Detmold (ab). Marzipan finden viele Menschen durchaus lecker. Aber möchte man diesen Duft nach Bittermandelöl permanent beispielsweise am Arbeitsplatz oder gar im Schlafzimmer um sich haben? Die zweite Detmolder Riechstudie untersuchte die Wirkung des Stoffs Acetophenon auf menschliche Nasen. 205 der Besucher beim Tag der offenen Tür an der Hochschule OWL in Detmold haben ihre "Riechkolben" in den Dienst der Wissenschaft gestellt. Acetophenon findet hauptsächlich in Fugenmaterialien und Ausgleichsmassen Anwendung. Gesundheitsschädlich sei der Stoff zwar nicht, aber aufgrund des Geruchs kann er schon arg stören. Bei der Riechstudie schnuppern die Probanden an sieben verschiedenen Glastrichtern. Aus dem ersten kommt reine Luft, bei den weiteren wurde Acetophenon beigemischt – jeweils immer stärker dosiert. Die Testpersonen sollten einerseits feststellen, ab wann sie überhaupt den typischen Acetophenon-Geruch feststellen und dann für jedes einzelne Glas bewerten, ob der Geruch akzeptabel ist oder nicht. Die Antworten werden ausgewertet und in einer Tabelle aufgeführt. Derzeit entsteht eine solche für verschiedene Stoffe, 30 umfasst sie derzeit. Darin werden Grenzwerte festgelegt, die es Baufachleuten ermöglichen, Gegenmaßnahmen zu ergreifen und Alternativen zu suchen. Derzeit wird im Auftrag des Bundesumweltamtes eine Tabelle mit unangenehm riechenden Substanzen erabeitet, anhand derer man problematische Konzentrationen ablesen kann. Auch die Ergebnisse der ersten Detmolder Riechstudie zum Stoff Naphthalin wurden bereits aufgenommen. Die Tabelle ist vor allem für Baufachleute interessant, die hier ablesen können, welche Stoffe sie lieber nicht verwenden sollten. "Wir wollen, dass die Menschen sich wohlfühlen", erläutert Dr. Manfred Pilgramm. Der Initiator der Studie hat einen Lehrauftrag für Wohnmedizin an der Hochschule OWL. Marzipan, Teppich, Autowerkstatt, Blumen, Nagellack oder Putzmittel – die Assoziationen der Teilnehmer sind recht unterschiedlich. Das gleiche gelte auch für die Akzeptanzschwelle. Das hänge mit dem kulturellen Hintergrund und der Erziehung zusammen, meint Matthias Schmidt von der Anbus Analytik GmbH, die die Studie gemeinsam mit dem Bremer Umweltinstitut wissenschaftlich auswertet.
Die Ergebnisse der Riechstudie werden die Wissenschaftler beim 5. Wohnmedizinischen Symposium im November in Detmold vorstellen.
