Es ist daher wichtig, dass wir unser bisheriges kulturelles Angebot über Gemeindegrenzen hinaus stärken. ? Wie bewerten Sie die Wirtschaft von Schieder-Schwalenberg? Benötigt Schieder-Schwalenberg mehr Wirtschaft? Wie ist das zu sehen im Bezug auf den Tourismus? Richter: Ich denke niemand wird abstreiten, dass mehr Wirtschaft notwendig ist. Ein Konflikt mit dem ansässigen Tourismus sehe ich nicht. ? Wie sehen Sie die Jugendarbeit in Schieder-Schwalenberg? Sollte sie vielleicht eher zentralisiert werden oder sollten die vorhandenen Einrichtungen Bestand haben? Richter: Die vorhandenen Einrichtungen im Bereich der Jugendarbeit haben sich bewährt und sind nach und nach gewachsen. Eine Zentralisierung halte ich demnach nicht für sinnvoll. Dies sollte die einzelnen Jugendkreise jedoch nicht von regelmäßigen Treffen und der Planung gemeinsam Veranstaltungen abhalten. ? Was sind ihre Ideen in Bezug auf die Nahversorgung der Bürger? Vor einiger Zeit hat der Aldi Markt seine Pforten geschlossen. Mancherorts gibt es keinen Einkaufsladen (mehr). Wie kann man hier – insbesondere die Versorgung der älteren Mitbürger – verbessern? Und wie ist es finanzierbar? Richter: Wie bereits am Anfang erwähnt, hat dieses Problem für mich eine hohe Priorität. Denn wenn unsere Bürger ihre Einkäufe nicht mehr in Schieder-Schwalenberg erledigen können, leidet auch der ansässige Einzelhandel. Ich denke hier sollten wir als Stadt den Wünschen der Discounter auch ein Stück weit entgegenkommen, da die Folgen eines Wegbleibens tiefgreifend sind. Ich denke der kleine Supermarkt in Lothe ist ein gutes Beispiel, dass auch kleinere Läden heutzutage wieder eine Chance haben. Gerade für die Versorgung der älteren Mitbürger halte ich zum Beispiel die Installation eines Bürgerbusses für sinnvoll. Zu der Frage, ob und wie es finanzierbar wäre, kann zum jetzigen Zeitpunkt kein abschließendes Urteil gefällt werden. Ich könnte mir jedoch vorstellen, dass dies beispielsweise auch durch ein Ehrenamt zu bewältigen wäre.
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"Einzelhandel und Gewerbe müssen gestärkt werden"
Lippe aktuell im Gespräch mit dem Bürgermeisterkandidaten Volkmar Richter
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