WINZLAR (jan). Eine Ersatzhaltestelle der RegioBus Hannover GmbH an der Bundesstraße bei Winzlar bereitet Eltern Sorgen und hat dem siebenjährigen Matheo bereits ein unschönes Erlebnis eingebracht. "Und dann hat der Busfahrer mir gesagt, dass das nicht sein Problem ist." Matheo kann ganz genau beschreiben, was er am zweiten Tag erlebt hat, an dem der Bus, mit dem er stets von der Grundschule in Rehburg nach Hause fährt, nicht mehr durch seinen Heimatort Winzlar fahren konnte. Die Straße in Rehburg, auf der der Bus eigentlich fährt, ist schon mehrere Monate gesperrt. Die Buslinien konnten bislang aber in Rehburg eine Nebenstraße fahren, so dass die Winzlarer Kinder ihre üblichen Haltestellen nutzten. Vor einigen Tagen bekamen die Kinder dann aber in der Grundschule einen Brief ausgehändigt, mit dem die VLN (Verkehrsgesellschaft Landkreis Nienburg mbH) auf die weitergehende Sperrung der Straße aufmerksam machte und darauf, dass sich die Haltestellen deshalb verlagern. Für den siebenjährigen Matheo wurde diese Verlegung der Bushaltestellen zu einem Erlebnis, das er so schnell nicht vergessen wird.
Am ersten Tag mit den neuen Haltestellen stieg er an der Grundschule wie immer in seinen Bus ein. Statt von Rehburg direkt nach Winzlar zu fahren, ging die Tour nun über Bad Rehburg. Von der Ersatzhaltestelle in Winzlar wusste er. Direkt vor seinem Elternhaus war sie in der Straße ‚Am Sportplatz’ eingerichtet worden. Dort stieg er aus und alles war gut. Genauso erwarteten er und seine Mutter Christina Sauter es auch für den folgenden Tag. Das war jedoch nicht so. Statt von der Bundesstraße 441 hinter Bad Rehburg in ‚Am Sportplatz’ einzubiegen, fuhr der Bus weiter geradeaus. "Ich dachte, dass er die nächste Straße nach Winzlar hinein nimmt", erzählt Matheo. Doch der Bus fuhr vorbei und bog erst hinter Winzlar in Richtung Wiedenbrügge ab. Matheo fragte den Busfahrer, weshalb er nicht nach Winzlar gefahren sei. Nein, das sei nicht seine Strecke, antwortet der. Aber da müsse er doch aussteigen, meinte Matheo leicht verzweifelt. Das sei nicht sein Problem, war die Antwort des Mannes. So stieg der Erstklässler schließlich an der nächsten Haltestelle in Wiedenbrügge aus. Seine Mutter machte sich zwischenzeitig bereits Sorgen, weil der Bus mit ihrem Sohn nicht ankam. Sie rief bei der RegioBus Hannover in Wunstorf an, die im Verbund mit der VLN fährt und mit deren Linie Matheo nach Hause kommen sollte, und fragte nach. "Erst habe ich gefragt und erklärt, dann bekam ich eine patzige Antwort und wurde weiter verbunden", erzählt sie. Wieder erzählte sie, dass sei ihren Sohn vermisse. Auf ihre eindringliche Bitte hin setzte sich ihr Gesprächspartner mit dem Busfahrer in Verbindung. Doch, ja, er habe einen Jungen in Wiedenbrügge aussteigen lassen, ob das der Sohn der Frau sei, die sich da erkundigte, das wisse er doch nicht. Matheo hatte sich unterdessen zu Fuß auf den Weg nach Winzlar gemacht: mehr als zwei Kilometer zunächst entlang einer Straße ohne Fußweg, dann weiter an der Bundesstraße – die er auch noch überqueren musste. Seine Mutter fand ihn erst, als er bereits in Winzlar angekommen war. "Das war ein schlimmes Erlebnis für ihn", sagt sie. Dass der Bus nicht die Ersatzhaltestelle in Winzlar anfährt, sondern während der Umleitung an der Bundesstraße hält und dass "am ersten Tag ohnehin alles falsch gelaufen ist", hatte sie in der Zwischenzeit erfahren. Der Bus hätte die Haltestelle in Winzlar gar nicht anfahren sollen, die Linie 715/716 solle für die Zeit der Vollsperrung nur an der Bundesstraße, Haltestelle ‚Winzlar/Ost’, halten. Dass er das bei der Fahrt von Matheo nicht tat, lag daran, dass niemand auf den Halteknopf gedrückt hatte. Unabhängig davon, sagt seine Mutter, hätte er dann immer noch die Bundesstraße überqueren müssen – was gerade an der Haltestelle wegen des vielen Verkehrs, Tempo 70 und der schlechten Einsicht der Straße in einer lang gezogenen Kurve schwierig sei. So holen sie und andere Eltern, deren Kinder dort nun aussteigen müssen, ihre Kinder täglich an der Haltestelle ab. Grundsätzlich, meint Christina Sauter, verstehe sie allerdings nicht, weshalb der Bus nicht einen "kleinen Schlenker"über Winzlar fahren könne. Die Tour sei nur einen Kilometer länger und die Haltestelle für alle, die mitfahren wollten, wesentlich ungefährlicher und einfacher zu erreichen. Die Kinder sind dabei das eine, was sie im Blick hat. Was noch dazu komme, seien aber andere Mitfahrer wie etwa Bewohner aus dem Seniorenheim in Winzlar. Für sie sei es nahezu unmöglich, die Bushaltestelle an der Bundesstraße zu erreichen. Es könne doch nicht allzu schwer sein, während der Vollsperrung der Straße nach Rehburg solch eine Lösung durchzusetzen. Foto: jan
