MÜNCHEHAGEN (jan). "Feiern bis der Südlink fällt"– unter diesem Motto hat die Rehburg-Loccumer Bürgerinitiative gegen die Höchstspannungstrasse zu einem Sommerfest in den Münchehäger Pfarrgarten eingeladen.
"Wir wollen informieren!" Das ist das vorrangige Ziel des Festes, sagt Valerie Grill und deshalb hat die Initiative ihren Info-Stand auch zentral im Hof des Gemeindehauses aufgebaut – den kann keiner der Besucher übersehen. Drumherum auf dem Gelände und im Haus haben Unterstützer dafür gesorgt, dass das Fest viele weitere Anziehungspunkte hat: mit einem Flohmarkt, einer Kunstaktion, mit Kaffee und Kuchen, kühlen Getränken und Bratwurst und mit Spielen für Kinder. Erwachsene können sich gleichermaßen wie auch die jüngere Generation an einem Wurfspiel austoben, bei dem es darauf ankommt, einen Wald aus Strommasten abzuwerfen. Den gemeinsamen Willen gegen die Trasse, die womöglich auch durch Rehburg-Loccum verlaufen könnte, bringen sie so auf fantasievolle Weise zum Ausdruck. Der gemeinsame Wille, das gemeinsame Ziel sind indes Punkte, die in der Bürgerinitiative kontrovers diskutiert werden. Dem ursprünglichen Ansatz, nämlich statt der Höchstspannungstrasse Erdkabel von Nord- nach Süddeutschland verlegen zu lassen, sind etliche der Mitglieder mittlerweile entwachsen. Zehn bis zwölf Rehburg-Loccumer, sagt Asta Benninger, gehörten zu dem "harten Kern" derjenigen, die sich immer wieder treffen, sich intensiv mit der Thematik auseinandersetzen, hinterfragen, ob die angestrebte Energiewende in der geplanten Form wirklich sinnvoll ist und welche Alternativen es dazu gibt. Unterstützer gebe es aber noch etliche mehr und auch viele, die sich mit dem Thema auseinandersetzten. Was mittlerweile aber in der Sprechergruppe nahezu Konsens ist, nämlich die Favorisierung von dezentraler Energieversorgung, die nicht nur unabhängig von Atom-, sondern auch von Kohlekraftwerken macht, trägt nicht unbedingt jeder der weiteren Unterstützer der Bürgerinitiative mit. Renate Braselmann, Ortsbürgermeisterin von Münchehagen, steht nach wie vor auf dem Standpunkt, dass der Erdverkabelung der Vorrang gegeben werden soll. Das sei auch die offizielle Position der Stadt, sagt sie. Dass die Meinungen über das Ziel auseinander gehen, ist für sie aber völlig in Ordnung. Allein die Diskussionen innerhalb der Gruppe bewirkten doch schon etwas und der Protest gehe auf jeden Fall in eine gemeinsame Richtung, auch wenn sie den Ansatz, den kompletten Südlink abzulehnen, für unrealistisch hält. Die Chance zur Information wird bei diesem Sommerfest auf jeden Fall genutzt – auch wenn am Ende des Tages vom Südlink nicht mehr gefallen ist, als die kleinen Modelle der Strommasten in dem Wurfspiel. Weitere Aktionen sollen folgen und einmal im Monat – am jeweils dritten Mittwoch, 19.30 Uhr, im Gasthaus "Deutsche Eiche" in Münchehagen - können alle Interessierten sich bei einem Stammtisch treffen und ihre eigenen Ansichten dort einbringen. Der nächste Stammtisch ist am 16. September. Foto: jan
