Lemgo (ur). Ruhig und geduldig steht er da, der 19-jährige Islandpony-Wallach Kvikur. Das ist isländisch und heißt "der Lebhafte". Normalerweise ist er das wohl auch, doch er ist auch ein gut ausgebildetes Therapiepferd. Diplom-Sozialpädagogin Barbara Tiemann-Klein arbeitet mit dem Isländer auf dem Therapiehof in Voßheide.
Therapiepferde werden bei geistig oder körperlich behinderten Kindern eingesetzt, bei Kindern mit motorischen Defiziten oder bei solchen, die unter AHDS (Hyperaktivität) leiden oder ein sehr geringes Selbstbewusstsein haben. Ganz behutsam werden die Kinder, die entweder Einzelunterricht erhalten oder in kleinen Gruppen mit bis zu höchstens sechs Kindern unterrichtet werden, an die Pferde herangeführt. Ein erstes Kennenlernen erfolgt mit Berührungen, streicheln, putzen, kuscheln und je nach Mut auch mal einem ersten Draufsitzen. Die Therapiepferde sind besonders geschult. Unabhängig von der Reitpferdeausbildung werden sie zusätzlich an laute Geräusche und an ungewohnte Bewegungen oder Situationen gewöhnt, so dass sie, als Fluchttiere, ihre natürlichen Ängste verlieren und später in jeder Situation gelassen reagieren können. "Für Pferde ist das teilweise eine große nervliche Belastung, so dass zu Beginn manche der Therapiepferde nur eine Therapieeinheit (meist eineinhalb Stunden) pro Tag durchlaufen müssen", erläutert Barbara Tiemann-Klein. Bei den Reitübungen wird den Pferden ein Voltigiergurt angelegt – ein Gurt, der mit zwei festen Haltegriffen versehen ist – so dass die Kinder sich festhalten, aber dennoch aufrecht sitzen können. Wer Angst hat, kann selbst bestimmen, wie lange er auf dem Pferd sitzen möchte: nur drei Schritte oder vielleicht auch eine ganze Bahn entlang. Kinder, die schon etwas weiter sind, machen Übungen, die die Motorik anregen oder dürfen auf einen geführten Ausritt mit, wo das Pferd als Handpferd vom Führpferd aus vom Therapeuten mitgeführt wird und das Kind das Gefühl bekommt, selbst aktiv werden zu können. Nicht nur das Selbstbewusstsein kann so aufgebaut und Ängste abgebaut werden, auch die Motorik wird verbessert und Spasmen lösen sich aufgrund der ruhigen, wiegenden Gangart des Pferdes im Schritt. "Es ist wie eine Krankengymnastik, die sich aber nicht so anfühlt", ist die Pferdebesitzerin von der Wirkungsweise des Therapiereitens überzeugt. Wer zunächst noch Angst vor den Pferden hat, kann sich auch erst einmal mit Meyja und Zora anfreunden. Für eine erste Kontaktaufnahme mit Tieren sind die beiden Berner Sennenhündinnen genau die Richtigen. Freundlich und kuschelbegeistert lassen sich die freundlichen Hündinnen gern von Kindern streicheln und liebhaben.
