1. Typisch englisch: "Best of British"

    Klassik zu Pfingsten mit der Nordwestdeutschen Philharmonie

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    Bad Salzuflen (la). Bereits zum 14. Mal veranstaltet die Nordwestdeutsche Philharmonie ihr eigenes Festival "Klassik zu Pfingsten". Den Auftakt machte bereits am gestrigen Freitag ein Kammerkonzert mit dem Nairi-Quartett in der Konzerthalle im Kurpark – ein Orchesterkonzert am heutigen Samstag schließt sich an. In diesem Jahr stehen Werke vorwiegend englischer Komponisten auf dem Programm, das mit eher unbekannten als auch unsterblichen und populären Stücken ausgefüllt ist. Frank Beermann, der Mitbegründer der "Klassik zu Pfingsten"-Reihe steht bei den Orchesterkonzerten am Pult, renommierte Solisten wirken zudem mit. Eine Liedmatinee Werke von Henry Purcell, Ralph Vaughan Williams und Frank Bridge werden beim zweiten Kammerkonzert der Reihe, das als Liedmatinée am Pfingstsonntag um 11 Uhr veranstaltet wird, erklingen. Begleitet von Frank Beermann am Flügel, wird dabei die an internationalen Opernhäusern gefeierte Koloratursopranistin Julia Bauer mitwirken, die auch am Abend beim zweiten Orchesterkonzert vertreten ist. Julia Bauer gilt als einer der profiliertesten Sopranistinnen ihrer Generation und hat sich im klassischen Koloraturfach wie auch als Interpretin zeitgenössischer Musik einen Namen gemacht. Sie schloss ihr Gesangsstudium an der Universität der Künste in Berlin mit Auszeichnung ab. Neben ihrer Gesangausbildung erwarb sie das Staatsexamen als Musikpädagogin und erhielt Tanz-, Klavier-, Saxophon- und Klavierunterricht. Engagements führten sie nach Japan, in die USA sowie an renommierte Häuser in Deutschland und Europa. "Feuerwerksmusik" und "Pomp and Circumstance" An Vielfalt kaum zu übertreffen ist das zweite Orchesterkonzert des Festivals: Allein elf Meisterwerke von neun Komponisten werden angestimmt. Die Palette reicht von der "Feuerwerksmusik" bis zum unvermeidlichen "Pomp and Circumstance"-Marsch, wobei dann auch das "Rule Britannia" und "Jerusalem" nicht fehlen, aber auch Stücke aus "My fair Lady" und "Eine Nacht in Venedig" angestimmt werden. Die Leitung hat wieder Frank Beermann, als Solistinnen wirken Julia Bauer (Sopran) und Anne Heinemann (Trompete) mit. Schon die öffentliche Generalprobe der "Music for the Royal Fireworks" von Georg Friedrich Händel (HWV 351) war ein Spektakel, wie es die Musikgeschichte selten erlebt hat. 12.000 Menschen sollen ihr in und um die Vauxhall Gardens beigewohnt haben, als ein 57-köpfiges, nur aus Bläsern bestehendes Orchester Händels Komposition erstmalig spielte. Die "Feuer-Musik" war eine Auftragskomposition des englischen Königs Georg des Zweiten, der damit die Beendigung des Österreichischen Erbfolgekrieges feiern wollte. Genau einen Monat später verwirklichte der Komponist dann seine "Feuerwerksmusik" in der von ihm beabsichtigten musikalischen Fassung. Jetzt war auch ein starker Streicherapparat vertreten, der die klangliche Balance zu den vielen Holz- und Blechbläsern herstellte. Und die Arie "Let the bright Seraphim" ist die vorletzte Nummer des 1741 unmittelbar nach dem "Messias" komponierten Oratoriums "Samson". Das für Sopran und Trompete geschriebene Stück schuf Händel allerdings erst für eine überarbeitete Fassung des Stoffes, in der die ursprüngliche, mit Trauermarsch und Klagegesang auf Samson endende Komposition um einen triumphalen Schluss mit einem Lobpreis auf Jehova und anschließendem Schlusschor ergänzt wurde. Claude Debussys "Prélude à laprès-midi dun faune" ist ein Stück, das paradigmatisch für den musikalischen Impressionismus steht und den Ausgangspunkt der Neuen Musik ausmachte. Letztlich ist das "Prelude" eines der wenigen wirklichen Schlüsselwerke der Musikgeschichte. "My fair Lady" des gebürtigen Berliner Komponisten Frederick Loewe ist eines der erfolgreichsten Musicals überhaupt. Der Song "I could have danced all night" aus dem ersten Akt zeigt Eliza in größter Euphorie: sie hat ihre Sprachprobleme abgelegt, nachdem der Unterricht bei Higgins endlich Erfolge zeitigt. "Rule Britannia” ist ein patriotisches Lied des Komponisten Thomas Arne. Vertont wurde es als Schlussgesang einer Masque namens "Alfred", die David Mallet 1740 veröffentlicht hatte. Es ist mittlerweile zur inoffiziellen Nationalhymne Großbritanniens geworden. "And did those feet in ancient time” ist ein Gedicht von William Blake , das im Vorwort zu seinem "Milton" erscheint. In der 1916 erschienenen Vertonung von Hubert Parry stieg es unter dem Titel "Jerusalem" zu Englands patriotischstem Lied auf. Einmalig daran: diese Hymne wird von den unterschiedlichsten politischen Strömungen verwendet. Nationalisten wie Sozialisten, Rugby-Vereine und Frauenverbände sehen sie als "ihr" Lied an. Das Gedicht spielt auf die Legende an, Jesus Christus habe zusammen mit Josef von Arimathäa Glastonbury besucht. Von den fünf zwischen 1901 und 1930 uraufgeführten Märschen opus 39 von Edward Elgar hat es der erste "Pomp and Circumstance” zu einer überragenden Berühmtheit gebracht. Als das Werk erstmalig in London zu hören war, musste es Dirigent Sir Henry Wood gleich drei Mal spielen, bis sich die Begeisterung des Publikums ein wenig gelegt hatte. König Edward VII. hatte sich diesen Marsch zu seinen Krönungsfeierlichkeiten 1902 in der Westminster Abbey gewünscht. Als "Krönungsode" wurde der Mittelteil bei dieser Gelegenheit mit den Worten "Land of Hope and Glory" unterlegt - ein Text, der bis heute bei den Londoner Promenadenkonzerten vom Chor und dem gesamten Publikum angestimmt wird. Anne Heinemann, die junge Solotrompeterin der Nordwestdeutschen Philharmonie, spielte als Studentin in der Jungen Deutschen Philharmonie und 2012 bis 2014 als Substitutin im Orchester der Dresdner Philharmonie. Erfolgreich nahm sie an internationalen Wettbewerben teil und wurde von verschiedenen Stiftungen durch Stipendien gefördert, seit 2013 ist sie Stipendiatin der Oscar-und-Vera-Ritter-Stiftung. Anne Heinemann tritt auch als Solistin auf und ist neben ihrer Tätigkeit im Orchester sehr in der Kammermusik für Blechbläserensembles engagiert. Sie ist Mitbegründerin der Gruppe "10forbrass", mit der sie 2013 beim Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Hochschulwettbewerb mit dem zweiten Preis ausgezeichnet wurde.

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