Lemgo-Brake (nr). Wege in der Kunst sind oft verschlungen. Künstler wählen das Außergewöhnliche manchmal bestechend scharf, manchmal gebrochen wie hinter einer Nebelwand. Das Offensichtliche und das Verborgene in all seiner Pracht zu zeigen, war eine spontane Entscheidung des lippischen Künstlerbundes. Schlicht und ergreifend "Pracht" heißt die neue Ausstellung, die noch bis zum 13. September im Eichenmüllerhaus zu sehen ist.
Zu einigen Diskussionen innerhalb der Künstlergemeinde hat der Titel der Ausstellung schon geführt. Pracht, prachtvoll - etwas aus der Mode gekommene Wörter, die schnell mit Prunk, Luxus und Feudalismus des Mittelalters einhergehen und nun Bilder und Skulpturen umrahmen sollen? Wenn aber Pracht gleichgesetzt wird mit Anmut, Schönheit, Reichhaltigkeit oder Harmonie, dann umschreibt Pracht wohl doch all das, was die Ausstellung in ihrer Gesamtheit zu bieten hat. "Es sind keine Demonstrationen von Bekenntnissen", formuliert es Günter Schulz, Vorsitzender des lippischen Künstlerbundes, "sondern viele Fragezeichen." So sei der Mensch immer auf der Suche nach Größe, nach dem Außergewöhnlichen, nach etwas, das zu Bestaunen sich lohnt. In der Kunst könne man dies finden, auch wenn diese oft schwer zu erschließen sei. Tatsächlich sind die Ausstellungsstücke nicht immer offensichtlich "prachtvoll" und manchmal muss der Betrachter die, die "prachtvoll" wirken, nur hinterfragen, um eine gänzlich andere Antwort zu erhalten. Die Arbeiten, die für die Ausstellung ausgesucht wurden, um in den Titel zu untermauern, erklären oder einfach nur zu beleuchten, können unterschiedlicher nicht sein. Wie ein geordnetes Durcheinander von künstlerischen Gedanken, die sauber aufgereiht darauf warten, festgefügte Werteschemata zu durchbrechen. "Es ist wie ein Nebel, der nicht verhüllend, sondern inspirierend ist", meint Günter Schulz und klebt sich wie zum Beweis ein "drittes" Auge auf die Stirn; das Auge für zweckfreies Sehen. So kann der Betrachter die Freiheit in der sich der Künstler auszudrücken vermag, auch als solche ansehen. Wertend betrachten ließe keine neuen Dinge entstehen, ist er überzeugt. Längst nicht alle Arbeiten tragen Titel, wie "prachtvoll", "Pracht" oder gar "Prachtweib". Letzteres hat im Volksmund eine ganz andere Bedeutung, als es die Künstlerin Carola Kern in ihrem großformatigen Ölgemälde verarbeitet hat. Sie hat das Portrait einer Frau angefertigt, die für ihre eigene Empfindung ein ganz prachvoller Mensch ist. "Sie ist jemand der sehr still ist, aber viel bewegen kann", sagt sie. "Prachtvoll kann viele Bedeutungen haben." Ein anderer Ausstellungsraum, andere Arbeiten. Manche klein und auf den ersten Blick eher unscheinbar. Prachtvoll? Nun ja, nur davor stehen bleiben lässt den Betrachter das Prachtvolle noch immer nicht erschließen. Bis, ja bis ein weiterer Betrachter kommt und sich nur durch ein paar kurz in den Raum geworfene Worte das Werk plötzlich in einem ganz anderen Licht darstellt. Auf einmal erschließt es sich als schön, anmutig – prachtvoll. Zustimmung. Die nächste Arbeit wird dann anders betrachtet. Wertfrei sozusagen. Wunderbar. Und als müsste das Erfahrene wirklich bestätigt werden, wartet gleich daneben die prachtvolle Fotografie eines Wasserfalles von Andreas Fuchs. Nur zwei Arbeiten von insgesamt 20 Künstlern, die schon zur Vernissage am Sonntag unzählige Kunstkenner und Kunstfreunde in ihren Bann zogen. Die Ausstellung "Pracht" ist noch bis zum 13. September in der städtischen Galerie Eichenmüllerhaus, Braker Mitte 39 zu sehen. Der Eintritt ist frei. Öffnungszeiten sind Donnerstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr. Weitere Informationen gibt es unter "www.eichenmuellerhaus.de"
