Detmold (ame). Im Jahre 1775 schrieb der 18-jährige Mozart seiner Mutter über die Premiere: "Nach jeder Aria war alzeit ein erschröckliches Getös mit klatschen und viva Maestro schreyen." Nichts destotrotz gab es nur zwei weitere Aufführungen der "halbkomischen Oper". Das wird sich in Detmold aus zwei Gründen anders gestalten: Erstens steht es so auf dem Plan und zweitens ist die Inzenierung von Hinrich Horstkotte ein zauberhafter Augen- und Ohrenschmaus, der Opernfreunde entzücken wird. Die Handlung ist - wie meistens, wenn es amüsieren soll - ein chaotisch wirkendes Durcheinander von Liebenden und solchen, die den üblichen Begierden, also den körperlichen und/oder der Erotik des Geldes, verfallen sind. Die Handlungsstränge verwirren und entwirren sich wieder. Nur gut, wenn man den roten Faden dabei immer im Visier hat. Regisseur Hinrich Horstkotte nahm das gleich wörtlich und flocht ein rotes Wollknäuel in die Handlung und die Bühnenausstattung ein. Diese Bühnenausstattung (Martin Dolnik) muss gleich vorab gelobt werden. Das hinlänglich bekannte "links über die Buchsbaumhecke singen, rechts über die Buchsbaumhecke singen" wurde hier auf die Spitze getrieben. Es gab Heckenmutationen! Aber so clever gemacht, dass man als Zuschauer seine helle Freude daran hatte. Die Kostüme (ebenfalls Hinrich Horstkotte) taten ein Übriges. Arminda (Magan Marie Hart) erinnerte zuweilen an ein rosa Tortenpüppchen, dann wieder an eine rote Furie im Breitformat - wie arretiert man eigentlich zwei Meter breite Klapphüften? - und war auch ganz in schwarz kein Kind von Traurigkeit, sondern stets eher eine Mischung aus Zuckerbrot und Peitsche. Die ideale "Dramaqueen" also und sowohl ihr Gang als auch der von Kammermädchen Serpetta gaben dem Ganzen einen Zickenzuckerguss, der beim Publikum kein Auge trocken ließ. Markus Gruber in der Rolle des Don Anchise, Podestà (Bürgermeister) von Lagonero, war ein Erlebnis für sich. Wie er sich beim Balzen getreu dem Motto "Der Greis ist willig, aber das Fleisch ist schwach" zwischendurch mit Tabletten versorgen musste, war herrlich böse. Seine Zuckungen im Takt von Mozarts Musik verknüpften die herrlichen Klänge mit ganz neuen Assoziationen. ("Aus, aus ..." - Wie wird man dieses Bild nur wieder los?) Man sah den Akteuren des Abends die Freude an ihrem Beruf überdeutlich an. Nicht nur wegen des Gesangs, einem Gesang, der immer wieder zu einem wahren Fest der Stimmen wurde, sondern auch in ihrem Spiel war reines Vernügen zu erleben. Nichts kam muffig daher, zeitlos wirkten die Verrenkungen der Geschlechter, die nicht nur das Herz, sondern auch immer wieder Berechnung antrieb. Schließlich konnte eine Frau damals - so der Gatte keinen frühen Tod starb - nur einmal heiraten, um sich gesellschaftlich zu verbessern. Da schaute sie also gerne etwas genauer hin, zumal es keinen zweiten Weg zum Aufstieg gab. Dass die Beteiligten über kurz oder lang, mehr oder weniger, also nur temporär - oder vielleicht doch nicht nur temporär... - dem Wahnsinn verfielen, gehört zur Handlung. Die Umsetzung dieses Umstands wurde nicht in den Vordergrund geschoben; der Regisseur ließ hier lieber die Musik zu Wort kommen und er tat gut daran. Ganz ernst soll man die Handlung sowieso nicht nehmen, aber auf einer zweiten Ebene ist sie eben doch eine ernste Sache, denn am Schluss bekommen alle Liebenden außer dem Podesta ein passendes Gegenstück - nur eben nicht zwangsläufig das Gewünschte. Und das ist dann wieder ganz wie im wahren Leben. Frage: Wie lange hat Michael Zehe (Roberto, Diener der Marchesa Violante, unter dem Namen Nardo Gärtnerbursche beim Podestá) an der Nummer mit der Tischdecke geübt? (Wütend riss er sie vom Tisch und was darauf stand blieb unberührt stehen.) Man hätte gerne Zwischenapplaus gegeben, aber das hätte den schönen Gesang in dem Moment gestört - nur deshalb verblieb er. Die Besetzung der Rolle des Cavaliere Ramiro mit Anna Werle war ein Glücksgriff - ihre ausgeglichene, volle und warme Stimme möchte man öfter hören! Katharina Ajyba als Serpetta war ein Temperamentbündel mit Feuer im Blut und stimmlich kräftiger als sonst, doch ohne den Glanz ihrer Stimme dabei einzubüßen. Für die Rolle der Marchesa Violante Onesti, bekam Kirsten Labonte zu recht viel Applaus. Es ist eine Inszenierung, die das Alte ins Zeitlose hebt, ohne dabei die Ausstattung ins Heute zu versetzen - glanzvoll, amüsant und anspruchsvoll, obwohl sie federleicht daherkam. Dafür sorgten auch Matthias Wegele und das Symphonische Orchester des Landestheaters. Fazit: Genau das Richtige für einen perfekten Sommerabend!
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Zwischen den Hecken necken
Mozarts Gärtnerin aus Liebe im Landestheater Detmold
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