Detmold (bc). Es ist wie im wahren Leben, das wirklich Verrückte kann ganz charmant daherkommen: Auftritt Abby (Brigitte Blase) und Martha Brewster (Karin Burghardt), die Tanten von Teddy (Bernhard Staercke). Zwei reizende ältere Damen, die regelmäßig in die Kirche gehen, für den Weihnachtsbasar spenden und wunderbaren Schmorbraten machen. Ihr speziellstes Rezept allerdings dient der Zubereitung eines Getränks: "Es ist ganz einfach, lieber Junge", erklären sie Mortimer (Volker Bam), dem Neffen Nummer zwei. "Auf vier Liter Holunderwein nehmen wir einen Teelöffel Arsen, einen halben Teelöffel Strychnin und eine Prise Zyankali." Denn Mortimer hat soeben die Leiche eines älteren Herrn in der Truhe im Wohnzimmer seiner Tanten entdeckt und verlangt nach einer Erklärung. Biederes Bürgertum prallt auf blankes Entsetzen, als Mortimer erkennen muss, dass seine beiden bezaubernden Tanten nicht nur eine Leiche im Keller haben. Kaum hat Mortimer die Villa verlassen, um sich vom Schreck zu erholen, da taucht Jonathan (Reinhard Micheel), Neffe Nummer drei, in Begleitung seines getreuen Helfershelfers Dr. Einstein (Thomas Lnappmann) auf. Auch sie haben eine Leiche zu verstauen. Und da im Keller des Hauses Teddy, Neffe Nummer eins, als selbst ernannter amerikanischer Präsident gerade den Panamakanal baut, gibt es genügend Platz. Zurück zu den bezaubernden Tanten: Was Brigitte Blase und Karin Burkhardt hier an Liebenswürdigkeit, altjüngferlichen und absonderlichen Gewohnheiten zu bieten haben, ist eine Klasse für sich. Sie leben ihre Rolle; sie sind Abby und Martha Brewster. Es ist schwer vorstellbar, dass es die Profis noch besser machen können. Auch die anderen Figuren sind sorgfältig ausgeformt und passen genau in diese unglaubliche Geschichte, in der immer neue, liebevoll eingesetzte Details zu entdecken sind. So spielt Volker Bram Mortimer Brewster so anschaulich in seiner verzweifelten Fürsorge für seine Tantchen, dass man ihn am liebsten an die Hand nehmen möchte. Respekt den Schauspielern, die sich das Herz aus dem Leibe spielen, die keine Scheu vorm Chargieren, vor Überspitzungen, Slapstick, Übertreibungen haben, die kein Blasen der Signaltrompete und Kostümwechsel aus der Rolle fallen lässt. Respekt auch dem Regisseur Bernhard Staercke. Nicht nur, dass sein Ensemble mit Leichtigkeit, Spielfreude, Professionalität daherkommt, er spielt den Neffen Teddy alias Theodore Roosevelt einfach herrlich. Das nette Bühnenbild sowie Musik und Kostüme runden das Gesamtbild dieser Inszenierung ab. Nicht unerwähnt bleiben sollen die "Neuen", die nach einem Schnupperkurs das erste Mal auf der Bühne standen und sich wunderbar eingebracht haben. Es macht Spaß, die Spielfreude dieser jungen Leute zu erleben. Diese Krimi-Komödie des Zimmertheaters ist auch 80 Jahre nach dem Bühnenerfolg des Broadway-Schlagers "Arsen und Spitzenhäubchen" ein Kracher. Die Publikumsreaktionen reichen vom Schmunzeln bis zu schallendem Gelächter und münden am Ende in lang andauernden Applaus. Das Ensemble spielt im Grabbe-Gymnasium, Georg-Weerth-Straße, Detmold bis Januar 2016 immer mittwochs um 20 Uhr, außer in den Schulferien. Sondertermine am Wochenende (ab freitags) sind möglich.
-
Mitleid kann gefährlich werden
Zimmertheater-Premiere mit "Arsen und Spitzenhäubchen"
Dieser Eintrag wird bereitgestellt durch Schaumburger Wochenblatt | Impressum
