Lemgo. Karla Raveh wurde die erste Engelbert-Kaempfer-Medaille verliehen. Bürgermeister Dr. Reiner Austermann und der 1. Vorsitzende der Engelbert-Kaempfer-Gesellschaft Dr. Gerhard Kuebart freuten sich, die Ehrenbürgerin der Stadt in Lemgo begrüßen zu können. Auf Wunsch der 88-Jährigen fand die Verleihung in einem kleinen Kreis im Lemgoer Rathaus statt.
Die Alte Hansestadt Lemgo hatte gemeinsam mit der Engelbert-Kaempfer-Gesellschaft die Bevölkerung aufgerufen, Vorschläge für Menschen einzureichen, die unermüdlich, couragiert und engagiert für Völkerverständigung und Menschenrechte eintreten. Auszeichnungswürdig waren weiterhin Verdienste im Bereich der Wissenschaft und Forschung insbesondere in Bezug auf die Person Engelbert Kaempfer. Aus einer Reihe von Vorschlägen aus beiden Bereichen sprach sich die Jury einstimmig für Karla Raveh, geborene Frenkel, aus. Karla Ravehs Biografie spricht für sich. Sie wurde 1927 in Lemgo geboren. Am 27. Juli 1942 wurde die Familie Frenkel über Bielefeld in das Konzentrationslager Theresienstadt und 1944 nach Auschwitz deportiert. Sie und ihre Großmutter Helene Rosenberg sind die einzigen Überlebenden ihrer Familie nach dem Holocaust. Raveh kam über Bergen-Belsen in eine Munitionsfabrik in Salzwedel. Unter härtesten Bedingungen arbeitete sie dort, bis sie 1945 von den Amerikanern befreit wurde und in die Schweiz gehen konnte. 1949 kam sie noch einmal nach Lemgo zurück, heiratete Szmuel Raveh und ging mit ihm nach Israel. Seit 1986 kommt sie regelmäßig in ihre Geburtsstadt Lemgo zurück und wohnt in dem Haus, in dem ihre Familie bis 1942 gelebt hat. Bürgermeister Dr. Reiner Austermann betonte bei der Auszeichnung, dass man für die erste Engelbert-Kaempfer-Medaille keine würdigere Preisträgerin hätte finden können. Er führte aus, dass er durch sein Amt als Bürgermeister schon viele Persönlichkeiten kennenlernen durfte, jedoch sei Raveh die Person, die ihn am meisten beeindrucke. Trotz des schrecklichen Unrechts, dass sie erfahren musste, habe sie die Kraft gehabt, wieder eine innige Verbindung mit ihrer Heimatstadt Lemgo aufzubauen. Mit ihrer Erinnerungsarbeit, beispielsweise in Schulen, engagiere sich Karla Raveh seit Jahrzehnten für Toleranz, respektvolles Miteinander und Völkerverständigung. "Karla Raveh beeindruckt Menschen jeden Alters mit ihrer menschlichen Wärme, ihrem Lebensmut und ihrer Freundlichkeit. Mit ihrer Erinnerungsarbeit hat sie sich um die Alte Hansestadt verdient gemacht", so Dr. Reiner Austermann. Dr. Gerhard Kuebart gratulierte im Namen der Engelbert-Kaempfer-Gesellschaft und betonte, dass sich Karla Raveh wie schon Kaempfer zu seinen Zeiten für die internationalen Beziehungen einsetze. Karla Raveh bedankte sich für die Ehrung und fügte hinzu wie sehr ihr Lemgo am Herzen liege. Sie hoffe, auch im nächsten Jahr wieder für einige Zeit in ihrer Heimatstadt verweilen zu können.
